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Das jüdische Blatt · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Das jüdische Klatt. Nr. 30 (Ers.-D.: Jonas Strauß, Rabbiner Dr. Lichtig, Karl Bodenheimer). Karlsruhe: Rabbiner Dr. Schiffer (Erf.-D.: Jsak Ettlinger). Lübeck: Rabbiner Dr. Salomon Carlebach (Erf.-D.: Dr. H. Ehrmann). Mainstock he im: Rabbiner Dr. Frankl-Halberstadt (Ers.-D.: Julius Sichel-Halberftadt). Marburg: Dr. M. Schlesinger (Ers.-D.: Jul. Sichel-Halberstadt). Mühlhausen: Rabbiner Dr. Weill-Buchsweiler (Ers.-D.: Jos. Samuel-Grussenheim). München: Felix Feuchtwanger (Ers.-D.: Hermann Rosenthaler). Nürnberg: Rabbiner Dr. Klein, Reallehrer Dr. Brader (Ers.-D.: A. Grünbaum, I. Ansbacher). Obornik: Koschman Wreschner. Pleschen: Dr. Max Calvary-Posen (Ers.-D.: Rabbiner Dr. Frankl-Halberstadt). R a w i t s ch: Rabbiner Dr. Cohn. Paris: Rabbiner Weihkopf, Nephtali Levy, Giacomo A. Tedesco (Ers.-D.: Clie Weinstein, Sam. Travis, Felix Strauß). Przemysl: Jsaac I. Thumin, Jakob Hirschfeld (Ers.-D. Samuel H. Babad, Simon Kalman). B a c a u: Rabbiner B. W. Schafran. B o t o s a n i: Rabbiner I. L. Landau. Außer diesen wurden bereits in mehreren Jugendgruppen und in einer größeren Anzahl von Ortsgruppen in Rußland und Polen Delegiertenwahlen vorgenommen. Frankfurt a. 2tt. Heute fand hier eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel- Jugendorganisation statt. Hauptsächlich befaßte man sich mit Propaganda- und Finanzfragen. Mit Genugtuung wurde die gute Entwicklung der Jugendbewegung der Agudas Jisroel konstatiert. In Deutschland bestehen bereits 30 Gruppen. Für die nächsten Wochen ist eine Reihe von Neugründungen in Aussicht. Zur Kenessijoh gedauloh wurde die Herausgabe einer neuen Propagandaschrift beschlossen. Es wurde ferner beschlossen, auf die Zeit der Kenessijoh gedauloh eine Tagung der Jugendgruppen nach Frankfurt a. M. einzuberufen. In Zloczow hielt Herr Rabbiner M. Schapira-Glinianz am 5. Juli einen Zstündigen Vortrag über die Agudas Israel, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. In Buczacs gründete H. Meier Arak, Mitglied des Rabbinischen Rats der A. I., in Potok-Zloty H. Herschel Fränkel-Theomin in C h o r o st - k o w H. Rabbiner Rat, in Iaroslau H. M. Schmelkes- Krakau je eine Ortsgruppe. Außerdem fanden auf Anregung der HH. Rabbiner in mehreren Orten Galiziens Propaganda-Versammlungen statt. In London wird am 27. Juli in der Great Assemble Hall, die mehr als 8000 Personen faßt, eine Massenversammlung stattfinden. Als Redner werden auftreten H. Dr. M. Hildesheimer- Berlin, H. Rabb. „Dr. Jung-London, H. Rabbiner Hillmann, Mitglied des Londoner Besdin, H. Bromberg. Manchester wählte 2 Delegierte. In Saloniki konstituierte sich .der Verein j“niyn Ortsgruppe, in Kopenhagen ist eine Ortsgruppe in Vorbereitung. Geburtenrückgang. Aus einer bei E. F. Lehmann in München erschienenen Studie des Münchener Hygienikers Professor Dr. Max v. Gruber über Ursachen und Bekämpfung des Geburtenrückganges im Deutschen Reiche sei folgende Stelle herausgegriffen: Die Bedeutung der Konfession wird durch nichts schlagender bewiesen als durch das Schicksal der Juden. Unter der Herrschaft des mosaischen Gesetzes haben die Juden bekanntlich in großartiger Weise Jahrtausende überdauert. Als die griechische Kultur noch in den Windeln lag, waren die Juden schon ein altes Kulturvolk, und bis in die jüngste Zeit lebten sie in völlig unverwüsteter Lebenslust und Lebenskraft, während die antiken Völker an ihrer Zivilisation längst elend verreckt sind. Als Hypermoderne von heute sind sie mehr als andere Rassen mit dem Aussterben bedroht. Die Sorge des Einzelnen, seine Kinder unter optimale Lebensbedingungen zu versetzen, Vermögen aufzuhäufen, um auch seinen Kindeskindern möglichst optimale Lebensbedingungen, alle Güter der Zivilisation und der Kultur sicher zu stellen, sind bei ihnen stärker geworden als das Gefühl der Pflicht gegenüber ihrer Rasse im Ganzen; hat sie blind dagegen gemacht, daß ihre stolzen Zukunfts- Hoffnungen auf die Weltherrschaft jüdischer Begabung, Verstandesklarheit und Geisterkraft in nichts zerfallen müssen, wenn sie durch ungenügende Kinderproduktion sich selbst zum Aussterben verurteilt. Dieses Beispiel der Juden ist auch deshalb so wichtig, weil es chlagend zeigt, wie wenig das Phänomen des Geburtenrückganges mit wirklicher wirtschaftlicher Not zu tun hat." Gibt es denn gar keine Instanz gegen das Urteil tfriVOJ??XnTi N'DID1? KpOlD K1TD Levi. Oesterreich-Ungarn. Die kritische Lage der Juden Galiziens.*) Die zur Besserung der Lage der jüdischen Bevölkerung zu Beginn des Jahres 1911 von dem Landesausschuß einberufene Enquete ist, wie eine ähnliche 20 Jahre vorher, ganz ohne Ergebnis für die Juden geblieben. Nur das furchtbarste, offen zutage liegende Elend der jüdischen Massen konnte bei der politischen Konstellation in Galizien zu einer staatlichen Untersuchung ihrer Lage führen. In der Enquete selbst wurde die Not der Juden in vollem Umfange anerkannt, und es wurden auch die Mittel zur Abhilfe von den jüdischen Teilnehmern klar präzisiert — aber die Regierung und die herrschenden Parteien machten auch nicht den leisesten Anfang zu einer staatlichen Intervention zugunsten der Juden, während andererseits auf dem Gebiete der Gesetzgebung wie der Verwaltungspraxis ihre berechtigten Interessen verletzt oder ignoriert werden. Auch neue, von jüdischer Seite im Landtage unternommene Versuche, eine staatliche Intervention zur Linderung der Notlage der Juden zur Tat werden zu lassen, werden leider zu einem positiven Ergebnis nicht führen. Die schwerste Unbill und der schwerste Schaden wurde den Juden durch die Anwendung des nationalpolnischem Fanatismus entsprungenen Boykottsystems nach russisch-polnischem Muster zugefügt. Der ökonomische Antisemitismus, der auch bisher schon dem wirtschaftlichen Kampfe zugrunde gelegen hatte, hat damit seine schärfste und gehässigste Form gefunden. Dieser Boykott wird dadurch charakterisiert, daß die niedrigsten und schändlichsten Mittel angewandt werden, die polnische Stadt- und Landbevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen, um diese gesellschaftlich zu boykottieren und wirtschaftlich zu ruinieren. Das Schlimmste und Gefährlichste ist, daß dieser Kampf überall hingetragen wird, in die Kirchen, die Schulen, die Privathäuser, an die Krankenbetten, daß auch die Frauen und sogar die Kinder fanatisiert werden. Das Land wird mit tendenziösen Schriften überschwemmt — *) Aus dem Jahresbericht des „Deutschen Hilfs-Vereins".

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