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Das jüdische Blatt · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30. Das Mische Ktatt 3 Gruppe von Nationaljuden bewegt werden, die auf der einen Seite beständig um die Hilfe und Mitarbeit der Judenheit aller Länder an palästinensischen Unternehmungen jedweden Charakters schreien, die aber auf der anderen Seite nicht zaudern, sich soweit zu erniedrigen, daß sie die verwerflichsten Mittel ergreifen, um, wenn es sein muß, mit Gewalt ihre eigenen Zwecke und Pläne durchzusetzen. Die Judenheit der Welt, und insbesondere die Amerikas, hat es sich sorgsam zu überlegen, ob es bei dieser Lage der Pinge ratsam ist, ihr Interesse und ihre Mithilfe bei palästinensischen Plänen und Unternehmungen zu vermehren. Dazu berichtet Jew. Chron. noch, daß nach den neuesten Berichten die amerikanischen Mitglieder des leitenden Ausschusses des Technikums demissioniert haben, und daß nach den neuesten Mitteilungen in diesem Monat in Berlin eine wichtige Versammlung stattfinden soll, um darüber zu beraten, was zu geschehen hat, um das Technikum zu reorganisieren, oder ob es aufgegeben werden soll. II. Jakob Schiff über Galveston. In dem neuesten Heft der „Iewisch Charities" gibt der Financier Jakob Schiff, der für das Unternehmen, die Auswanderer über Galveston nach Amerika zu leiten, eine halbe Million Dollar aufgewendet hat, einen interessanten Bericht über die Funktion des „Galveston Information Bureau" und über die Ursachen von dessen Schließung. Er schreibt: Bon Europa nach Galveston führt nur eine Dampferlinie, der Norddeutsche Lloyd in Bremen. Dadurch sind die Auswanderer nach Galveston ganz und gar dem Belieben dieser einzigen Dampfergesellschast angewiesen. Obgleich im großen und ganzen die von dieser Gesellschaft zum Transport der Auswanderer getroffenen Anstalten leidlich erträglich waren, so bringt doch eine Seereise von 23 Tagen an und für sich manche Unzuträglichke'iten, die häufig zu nicht immer unbegründeten Klagen der Auswanderer führten. Den Ausschlag hat aber die Haltung der Bundesregierung gegeben, die in Galveston eine Einwanderungsstation errichtete, die sich den Bestrebungen des Komitees nicht immer so sympathisch gegenüberstellt, wie dies zu erwarten sich berechtigt hielt. Das Komitee war des Glaubens, daß seine Bemühungen, die Einwanderung von den überfüllten Zentren der nordatlantischen Küste abzulenken und einen neuen Weg zu eröffnen, der unmittelbar in das amerikanische Hinterland führte, wo die Arbeiter mehr gefragt sind, jede mögliche Förderung von den betr. Bundesbehörden verdient hätte. Diese jedoch haben in der jüngsten Zeit, besonders seitdem die Einwanderungsangelegenheiten voll dem Departement für Handel und Arbeit auf das neu errichtete Arbeitsamt übertragen, eine Einschränkungspolitik eingeleitet, die in Galveston besonders ausgeprägt war, wo das Gesetz jetzt mit aller Strenge angewandt, und wo die Deportation auf so geringfügige Gründe hin angeordnet wird, daß das Verhältnis derjenigen, über die von der Regierung die sofortige Deportation verhängt wird, 5 vom Hundert erreicht, während das ähnliche Verhältnis in allen anderen Häfen nur auf 1,21 vom Hundert sich beläuft. Bei dieser Lage hat das Komitee nach reiflicher Erwägung beschlossen, daß es unnötig erscheint, die Bemühungen fortzusetzen, denen es zu dienen bestimmt war — die Einwanderung von den übervölkerten Zentren in Newyork und anderen nordatlantischen Häfen abzulenken —, und hat angeordnet, das Galveston-Bureau auf den 1. Oktober zu schließen., Zu jener Zeit werden etwa 10 000 Personen durch das Galveston-Komitee an zahlreicheti Punkten des fernen Westens, sowie des Südwestens und Nordwestens angesiedelt worden sein, wo die meisten dieser Neuankömmlinge imstande waren, eine würdige Existenz und ein glückliches Heim zu finden. Auf diese Weise sind Mittelpunkte geschaffen worden, durch welche noch manche andere sich werden angezogen fühlen, die jetzt in den überfüllten Städten der Oststaaten wohnen. Außerdem wird das Bestehen dieser Mittelpunkte manche Auswanderer in Rußland und anderswo veranlassen, die überbevölkerten amerikanischen Seehäfen zu meiden und sich auf direktem Wege nach den Staaten des amerikanischen Hinterlandes zu begeben, wo ihre Freunde sich bereits angesiedelt haben. Auf diese Weise wird das Galveston-Unternehmen einigermaßen fortdauern und im stillen zwar, jedoch mit Erfolg, das Werk weiterführen, für das es errichtet wurde. Soweit Herr Jacob Schiff. Seine Rede ist der Grabgesang des Ealveston-Unternehmens, von dem man sich viel Segen versprochen hatte. Aus aller Wett Deutschland. Aus der Agudas Jisroel-Vewegung. Frankfurt a. 7N. Die Vorbereitungen für die K e n e s s i j o h gedauloh schreiten vorwärts. Im Bureau der Agudas Jisroel und in den Sonderkomitees ist man eifrig beschäftigt, die Vorkehrungen zu treffen, die für eine glatte Abwicklung der Geschäfte während und unmittelbar vor der Kenessijoh erforderlich sind. Das Wohnungskomitee (Bureau: Hanauer Landstr. 17) erließ in der Lokalpresse Inserate, um eine genügende Anzahl von Zimmern in Hotels und Privatwohnungen zur Verfügung zu haben. Es ist dringend erforderlich, daß die nach Frankfurt kommenden Delegierten und Gäste ihre dahingehenden Wünsche rechtzeitig dem Wohnungskomitee Mitteilen. Da die Kenessijoh während der Hauptreisesaison stattfindet, ist zu befürchten, daß passende Zimmer nur schwer erlangbar sein werden, wenn sie nicht vorher reserviert wurden. Die Anmeldung von Gästen als Zuhörer langen in großer Zahl an. Es wird darauf hingewiesen, daß der Zutritt nur durch Gastkarten, soweit der Raum reicht, gestattet sein wird. Gastkarten sind im Bureau der Agudo (Zeil 85) vorzumerken. Da der Zudrang zu der Eröffnungssitzung besonders groß sein dürfte, werden die Gastkarten zu dieser Sitzung gegen einen Preis von 2 dl reserviert. Für die anderen Sitzungen ist der Eintritt unentgeltlich. Frankfurt a. M. Die Delegiertenwahlen zur Kenessijoh gedauloh haben bereits begonnen. In den meisten Ortsgruppen finden zu diesem Zwecke Versammlungen statt, in denen den Mitgliedern der Organisation Gelegenheit gegeben wird, ihre Ansichten und Wünsche zu den Gegenständen zu äußern, die auf der Kenessijoh zur Diskussion gestellt werden. An 'vielen Orten ist die Wahl bereits vollzogen. Bisher find folgende Resultate gemeldet worden: Altona: Oberrabbiner Dr. Lerner, Julius Holländer. (Ersatzdelegierte: Rabbiner E. Duckesz, Julius Möller.) Aurich: Lehrer B. Wolfs. (Ers.-D.: A. van Dyck.) B a i s s i n g e n: Louis Kahn-Frankfurt a. M. Cassel: Manus Elias (Ers.-D.: Lehrer S. Neumann). Halberstadt: Gottfr. Goldschmidt, Hermann Schwab (Ers.-D.: Dr. med. H.^ B. Auerbach). Hamburg: Dr. Lanzkron, Schloma Lewin, Jakob Goldschmidt

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