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Das jüdische Blatt · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Il Das südische Klatt. Nr. 30 Erna: Und was geschieht nach Eroberung der Stadt mit den Gefangenen? Rav: Soweit sie nicht an den Kämpfen teilgenommen haben, die Zivilbevölkerung also, wie wir heute sagen würden, muß g e - schont werden. Sie werden zwar persönliche Sklaven — nach altem Kriegsrecht — aber als solche hatten sie es bei den Israeliten nicht schlimm. Einmal weil die Israeliten immer barmherzig und menschenfreundlich waren. Beweis: Die Knechte des edomitischen Königs Benhadad, also Heiden, erbitterste Feinde Israels sagen: „Siehe die Könige Israels sind barmherzige und mitleidige Menschen." Zweitens, wenn ein Heide in das Haus eines Israeliten als Sklave trat, mußte er die jüdischen Religionsgesetze beobachten: er wurde somit Jude und war nicht nur Haus- und Arbeitsgenosse, sondern auch ein Glaubensgenosse, war also als solcher geschützt und geachtet, nahm als solcher an allen Wohltaten des Thoragesetzes, die du doch nicht in Abrede stellst, teil. Erna: Ich freue mich, daß ich auf diese Weise Aufklärung von Ihnen über mir bis jetzt Unklares erhalte. Aber warum haben die Kananiter, Perifiter ufw. nicht an diesen Schonungsbestimmungen teil? Warum soll gegen diese das Gesetz: „ihr sollt sie vor euch vernichten" oder „du sollst keine Seele leben lassen" in Anwendung kommen? Es sind doch auch Menschen, Kinder Gottes? Rav: Gewiß; aber was für Menschen! Diese waren ganz entartet, sittlich durchaus bis in den Grund verdorben und verkommen, so daß eine Besserung und ein Emporraffen aus dem Sumpfe der Verderbtheit nicht mehr zu hoffen war, wie das an vielen Stellen der Thora ausgesprochen ist. Sie hatten infolge der Greuel, die sie gewohnheitsmäßig begingen, und der Verkehrtheit ihres Lebenswandels, in die sie unrettbar verstrickt waren, den Ehrennamen Mensch und die Rücksicht und den Liebesanspruch, welchen man dem Ebenbild Gottes schuldet, einfach eingebüßt. Und dennoch hätten sich die Israeliten nicht als Rächer der Sittlichkeit und des Gottesgesetzes aufspielen dürfen (du siehst also, daß die Thora den Israeliten weder Selbstgerechtigkeit noch Stolz und Hochfahrendheit einredet, siehe V. 6. M. 9, 4—7 ff.), wenn nicht auch Erwägungen der Selbstverteidigung und des Schutzes der eigenen Sittenreinheit, und der Erhaltung des eigenentVolksbestandes maßgebend gewesen wären, „damit sie euch nicht lehren zu tun, ganz nach ihren Greueln, welche sie ihren Göttern zu Ehren verüben, und ihr sündiget gegen den Ewigen euren Gott." Wenn ein Guter und Schlechter miteinander verkehren, so wird ja viel eher der Gute vom Schlechten, als der Verdorbene vom Braven absehen und lernen. Und in der Tat, der Erfolg hat es ja gelehrt, wie sehr die Thora recht hatte. Denn unsere lieben Väter haben nicht gefolgt, sie liehen auch die Kananiter weiter im eigenen Lande leben, und schon ein Geschlecht nach Josua waren die Israeliten im Götzendienst und Sittenverderbnis versunken und das schreckliche Elend der Richterzeit brach über sie herein. So sind diese Ueberreste heidnischer Völker im Lande Kanaan in Wahrheit unseren Vätern geworden „zu Dornen in den Augen und zu Stacheln in den Seiten". Erst unter der Arbeit des Propheten Samuel und des Königs David, welche beide tapfere und unerschrockene Verteidiger und Vollzieher des Gottesgesetzes waren, wurde Israel gottesfürchtig und fromm und dadurch gelangte das Volk zu Wohlstand, Glück und politischer Macht. Erna: Jetzt bin ich zu einem ganz anderen Verständnis des Thorawortes gelangt. Jetzt sehe ich, auch hier heißt es: „Weit im Gehirne leben beieinander die Gedanken, hart im Raume stoßen sich die Sachen." Auch in der Arbeit für das Gute und Gottgefällige kann man Strenge und Entschiedenheit und auch etwas Härte nicht entbehren. Mit übel angebrachter Empfindsamkeit gelangt man aber auch in der Religion nicht zum Ziele. Und die Thora hat recht überall, man muß nur lernen und sich aufzuklären bestrebt sein. Vorher aber muß man glauben und vertrauen. Zwti Aeußerungen Jakoö Schiffs. I. Jakob Schiff über das Technikum in Haifa. Über die Einstellung seiner Mitarbeit an der Förderung des Technikums in Haifa schreibt Jakob Schiff-Newyork dem „American Hebrew" folgendes: Verschiedentlich — zuletzt in ihrer Nummer vom 26. Juni — ist in der Presse die Meinung vertreten worden, daß mein Interesse für das Technikum in Haifa und in dessen Verfolg mein Beitrag zu dessen Baufond durch H. Dr. Schemarja Lewin angeregt wurde, der einer der Führer der jüdischen nationalen Bewegung ist. Obgleich ich bis jetzt es nicht der Mühe'wert fand, von dieser Meinung Notiz zu nehmen, ist es, infolge ihrer häufigen Wiederholung, höchste Zeit, daß ich einfür allemal feslstelle, daß diese Behauptung den Tatsachen durchaus nicht entspricht. Nicht Dr. Lewin, sondern Dr. Paul Nathan in Berlin ist es gewesen, der mich mit dem Plan vertraut machte, in Haifa ein jüdisches Institut für technische Erziehung mit allen ihren Zweigen zu errichten, und infolge des nachdrücklichen Ernstes, mit welchem Dr. Nathan mir bewies, was für segensreiche Wirkungen ein derartiges Institut auf die Hebung des Kulturniveaus und der wirtschaftlichen Lage der Heranwachsenden Generation der Juden Palästinas ausüben könnte, erwachte mein Interesse für das Unternehmen. Mein Interesse wurde in nicht geringem Maße durch die bei dieser Gelegenheit eröffnete Aussicht angespornt, daß an dieser Aufgabe der kulturellen Hebung und des Fortschritts in Palästina deutsche, russische und amerikanische Juden, Orthodoxe und Reformer, Zionisten und Antizionisten harmonisch zusammenarbeiten würden. Unglücklicherweise haben die Dinge einen ganz anderen Verlauf genommen als bei Beginn erwartet wurde, und an Stelle des harmonischen Zusammenarbeitens innerhalb des leitenden, in Berlin domizilierten Komitees des Instituts, wie es vor 4 oder 5 Jahren noch vorwaltete, erhoben sich schwere Meinungsverschiedenheiten gerade in der Zeit, wo ausgedehnte Baulichkeiten des Technikums ihrem Abschlüsse nahe waren und wo das Institut im Begriffe stand, sich der palästinensischen Jugend zu eröffnen. Diese Meinungsverschiedenheiten nahmen zweifellos deshalb so große Schärfe an, weil beide Parteien eine große Hartnäckigkeit in dem eröffnten Streite zeigten. Die Tatsache steht jedoch unwiderleglich fest, daß eine nur kleine, von Dr. Lewin geführte Minorität des leitenden Ausschusses infolge ihrer überhasteten Demission und ihrer unangebrachten Agitation die Wirkung hervorbrachte, daß — ungeachtet der von den amerikanischen Mitgliedern aufgewandten Ruhe und ungeachtet der zur Geltung gebrachten einheitlichen Meinung derselben, — daß schließlich das ganze Unternehmen ins Schwanken gebracht wurde in einem Augenblick, wo es seiner Vollendung entgegensah und nachdem mehr wie 300 000 Dollars bereits darauf verwendet waren. Obgleich ich immer noch hoffe, daß Mittel und Wege gefunden werden, das Technikum wieder in die Höhe zu bringen, so daß es seiner großen Aufgabe übergeben werden kann, der es bestimmt war, so hat doch die beklagenswerte Veranlassung, die schließlich zu dem jetzigen Zusammenbruch führte, klar gezeigt, daß die palästinensischen Angelegenheiten von einer verhältnismäßig kleinen

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