Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 30 (24.7.1914)
- Date
- 1914-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IReicb und Ausland: Teitungspretslitte. Layernr Skeitungsnummer S4S. Geschäftsstelle: ■■ - ' ■■ SR. DuMont Schauberg, Stratzburg i. Elf. Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhändler, AnSbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsäsfische Aktiengesellschaft vorm. A. Rmmel. In Basel durch I. Nordmauu, Socinstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühre»), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. dal Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. I« Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. daS Jahr. I» England 2 Schilling. Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -JnjLrate nach Tarif.- Abonnements nimmt jede lpottanttalt entgegen. V. Aabrgang Stratzburg, 24. Snlt J9V4, I. Av 5674. Nr. 30 Inhalt. Leitartikel: Zu 'D* * — Zwei Aeußerungen Jakob Schiff's. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Briefkasten. — Vermischtes. — Ein merkwürdiger Tausch des Glaubens. — Mutter und Sohn. — Inserate. Zu iyDDi niBD 'D. Wenn ihr über den Jordan ins Land Kanaan hinüberzieht, sollt ihr alle Bewohner des Landes vor euch vernichten, sollt vernichten alle ihre Bilder, alle ihre gegossenen Götter sollt ihr vernichten, und alle ihre Höhen sollt ihr zerstören. Tann sollt ihr das Land in Besitz nehmen und darin wohnen. Denn euch habe ich das Land gegeben es zu besitzen. Wenn ihr aber die Bewohner des Landes nicht vor euch vertreibet, werden die, die ihr von ihnen übrig lasset, zu Dornen in eueren Augen werden und zu Stacheln in eueren Seiten, und sie werden euch befehden in dem Lande in dem ihr wohnt. Und was ich gesonnen war ihnen zu tun, werde ich euch tun (IV. 33, 51—Ende; vgl. auch V, 20, 16—18). * * Erna: Das ist doch entschieden grausam und unmenschlich, wie die alten Israeliten mit ihren Feinden verfahren sind. Sie haben sie einfach vernichtet und niemand verschont. Dabei rühmen wir uns unserer menschenfreundlichen Thora und unserer schönen, von Liebe, Glück und Wohltun überströmenden Religionsgesetze. Wir sehen mit Verachtung auf die Griechen und Römer herab, weil sie so hart und unerbittlich waren und den Übrigen Völkern so viel Leid und Verderben angetan heben. Unsere alten Israeliten sind auch nicht besser oder viel besser gewesen. Mari sieht ja an diesen Versen, wozu sie angeeifert werden. Rav: Du hast da, l. Kind, diesmal nicht recht. Wir wollen einmal ruhig und gelassen, aber auch ausführlich diesen Gegenstand besprechen. Zunächst wollen wir uns mal die Stelle anfehen, auf welche hin so große Worte dem Gehege deiner, Zähne du hast entfliehen lassen. Der Abschnitt bespricht die Eroberung und Verteilung des heiligen Landes. Da ist zu allererst zu bedenken, daß im Kriege es sich um Sein oder Nichtsein handelt, daß die ganze Existenz des Volkes auf dem Spiele steht, daß es sich darum handelt, nicht allein sein Volk zu erhalten, sondern auch es zu schützen vor den furchtbarsten Leiden, welche grausame, rachgierige und blutdürstige Feinde über die wehrlosen Frauen und Kinder bringen. Du als klassisch gebildetes Fräulein Haft ja genügend gehört und gelesen von den Tierkämpfen, bei welchen Männer und Jünglinge nackt und waffenlos Löwen, Tigern und Elephanten im Zirkus zum Ergötzen des „erhabenen" römischen Volkes oorgeworfen wurden, du weißt von den Gladiatoren-Fechtkämpfen, du weißt, wie unmenschlich die Herren Klassiker ihre armen Sklaven im Haus, Feld, in den Bergwerken und auf den Ruderbänken der Kriegs- und Handelsschiffe zu behandeln pflegten. Nicht zu reden von dem, was mit den Frauen und Mädchen geschah. Deshalb macht der Midrasch zu dem Verse (V. 13. M. 20, 3) „Und (der Priester) sage zu ihnen: Höre Israel, ihr tretet heute zum Kampfe wider eure Feinde" folgende Erklärung, „gegen eure Feinde, nicht gegen eure Brüder: nicht Juda gegen Simon oder Simon gegen Jüda; denn, wenn ihr euren Brüdern in die Hände fallet, werden sie sich über euch erbarmen, wie das in II. Chronik 28 erzählt ist, aber eure Feinde, die kennen kein Erbarmen. Darum ist gegen die Feinde die äußerste Energie und die größte Tapferkeit notwendig. Erna: Nun, das mag recht sein während des Kampfes in offener Feldschlacht, die Gefangenen jedoch könnte man verschonen, aber, es heißt doch, ihr sollt alle Bewohner des Landes vor euch vernichten. Rav: Ja, du hast mich nicht fertig sprechen lassen. Wie menschenfreundlich die Thora ist, magst du aus den ersten Versen des bekannten Abschnittes in Schauftim (V, 20, 10/11) ersehen. „Wenn du gegen eine Stützt. heranziehst, gegen sie zu kämpfen, so muht du ihr (zunächst) Frieden zurufen. Und es geschehe, so sie dir friedlich Antwort erteilt und dir öffnet, so sei das ganze Volk, das sich In ihr findet, dir zinspflichtig und diene dir." Also dürfen nicht sofort Kanonen, Gewehre und Belagerungswerkzeuge sprechen, sondern es muß versucht werden, auf friedliche Weise die Stadt ausgeliefert zu erhalten, nicht allein im Interesse der israelitischen Angreifer, sondern auch der heidnischen Verteidiger, ihrer Weiber und Kinder. Und endlich, sagt der erklärende Talmud, bei Eröffnung der Belagerung muß eine Seite der Stadt frei bleiben, damit etwaige Flüchtlinge sich ungefährdet in Sicherheit bringen können. Also selbst im Kampfe Milderung seiner Gefahren und Gelegenheit zur Schonung.