Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 29 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29. Das jüdische Klatt. 9 Anzeichen reiche Funde und neue Aufschlüsse über die vorhebräische Kultur Palästinas zu erwarten sind. Jerusalem. Abermals gärt es. Die Seminaristen, welche seinerzeit aus den Schulen des Hilfsvereins austraten, fordern die dem Hilfsverein treugebliebenen Seminaristen in sehr starken Worten einer Flugschrift auf, zu ihnen überzugehen. Es ist fast unmöglich, den Inhalt dieser Flugschrift wiederzugeben. „Keinen Finger reichet dem Satan." „Hebet euch hinweg aus der Gemeinschaft derer, die sündigen und zur Sünde verleiten." „Fort mit den heuchlerischen Knechten." „Fort mit dem Satan." Wir denken, diese Blütenlese genügt. Dazu kommen noch Eigenheiten/ Herr Pellin hält Vorlesungen mit Spitzen gegen den Hilfsverein. Selbst die Homogenität des Lehrkörpers des Hilfsvereins scheint auf sehr schwachen Füßen zu stehen. Wir glauben, der Hilfs-- verein sollte nach dem Rechten sehen. Es braucht nicht ein Kampf mit anderen Schulsystemen zu sein, er muß nur dafür sorgen, daß in seinem Hause seinen Tendenzen Rechnung getragen wird. Ernennungen. Herr Achilles B a u m a n n wurde zum Bürgermeister von Jllkirch-Grafenstaden gewählt. Zu Beigeordneten wurden ernannt die Herren Elie Weil, Präsident der Kultusgemeinde, Barr, Samuel D r e y f u s, Mitglied der Verwaltungskommission, Weiler-Baßenberg, Maurice D r e y f u s, Präsident der Kultusgemeinde, Markirch. Slratzburg. Am Mittwoch, den 24 pto. veranstaltete der Jüdische Jugendbund eine Besichtigung der Jllkircher Mühlenwerke, zu der sich eine sehr große Anzahl Mitglieder eingefunden hatte. Unter fachmännischer Führung hatten die Teilnehmer Gelegenheit, einen Einblick in das ebenso interessante wie technisch komplizierte Gebiet der Hochmüllerei zu gewinnen. In eingehender Weise wurde den Besuchern der Bau und die Funktionen der sinnreich konstruierten Maschinen und Vorrichtungen gezeigt und erläutert; mit lebhaftem Interesse wurden all die Bearbeitungs- und Reinigungsprozesse verfolgt, denen der Weizen vom rohen Korn bis zum fertigen, backfähigen Mehl unterworfen wird. Hoch befriedigt von dem Gesehenen, traten die Teilnehmer nach Inständigem Rundgang durch die ausgedehnten Räumlichkeiten den Heimweg an. Zurzeit schweben noch Unterhandlungen zwischen der Leitung des I. I. B. und den Direktionen verschiedener sehenswerter, industrieller Unternehmen Straßburgs und der näheren Umgebung, so daß zu hoffen ist, daß der I. I. B. im Laufe des Sommers noch einige interessante gewerbliche Anlagen besichtigen kann. Rosheim. Letzten Sonntag wurde hier Herr Salomon Werth eimer zu Grabe getragen unter sehr großer Beteiligung. Er hatte ein Alter von 78 Jahren erreicht, war 25 Jahre lang Mitglied der hiesigen Verwaltung und hat als solches wie als Privatmann sich allgemeine Liebe und Wertschätzung erworben. Augsburg. Außer den von Ihrem Korrespondenten genannten Gemeinden waren auch Kempten und Mönchsroth vertreten. Fürth. Israel. W a i s e n a n st a l t. Dem an die Aufsichtsstelle erstatteten Bericht über das Jahr 1913/14 entnehmen wir die nachfolgenden bemerkenswerten Einzelheiten: Die israelitische Waisenanstalt zählte im abgelaufenen Schuljahr 36 Knaben und 17 Mädchen, demnach insgesamt 53 Zöglinge. Die Arbeit in Schule und Haus vollzog sich in gewohnter Weise. Die in der Anstalt befindlichen Kinder haben in ihr sorgsame Pflege, Erziehung und Ausbildung, und eine größere Zahl bereits ausgetretener weit in das Leben hineinreichende Fürsorge genossen. Die Mittel für letzteren Zweck bot uns zum großen Teil die Salomon- und Rosalie-Bergmann-Stiftung für ehemalige Waisenzöglinge, ebenso erwies sich hierfür die Benjamin- und Anna- Feuchtwanger-Stiftung als sehr segensreich. Von den Knaben gen 21. Patzen betreffend, weile Wagner solche empfangen zu haben nicht geständig, allenfalls aber Jude es eydlich erhärten könnte zu bezahlen verspricht, Jude auch die Schuld wie zu recht erhöblich nicht erwiesen, also wird Wagner davon absolviert, es wäre denn, daß Jude seine prätension in rechtsgewöhnlicher Frist, besser als bisher geschah, erwiese, damit er denn billig zu hören. Jude erklärt sich alsobald den Eyd zu thun. A k t u m die 7. April 1692. Moses Jude von Kleinsteinach hat sich unterfangen einen kupfernen Ofenhafen von Hans Georg Donner an 4 Pfd. zu kaufen, welchen er Jude von Rübich empfangen, dieser aber vorher von gemeltem Donner, welchen gemelter Jude wieder an die hiesige 2 Kupferschmitte verkaufen wollte, diese hingegen vermöge ihrer Innung zuzulassen nicht gebunden sind, daher die Meister genötigt waren, dem Juden das erhandelte Kupfer wegzunehmen. Meister geben zur Antwort, sie hätten schon auch im Handel gestanden mit Donner und vor das Pfund 3 Patzen geben wollen, hätten es aber nicht bekommen können. Jude berichtet, er habe 5 Groschen vor das Pfund geben, weil es jetziger Zeit nach also verkaufet würde, sey ihm unwißend, daß Kupferschmitte mit einer Innung versehen waren, bittet, ihm es diesmahl zu gute gehen zu lassen. Bescheid. Weile der Innung gemäß dies erhandeltes Kupfer an 4 Pfd. dem Handwerke und Fürstlichen Ambte verfallen art. 21 also solle Jude solches dem Handwerke zurücklassen und dergleichen ferner vorzunehmen hiermit ernstlich verbothen seye. A k t u m. K ö n i g s b e r g d. 5. Dezember 1692. Meyer Jude zu Mecherieth klaget wieder Georg Kotter zu Unfinden, daß er seiner Mutter wegen 9A Gulden und vor sich selbst 1 thlr. restierte, theils vor Gerste, theils bar geliehenen Geldes, die er bei ihm urgirt hatte, aber feind hero nichts erlangen können, bittet ihm zur Zahlung zu verhelfen. Georg Keller, Meyer sey vor 2 Jahren zu ihm kommen und sich richtig mit ihm berechnet, so sey damahls blieben 7 Gulden 2 Groschen wegen der Mutter und vor sich 3 thlr. 12 Patzen, welche letzterer post, er auch bezahlt bis auf 12 Patzen, so er auch geständig wäre Meyer Jude wendet hierbey ein, er ließe geschehen, daß bei der Berechnung damahls nur soviel als 7 Gulden 2 Groschen geblieben, allein nachgehends hätte er ihm 1 fl zu Jungschweinen, 8 Patzen der Mutter zum Herbste und 2 Groschen vor Unschlith, 1 fl 1 Ptz. zu lA Scheffel Gerste, daran er bezahlt 4% Patzen vor 1 Kalbfell, daß also zusammen geblieben 9 fl 8 g 3 Z. Georg Keller negirt die eine Zahlung post, die er jezo nachrechnen wollte, deren solche damahls als die 7 fl 2 g in Rückstand kommen, alles wäre mit in Anrechnung kommen und könnte er mehr nicht als 7 fl. 2 g und vor sich 12 Patzen gestehen.