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Das jüdische Blatt · 1914-07-17 · 29 (17.7.1914) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Das jüdische Mail. Nr. 29 wurden die ineisten (32) der Mittelschule zugeführt; die Mädchen dagegen besuchten die städtische Volksschule und nur einzelne wenige die Töchterschule (2) und höhere Handelsschule (2). Die Gliederung faßt hierbei nur das einzige Ziel ins Auge: der Intelligenz die Bahn frei zu machen, den Aufstieg armer Kinder zu erleichtern und sie mit jedem angemessenen Rüstzeug für den späteren Lebenskampf zu versehen. Erfordert diese Rücksicht bei unseren Knaben, daß der überwiegende Teil der höheren Schulbildung zugeführt wird, so erweist sich für die Mädchen, die meist in hauswirtschaftliche Berufe übertreten, der Besuch der in sich geschlossenen Volksschule am vorteilhaftesten. Sie vermitteln den Kindern diejenigen positiven Kenntnisse, deren sie später zur praktischen Arbeit im Hauswesen bedürfen, und weist auch den schöngeistigen und wissenschaftlichen Gebieten einen zur Weiterbildung genügenden Anteil zu. Die Mädchen aber von den häuslicher! Berufen abzuziehen, ist jetzt rrm so weniger Anlaß gegeben, nachdem in den letzten Jahren laut Mitteilung der Stellenvermittlungsämter der Andrang zu Handelsgehilfinnen in ebenso großem Maße zugenommen, als die Aufnahmefähigkeit durch schlechten Geschäftsgang und wirtschaftliche Depression sich vermindert hat. Neben der Schulung des Verstandes wurde auch der Ernährung und sonstigen Pflege des Körpers besondere Sorgfalt zugewendet und den Geist der Ordnung, Gewissenhaftigkeit und Frömmigkeit in den Kindern großzuziehen und zu erhalten gesucht. Mit welchem Erfolge das geschehen ist, beweist auf der einen Seite der Umstand, daß eine Erkrankung im ganzen Jahre nicht vorgekommen ist, und nach der anderen das von sachverständiger Seite abgegebene Urteil eines hiesigen Hauptlehrers, der es (Jahresbericht d. Jugendfürsorgeverb. Fürth 1913 S. 19) als seine eigene vieljährige Erfahrung ausspricht, „daß in den zuständigen Schulhäusern kaum jemals ein israelitisches Waisenhauskind angetroffen wurde, das dem Lehrer in disziplinärer Hinsicht auch nur die geringste Schwierigkeit bereitet hätte". Auch die Berichte, die Bescheid. Würde Beklagter an eydesstadt erhärten, daß er nach geschehner Berechnung, da 7 fl 2 g bleiben, weiter nichts an einzahlung post, bekommen, so solle es bey den 7 fl 2 g sein Bewenden haben und beklagten solche bei sächsischer Frist bezahlen, wie auch seine eigenen 12 Patzen. So weit wollen wir jene historischen Zeugnisse sprechen lassen. Es ist auch für unsere modernen Anschauungen nichts Ehrenrühriges, kein Wucher, nichts Betrügerisches aus all diesen amtlichen Urkunden zu erspähen. Der Richter, dessen Unparteilichkeit für jene Zeit nicht genug Anerkennung finden kann, muß mit seinem Urteilsspruch meist dem Juden zu seinem vollen Recht „verhelfen". Dennoch fand im Jahre 1699 eine Plünderung der Judenhäuser in Üschersdorf statt, während die fürstlich sächsische Regierung Königsbergs anno 1725 die Ausweisung der Juden aus dem ganzen Gebiete verfügte. Trotz dieses Verbotes siedelten sich ein Jahrhundert später wieder Juden in und um Königsberg an und entrichteten, unter neue Besteuerung genommen, dieselbe an Sachsen-Hildburghausen. Heute wohnt in der sächsisch-koburgischen Enklave Königsberg kein Jude. Auf einem Stein einer Königsberger Scheune war früher die Inschrift „udvar elokenu jokum leaulom" zu lesen. Im Keller eines Hauses soll noch ein verfallenes Bad, das zu den Judengärten gehörte, zu sehen sein. Wer den Geburtsort des Johannes Müller Regiomontanus besucht, findet noch Glanzspuren aus ehemaliger großer Zeit, die Ruinen des Schlosses, das dem 30jährigen Krieg zum Opfer gefallen ist, die alten Torbogen und Stadtmauern — die Abendröte eines untergegangenen herrlichen Frühlingstages. A. wir über unsere auswärtigen Zöglinge erhalten, sind in gleicher Weise zufriedenstellend. Am 3. und 4. Juni fand in Nürnberg der Zweite Bayerische Jugendfürsorge- und Zwangserziehungstag statt. An den Beratungen desselben nahm auch der Direktor der Anstalt, wie früher schon bei der ersten vor zwei Jahren in München stattgehabten Tagung, im Auftrag der Verwaltung teil. Treten auch an unsere Anstalt, die es mit der elternlosen, erziehungsbedürftigen, aber fast gar nicht mit der vernachlässigten und verwahrlosten Jugend zu tun hat, nicht jene schwierigen und komplizierten Probleme heran, die bei jenen Tagungen zur Erörterung gelangen, so stellt der Erfahrungs- und Meinungsaustausch immerhin Fragen von großer pädagogischer Bedeutung zur Diskussion, deren Ergebnisse mit Nutzen von allen in der Wohlfahrtsarbeit tätigen Personen angewendet zu werden vermögen. Mit dem Ablauf dieses Schuljahres find 150 Jahre seit Begründung der Israelitischen Waisenanstalt verflossen. Ihren Gepflogenheiten entspricht es nicht, durch feierliche und getragene Veranstaltungen an die Oesfentlichkeit heranzutreten. Still und geräuschlos geht sie ihren Weg, den Weg der Arbeit und der Pflicht, auf welchem sie eine Fülle des Segens und des Trostes aus sich verbreitet. In emsiger, aber nach außen hin kaum bemerkbarer Tätigkeit hat sie auch das große Werk vorbereitet, das einen Wendepunkt in der Geschichte der Anstalt zu bilden bestimmt ist: die Neuerrichtung der Anstalt nach modernen, hygienischen und sicherheitspolizeilichen Grundsätzen, zu deren Durchführung wir alsbald schreiten werden. Wir tun es im Vertrauen auf den gnädigen Beistand dessen, der sich den Schützer der Witwen und Vater der Waisen nennt, und die menschenfreundliche Hilfe derer, die gemeinnütziges Wirken zu unterstützen gern bereit sind. Wir hoffen, daß unser wohltätiges Unternehmen regstem Interesse begegnen und daß gesteigerte, liebevolle Förderung den Glanz edler Philantropie und die Gefühle herzlicher Sympathie vermehren wird,^ unter deren Gunst die Anstalt bisher gewachsen und emporgeblüht ist. Wir hoffen es. Regensburg. Am Sonntag, den 14., und Montag, den 15. Juni, waren für Regensburg hohe Feiertage. Se. Majestät König Ludwig III. und Ihre Majestät Königin Maria Theresia mit den Prinzessinnen-Töchtern weilten in den Mauern der oberpfälzischen Kreishauptstadt. Ueberall herrschte Freude und Jubel. Zu den Festlichkeiten war neben den Geistlichen der anderen Bekenntnisse auch der Distrikts-Rabbiner Dr. Meyer eingeladen. Beim Empfange wie beim Cercle nach der Hoftafel wurde der Rabbiner von Sr. Majestät dem König mit einer Ansprache beehrt. Mit besonderem Interesse nahm Se. Majestät davon Kenntnis, daß die israelitische Kultusgemeinde Regensburg eine einheitliche Gemeinde ohne jegliche Spaltung fei. — Unter den mit Orden ausgezeichneten Persönlichkeiten befindet sich auch der Distrikts-Rabbiner Dr. Meyer, dem der Verdienstorden vom hl. Michael 4. Klasse verliehen wurde. Die Orden wurden von Sr. Majestät persönlich den Ausgezeichneten überreicht. Karlsruhe i. B. Anläßlich des Geburtstages Sr. K. H. des Großherzogs EFriedrich II. wurde auch eine große Anzahl Auszeichnungen unseren Glaubensgenossen verliehen. U. a. erhielten: das Kommandeurkreuz II. Klasse: Landgerichtspräsident Dr. Nathan Stein- Mannheim; das R i t t e rkreuz I. Klasse: Landgerichtsrat Dr. Adolf Homburg er- Waldshut, Oberamtsrichter Dr. Otto Levis- Pforzheim, 'Oberamtsrichter Dr. Moritz Elsässer- Pforzheim, Prof. Dr. Emil Bloch-Freiburg i. B., Notar Dr. Max Schwärzschild- Karlsruhe, Notar Dr. Emil O v e n h e i m e r - Pforzheim, Rechtsanwalt Otto G u t m a n n - Karlsruhe, das Mitglied des israel. Oberrates Dr. Theodor K a u f m a n n-Heidelberg; das Ritte rkreuz II. Klasse vom Zäh ringer Löwen: Emil

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