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Das jüdische Blatt · 1914-07-17 · 29 (17.7.1914) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ätft. 29. Das jüdische Kiatt 3 Dr. Faitlowitsch einen gut besuchten Vortrag im Norden Londons. Aber nicht nur hier fanden seine Ausführungen Beifall, sondern auch die angesehene Tagespresse, wie Times und Standard, begrüßten seine Anwesenheit mit sympathischen Artikeln über die Falaschas. Einzelne Rabbiner benutzten auch die Predigten an den Pesachfeiertagen, um ihre Gemeindemitglieder für die Sache der Falaschas zu begeistern. In Holland steht der Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde, Pallacche, an der Spitze des Landeskomitees, das zusammen mit dem Amsterdamer und Rotterdamer Komitee die Agitation in Holland mit gutem Erfolge schon in die Wege geleitet hat. In Italien, von wo die ganze Bewegung ursprünglich ausging, wird sich das Landeskomitee weiter ausgestalten. In Deutschland bestanden Ortsgruppen in Frankfurt a. M., Breslau, Kattowitz, Beuchen, Köln, Stuttgart, Berlin und anderen Plätzen. Hier ist das Interesse nach wie vor rege, jedoch kann eine praktische Arbeit erst zum Herbst einsetzen. Immerhin gelang es Herrn Dr. Faitlowitsch, auf Reisen, die er zum Teil gemein schaftlich mit dem Generalsekretär unternahm, neue Ortskomitees in Hamburg, Altona, Posen, München, Eschwege usw. zu gründen, während die Konstituierung solcher Komitees in Hannover, Thorn, Kassel, Mainz, Darmstadt und Chemnitz nahe bevorsteht. Ueberall stellten sich die Rabbiner ohne Unterschied ihrer religiösen Richtung zusammen mit den angesehensten Gemeindemitgliedern, voller Begeisterung in den Dienst der Sache. Aber auch aus entfernten Ländern gehen dem Komitee ständig Zustimmungserklärungen zu, so daß das Komitee zu seiner Genugtuung eine Sache vertritt, welche die gesamte Judenheit in gemeinschaftlicher Arbeit eint. So hat z. B. trotz der gedrückten materiellen Lage in den Balkanländern der Chacham Baschi von Salo niki, Rabbi Jakob Meir, die Agitation in der dortigen Gegend übernommen; auch der Bukarester Rabbiner, Dr. Beck, und der uschkenasische Oberrabbiner von Konstantinopel, Dr. Markus, werden jetzt mit der Propaganda beginnen. In Nordwie in Südafrika findet die Tätigkeit des Komitees Interesse, in den skandinavischen Ländern, wie in Rußland. Allerdings erfordert das Endziel auch große finanzielle Mittel. Die Gründung eines Senlinars zur Ausbildung junger Falaschas als Lehrer ihrer Brüder, sowie das gesamte Schulwerk kann erst in Angriff genommen werden, wenn eine gesicherte materielle Grundlage vorhanden ist. Dieser Gründung wird auch voraussichtlich eine neue Expedition nach Abessinien vorangehen müssen. Einstweilen ist Herr Dr. Faitlowitsch im Aufträge des Komitees mit der Uebersetzung des Psalters in das Amharische, die Sprache der Falaschas, beschäftigt, der dann im Druck in vielen Exemplaren im Lande verbreitet werden soll. Die Falaschas verlangen nämlich nach nichts mehr, als nach religiöser Unterweisung, und da sie die Bibel bisher nur in der von Missionsanstalten verfertigten Uebersetzung erhielten, so wird eine von Juden verfaßte Uebeisetzung wesentlich dazu dienen, sie im Iudentume zu erhalten. Von den drei Falaschajünglingen, welche Herr Dr. Faitlowitsch auf einer seiner Reisen mit nach Europa brachte, befindet sich der eine in Jerusalem, der andere im rabbinischen Seminar in Florenz, während der dritte Herrn Dr. Faitlowitsch auf seiner letzten Reise wieder nach Abessinien begleitete, wo chm eine kleine Schule eingerichtet wurde. Es ist daher zu hoffen, daß dem Internationalen Pro-Falascha- Komitee zu Händen seines Kassierers Herrn Salomon Epstein., Frankfurt a. M., Uhlandstraße 39 (Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 8438), reichliche Gaben sowohl als Jahresbeiträge wie als Spenden zum Baufonds und Organisationsfonds zufließen. Das Generalsekretariat in Frankfurt a. M., Palmstraße U, ist zu weiteren Auskünften gerne bereit. Aus der Agudas-Jfroel-Vewegung. In Dortmund und in Essen wurde eine Ortsgruppe gegründet; in Dortmund traten 47, in Essen 30 Mitglieder bei. Köln. Unter ungewöhnlich starker Beteiligung wurde hier am 6. Juli eine Ortsgruppe der Agudas Israel ins Leben gerufen. Die sehr imponierende Versammlung wurde von Herrn Seminardirektor, Rabbiner Dr. Carlebach geleitet. Der Vorstand des Deutschen Gruppenverbandes war durch die Herren Rabbiner Dr. Auerbach- Halberstadt und Herrn Zahnarzt E h r m a n n - Werden (Ruhr) vertreten. Als erster Redner trat Herr Seminarlehrer Dr. Silberberg und als zweiter Herr Oberlehrer Dr. Joseph C a r l e b a ch auf, deren treffliche Ausführungen das Auditorium mit gespanntem Interesse und mit stürmischem Beifall belohnte. Die Diskussion, die durch Herrn Rabbiner Dr. Auerbach eröffnet wurde, erhielt einen sehr lebhaften Charakter, als ein Mitglied der Synagogengemeinde, Herr Schnelling, namens einiger Gesinnungsgenossen eine Resolution folgenden Inhalts begründete: 1. Die anwesenden Mitglieder der Synagogengemeinde sprechen die Hoffnung aus, daß sie in aller Zukunft gleichberechtigte Mitglieder der Agudas Israel seien. 2. Die Ortsgruppe Köln vertritt diesen Standpunkt bei allen inaßgebenden Instanzen p^y^, iTDID rrnnn "nd sonst. 3. Erfolgt diese Anerkennung nicht, so scheiden die betreffenden Herren wieder aus der Agudo aus. In der nun folgenden Besprechung ergriffen die Herren Rabbiner Dr. R o s e n t h a l, Auerbach, C a r l e b a ch, H a n - nove r, Zahnarzt Ehr m a n n, Rechtsanwalt Dr. K a h n, Leo M u n k, Seminarlehrer G u t und andere wiederholt das Wort. Für die Resolution war Herr Rabbiner Dr. Hannover in längerer Rede eingetreten, während sich Herr Rabbiner Dr. Rosenthal für sofortige Gründung der Ortsgruppe aussprach. In der Diskussioll wurde dann wiederholt gegen die vorgeschlagene Resolution betont, daß es sich hier uni eine Frage der pnip! handle, in welcher einzig und allein die pHirV"i V^Df] PS^l^ 3U entscheiden hat. Ihn durch eine Resolution beeinflussen zu wollen, bedeute eine Degradierung der pmn, ganz so, wie wenn man etwa einem Rabbiner die über einen gebrochenen Hühnerslügel zur Entscheidung vorlegen wolle, jedoch mit der Klausel, daß man sich der Entscheidung nur dann fügen werde, wenn der Hühnerflügel für -)£»;n erklärt wird. Jetzt handle es sich gar nicht um die religiöse Seite der Frage, ob Synagogen¬ oder Austrittsgemeinde, sondern lediglich darum, ob man der rniPn \2Dfi PS^IS Vertrauen entgegenbringe oder nicht. Im letzteren Falle sei man aber noch nicht reif für die Agudas Israel. Daß man dieses Vertrauen haben dürfe, aber auch haben müsse, wurde von den verschiedenen Rednern, und besonders von Herrn Dr. K a h n eingehend betont. Die Klärung der Ansichten, die sich aus der eingehenden Besprechung ergab, veranlaßte die Antragsteller, sich nur aus den ersten Teil ihrer Resolution zu beschränken, dagegen Punkt 2 und 3 fallen zu lassen, und die Leitung sagte den Antragstellern zu, diesen Punkt 1 dem Zentralkomitee zur Kenntnisnahme mitzuteilen. Nach einem begeisternden Schlußworte des Leiters sowie de? Herrn Oberlehrers Dr. C a r l e b a ch wurde die Versammlung in später Nachtstunde geschlossen, nachdem sich über 70 der Anwesenden in die Mitgliederliste eingetragen hatten. Die Vorstands- und Delegiertenwayl konnte wegen der vorgerückten Zeit nicht mehr vorgenommen werden und erfolgt in einer späteren Versammlung. / V

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