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Das jüdische Blatt · 1914-07-17 · 29 (17.7.1914) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Das jüdische Klatt. Nr. 29 Rücksichten hintansetzt. Gewiß ist der Priester berufen, den Frieden zu bewahren und zu schaffen, aber nur auf dem Boden des Rechtes gedeiht der wahre Friede. Zuerst muß Recht und Gesetz durchgeführt sein, dann erst herrscht wahrer Friede. Wenn aber Abfall imb Gesetzeslosigkeit die Oberhand haben, dann ist selbst bei äußerer Ruhe kein Friede. pK «Bei Gesetzeslosen ist n i e Frieden". Erst dann ist Frieden, wenn das Thoragesetz geehrt und geachtet, befolgt und durchg-eführt ist. Zu allen Zeiten ist in Israel nur durch einzelne Männer und es waren nicht einmal die gewählten, und bestellten Richter und Vorsteher, die Thora in ihr Recht eingesetzt worden oder das Volk gerettet und geschützt worden. In vielen Gemeinden sind es nicht die mit den Würden der Gemeinden ausgezeichneten Leute gewesen, welche den jüdischen Geist gepflegt und die Frömmigkeit in ihrer Kehilloh aufrecht erhalten haben, sondern einzelne Privatleute haben unter Mühe und Anstrengung trotz Hohn, Spott und Anfeindung die Beobachtung der Mizwaus, die alten Ueberlieferungen von Thora, Avaudoh und Gemilus chasodim durchgesetzt und ihre Gemeindegenossen dazu herangezogen. Möge es weiter in jeder Gemeinde solche Leute von dem Geiste des Pinchas geben und möge ein jeder die Mahnung befolgen: „An dem Orte, wo kein Mann ist, bestrebe dich, ein Mann zu werden". M. K. in M. Jttm Wroöl'em der Stellenvermittlung. Die Not unserer jungen Kaufleute, die halten, ist so groß, daß das Denken stets daraus gerichtet bleiben muß, eine wirtschaftliche Einrichtung zu treffen, die die Heiligung des ermöglicht. Ist erst das Problem der rrQ&* Heiligung vom religiösen Gebiet auf das wirtschaftliche verlegt und ist auf diesem die Lösung gefunden, dann ist die theoretische Seite leicht zu klären. Auch hier muh das dem yßZft vorangehen. Erst wenn eine „Genossenschaft heiligender Kaufleute" kaufmännische Betriebe gegründet hat, werden wir auch Gemeinden von 'HIOT haben. Vorerst haben wir aber noch mit den traurigen Verhältnissen der Gegenwart zu rechnen. Als ein Notruf aus derselben ging dem Schreiber dieses folgender Brief zu, den er ungekürzt bekannt geben möchte, damit sein Gedanke vielleicht auch aus den Reihen der Konsumenten oder seitens gesetzestreuer Verbände Unterstützung findet. Der Brief lautet: Sehr geehrter Herr Rabbiner! Sie sind imstande, eine große Notlage nur mit Ihrem Wort, um ein wesentliches zu mildern. Dazu hoffe ich nicht vergeblich Sie anzurufen! Die Notlage der in kaufmännischen Betrieben Anstellung suchenden, sabbathaltenden jungen Männer ist Ihnen bekannt. Der Schreiber dieses ist ein solcher. Obschon mit gediegenen Schulkenntnissen versehen, und guter kaufmännischer Ausbildung, perfekt in deutscher, holländischer und französischer Korrespondenz, noch nicht 30 Jahre alt, von stattlicher Erscheinung, guten Umgangsformen und bescheidener Lebensführung, sucht er feit 6 Monaten ein Engagement, das ihn und feine Frau ernähren könnte. Nun werden Sie sich fragen, was soll ich dazu helfen? Und doch könnten Sie helfen. Sie könnten den Anstoß zu einer in ihrer Tragweite ungeahnten Aktion geben! Ich komme zur Sache! Da sind in den letzten 10 Jahren die vielen nichtjüdischen Fabrikbetriebe dazu übergegangen, unter gesetzestreuer Rabbinatsaufsicht Erzeugnisse herzustellen, die sie vorzugsweise an gesetzestreue Juden verkaufen. Und wenn in der ferneren Entwicklung des Geschäftsganges nicht alle Käufer sich aus km Kreis der Gesetzestreuen rekrutieren, so sind letztere doch der Vorspann gewesen, der den Wagen in Bewegung gesetzt, und gewiß sind die gesetzestreuen, die Betriebe beaufsichtigenden Rabbiner die einzigen Hebel, durch deren unentbehrliche Unterstützung den Fabriken das Geschäft erst ermöglicht wird, aber wie wenige' von diesen Betrieben beschäftigen in ihren kaufmännischen Bureaus jüdische junge Leute, denen sie am Sabbat Dienstbefreiung gewähren. Da sind zunächst die vielen Pflanzenbutterfabriken, deren Umsatz allein in Koscherware viele Millionen Mark beträgt, Betriebe die auf ihren Riesenbureaus Hunderte von Angestellten beschäftigen, die Käsereien, Nudelfabriken, Putzmittelfabriken, Suppenwürfel, Konservenfabriken und wie sie alle heißen. Wenn sie sich zusammenschlössen, die aufsichtsführenden Rabbiner, und es gemeinsam und gleichzeitig zur Forderung erheben würden, daß ein gewisser Prozentsatz des kaufmännischen Bureaupersonals am Sabbat vom Dienste befreite gesetzestreue Juden sein müßten, wenn sie sich gegenseitig dazu verpflichteten, diese Forderung zu stellen, wenn es überhaupt und allgemein zur Norm erhoben würde von allen Rabbinern, die auch heute noch keinen Betrieb beaufsichtigen, nur dann die Aufsicht zu übernehmen, wenn in Rücksicht der großen Sabbatnot ein gewisser Prozentsatz gesetzestreuer 'Juden beschäftigt wird, ungeahnte nicht absehbare segensreiche Folgen könnte diese Aktion zeitigen. Wohlan, geben Sie den Anstoß zu dieser Sache, und kein Rabbiner, ob Aufsicht führend oder nicht, wird zurückstehen wollen, wird Ihnen Ihre Mithilfe versagen. Ihr ergebener X.- Y. Diesem Briefe habe ich nichts hinzuzufügen, als die Bitte, die Ausführung des Vorschlages zu unterstützen. “IDD xb nn riT die gesetzestreuen Kreise dürfen den Vorteil verlangen, da ihre moralische Kraft einen ungeheuren wirtschaftlichen Nutzen gewährt. Das Bewußtsein von dieser Macht darf einmal, muh endlich einen wirtschaftlichen Sieg erringen. Wir sind ideell nicht eine quantite uegligeable, wir wollen sie auch materiell nicht länger bleiben. Gilt doch der Kampf nicht uns, er gilt dem höchsten Gut des Judentums und der Menschheit, dem j-q^! Aus asser Wett. Deutschland. Vom Falascha-Komilee. Dem Internationalen Pro-Falascha-Komitee, welches im März d. I. seinen Sitz von Florenz nach Frankfurt a. M. verlegte, ist es in der kurzen Zeit, welche seither verflossen ist, gelungen, in der ganzen Welt Sympathien für unsere Brüder in Abessinien zu erwecken. Vor allem galt es, die Organisation weiter auszubauen, damit das Unternehmen durch regelmäßige Beiträge gesichert wird. Zu diesem Zwecke unternahm Herr Dr. Faitlowitsch im Aufträge des Komitees Propagandareisen nach Belgien, Holland und England. In diesen Ländern bestehen jetzt Landeskomitees, welche eine energische Tätigkeit für die Sache der Falaschas entwickeln. In London fand im Haufe des Herrn David S. Sassoon eine Versammlung der angesehensten Persönlichkeiten Londons unter dem Vorsitze des Chiefrabbi Dr. Hertz statt; außerdem hielt Herr

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