Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 29 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IKelcb und Ausland: Tettungspretsltlte. ISsyern: Leitungsnummer S4S. Geschäftsstelle: . M. DuMont Schauberg, Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, Königl. Hofbuchhändler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Glsässische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Norbmann, Socinstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. ZustellungSgebühra», per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Stteifband 2.50 Fr. da» Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Ir. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband >0 Fr. da« Jahr. I« Oesterreich per Post 4 Kr., per Stteifband 9 Kr. das Jahr. I» England 2 Schilling- Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -JnsL^at e nach Tarif. - Abonnements nimmt jede Vottanltalt entgegen. V. Jahrgang Ltratzburg, 17. )ult 1914, 23. Tammus 5674. stlr. 29 Inhalt. Leitartikel: Pinchas. — Zum Problem der Stellenvermittlung. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Familiennachrichten. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Rätsel-Ecke. — Geschäftliche Mitteilungen. — Bücherbesprechung. — Die Juden in Stadt und Amt Königsberg in Franken. — Mutter und Sohn. — Inserate. Wnchas. „Pinchas, der Sohn des Eleasar, des Sohnes Ahrons des Priesters, hat meinen Unwillen von Israels Söhnen abgewandt, indem er meine Rechtsforderung in ihrer Mitte zur Geltung gebracht, so daß Ich Israels Söhne nicht durch meine Rechtsforderung vernichtet. Darum spricht es aus: Siehe, Ich gebe ihm meinen Bund: „Friede". Und ihm und feinen ihm folgenden Nachkommen werde ein Bund ewigen Priestertums, dafür, daß er das Recht für seinen Gott zur Geltung gebracht und Sühne über Israels Söhne vollzogen." (IV' B. M. 25, 11—13.) Was hatte Pinchas getan, dessentwegen er solche Anerkennung und solch ewigen Lohns von Gott selbst gewürdigt wurde? Pinchas hatte in der Stunde höchster Verwirrung des Volkes und offener Auflehnung gegen Gesetz und Recht, als das israelitische Volk durch die Töchter Midjans betört, im Taumel der Buhlerei und des Götzendienstes weder Sitte, noch jüdische Art mehr beachtete, den frechsten Anführer, trotzdem er ein Stammesfürst von Simeon war, in dem Augenblicke, da er Moscheh, Aaron und den Aeltesten Hohn bietend, mit der midjanischen Fürstentochter sündigte, durch einen wohlgezielten Lanzenstich getötet und durch diese entschlossene Tat das so grob verletzte Gesetz gerächt und dessen Würde wieder hergestellt. War das eine so große Tat? Gewiß. Erstens setzte er das eigene Leben aufs Spiel. Hätte er den tötlichen Streich nicht ganz genau im Augenblick der Ausübung des Verbrechens geführt, so wäre sein Kopf verwirkt gewesen, denn es wäre ihm trotz seiner guten und edlen Absicht und trotz offenkundiger Schuld des Sünders der Prozeß wegen Mordes gemacht worden. Denn niemand hat das Recht, selbst einen Verbrecher ohne gerichtliches Verfahren zu bestrafen, wenn nicht auf frisch ertappter Tat. Aber auch ohne diesen Grund hatte er sich zum mindesten vor dem Hasse und der Rache der Angehörigen des hohen Herrn und dessen Stammes zu fürchten. Nicht minder vor den Vorwürfen des übrigen Volkes, die seine Voreiligkeit, sein Ungestüm tadelten, die ihm Vorhalten könnten, wie es ihm, dem jungen unbedeutenden Manne, beifallen könnte, ohne Geheiß des großen Führers Moscheh, ohne bei diesem oder einem Sanhedrinmitgliede zu fragen, und so den berufenen Oberen des Volkes vorgreifend, Justiz zu üben. Seine Brüder, die Priester hätten das Recht gehabt, ihn vom Priester dienst auszuschließen, denn seine Hände hatten Blut vergossen, und die Hände des Priesters sollten doch vollkommen rein und fleckenlos sein. Aber keine von allen diesen Rücksichten konnte Pinchas zurückhalten. Das Volk war zügellos, die Führer ohne Macht, Moscheh und Aaron weinten am Eingänge des Stiftszeltes, der höhnende Frechling führte feine Buhlerin in offenem Trotze vorbei, da wallte in Pinchas das priefterliche Blut in mächtiger Empörung über den Frevel auf, und wie einst der Oheim griff er zur Waffe, das so schmählich beledigte Recht wieder herzustellen j\s* *n „Er sah, daß kein Mann da war", in die Bresche zu treten, da füllte er selbst kühn und tapfer die Lücke aus und rettete die Hoheit des Gesetzes. Ein Leben aus dem Volke hat Pinchas vernichtet, aber gerade hiedurch aller Welt gezeigt, das Leben ist der Güter höchstes nicht, doch der Uebel größtes ist die Schuld. Das Gottesgesetz ist nicht schutzlos, nicht jeder Willkür preisgegeben, darf nicht straflos verletzt und verhöhnt werden. So hat Pinchas für G o t t und die Thora geeifert. Unter dem Volke selbst hat sich der Rächer für die beleidigte Thora gefunden und Gott brauchte nicht selbst einzugreifen, da ein Mann voll Gerechtigkeitsgefühles da war, der mit Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit die Sache Gottes und der Thora vertrat. Darum erkennt ihn Gott selber als den Retter seines Volkes an, als den Priester im wahren Sinne des- Wortes, der Sühne erwirkt für sein Volk und es vom Untergang rettet. Wohl sagten seine Gegner, er habe den Frieden gestört, er hätte sich des Priestertums unwürdig gemacht, aber Gott gibt ihm den Bund: „Friede". Denn er hat Friede gemacht zwischen Gott und Israel, hat das Einvernehmen hergestellt zwischen dem Obersten Richter, dem Gotte des Rechtes und der Heiligkeit und dem Volke, das zur Ausübung des Rechtes, zur Sittlichkeit, Mäßigkeit, zur Enthaltsamkeit und zur Heiligkeit berufen ist. Darum soll er des Priestertums nicht nur nicht unwürdig fein, sondern vielmehr es soll gerade ihm und seinen ihm folgenden Nachkommen! unveräußerliches Ehrenamt dienen. Denn in ihm lebt der wah^e Priestergeist, der für die Ehre und das Recht Gottes besorgt ist und alle anderen