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Das jüdische Blatt · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28. Da» jüdische glatt. 7 Frauen und Kinder weiter, sich eine neue Heimat zu suchen. Auf der Durchreise berührten sie an diesem Samstag Straßburg, wo sie rasteten. Die israelitische Gemeinde ließ ihnen Essen geben und brachte sie in den „Drei Königen" in der Großen Stadelgasse unter. Vergangengen Sonntag Abend wurden sie durch die Wohltätigkeitskasse nach Nancy weiter transportiert, wo sie die Alliance in Paris übernimmt, um sie über Havre nach Amerika zu verschiffen, wo sie sich eine zweite Heimat gründen sollen. Hoffentlich bleiben ihnen weitere Schwierigkeiten, die aus den verschärften Einwanderungsgesetzen erwachsen, erspart. Llraßburg. Zu einer überaus würdigen Veranstaltung gestaltete sich die Propagandaversammlung der Elsaß-lothringischen Ingengruppe der Agudas Jisroel, welche der bisherige provisorische Vorstand für letzten Sonntag, nachmittags 3X> Uhr in dem großen Saal des Zivil-Kasinos anberaumt hatte. Es waren ca. 130 junge Leute und Mädchen, zum Teil mit ihren Eltern erschienen. Herr Jakob B i ck h a r d t eröffnete die Versammlung und gab nach einigen Worten der Begrüßung Herrn Rabbiner Buttenwieser das Wort, der unter Anführung einiger talmudischer Zitate die Bestrebungen der Jugend, an dem Werke der Agudas Jisroel mitzuarbeiten, guthieß. Im Namen der Israelitischen Religionsgesellschaft und des Kijum-emuno-Vereins begrüßte deren Vorstandsmitglied Herr Dr. Hausmann die Ver- Versammlung, und im Namen des Vorstandes des deutschen Gruppenverbandes Herr Dr. B. Cohn. Nachdem noch Herr Th. Ackermann im Aufträge des Krias-Hatauroh-Vereins, und Herr Samuel Buttenwieser im Namen der Straßburger „jüdischen Akademiker" kurz gesprochen, setzte Herr Leo Deutschländer in halbstündiger Rede die Ziele der Agudas Jisroel auseinander und fand durch seine sowohl in rhetorischer wie inhaltlicher Beziehung hervorragenden Ausführungen ungeheuren Beifall. In der darauf folgenden Diskussion versuchte ein junger Misrachist für die zionistische Sache zu sprechen, fand aber, zumal er mißverstanden zu sein schien, wenig Gehör. Mit um so größerer Anerkennung vernahm man aus dem Munde des Vorsitzenden der zionistischen Ortsgruppe, Herrn Prof. Dr. Dreyfuß, den Ausdruck der Sympathie für die neue Bewegung. — In der sich daran anschließenden ersten Hauptversammlung, an der schon gegen 70 Mitglieder teilnehmen konnten, wurden die Statuten verlesen, der Vorstand gewählt und die Aufgaben der Jugendgruppe besprochen. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren I. Bickhardt, 1. Vorsitzender, D. Bloch, 2. Vorsitzender, Th. Ackermann, 1. Schriftführer, O. Eisenberg, 2. Schriftführer, P. Durlach, Kassierer, Frl. Mayer und Frl. Wertheimer, C. Bloch, A. Meyer, S. Buttenwieser und Donatt als Beisitzer. Strahburg. Durch Zirkular vom 15. Juni teilen die Els.-Lothr. Konsistorien mit, daß die Plenarversammlung der 3 Konsistorien vom 3. Mai d. I. beschlossen hat: daß kein Rabbiner eine religiöse Trauu n g vornehmen darf, ohne daß der Rabbiner des Wohnorts der Brautleute eine Bescheinigung darüber erteilt hat, daß der Trauung keine religiöse Hindernisse entgegen stehen. Slraßburg. Den ca. 60 Handwerkslehrlingen der israelitischen Gewerbeschule zu Straßburg brachte der verflossene Sonntag eine angenehme Abwechslung. An Stelle des Unterrichts trat diesmal ein Ausflug nach dem nahegelegenen Schwarzwald. Schon früh morgens trug der Zug die stattliche Schar der Zöglinge nach dem Städtchen Ottenhöfen, und unter Gesang und fröhlichem Tummeln gings von hier aus hinauf zur „Hornisgrinde", dem höchsten Punkte des nördlichen Schwarzwaldes. Auch der in der Nähe gelegene, sagenumwobene „Mummelsee" wurde besucht und dort ein stärkender Imbiß eingenommen. Schade, daß die fröhlichen Stunden in der herrlichen Gegend so rasch verstrichen! Nur zu bald muhte wieder der Abstieg angetreten werden, der die jungen Leute der Heimatstadt und hiermit ihrer alltäglichen Beschäftigung in Meisters Werkstatt zuführte. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß ein nicht genannt sein wollender Gönner, der die Gewerbeschüler schon oft bei des „Tages Arbeit" gesehen, zur Veranstaltung des Ausfluges 100 dl gespendet. Es sei dem gütigen Spender auch an dieser Stelle herzlicher Dank gezollt! Darr. Im Alter von 76 Jahren ist hier der Häutehändler Alexander Kahn verstorben. Vor etwa 7 Jahren war er. von Zellweiler hierher gezogen. Er zeichnete sich durch seinen redlichen und schlichten Lebenswandel aus. Seine Bestattung war ein ehrendes Zeugnis der Achtung, die er genoß. Diedenhofen. Auf der letzte Woche geschlossenen Gewerbeausstellung erhielten eine große Reihe israelitischer Aussteller erste Preise. 7Neh. Hier fand am Sonntag, den 28. Juni, eine Propagandaversammlung des lothringischen Bezirksverbandes der Agudas Jisroel statt. Im großen Saal des Hotels Terminus waren über 200 Personen versammelt, Freunde und Gegner der neuen Bewegung, und vor allem solche, die sich über die Aguda informieren wollten. Am Vorstandstisch saßen die Herren N. L. Weil, Etienne Schweizer, Oberlehrer Levy und Reichelsheimer. Das einstündige Referat hielt Herr Rabbiner Dr. Cohn von Basel, der allseitigen Beifall fand. In der Diskussion ergriff Herr Oberrabbiner Netter das Wort. Er gestand zu, daß das Judentum nur dort blühe, wo Reformen im Gottesdienst unterblieben seien. Der neuen Bewegung sprach er seine Sympathie aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß weitgehende Toleranz von der Aguda werde geübt werden. Herr Rabbiner Dr. Dreyfus (Mörchingen) bekannte sich als begeisterter Anhänger der Aguda und forderte mit flammenden Worten zum Beitritt auf. Herr Dr. Dannenberg vertrat den Standpunkt der zahlreich anwesenden Zionisten. Auch er ist Gegner der Assimilation und freut sich, daß die Aguda die Anhänglichkeit an das Judentum vertiefen wird. Mit dein Schlußwort des Referenten endete gegen Mitternacht die Versammlung, welche der Agudas Jisroel zahlreiche Mitglieder zugeführt hat. .7. W. Aleh. Für den Monat Oktober werden die Konsistorialwahlen für drei ausscheidende Mitglieder angesetzt, Herrn Präsident des Konsistoriums H a n n a u x , Herrn Sylvain Beer- Saarburg und Herrn C o b l e n tz - Saargemünd, alle drei Herren ihrem Stande nach Bankiers. Herr C o b l e n tz, der lange Jahre dem Konsistorium angehörte, wird wegen Gesundheitsrücksichten nicht mehr kandidieren. Tlleh. Einer der größten Geigenkünstler, ein jüdischer junger Mann aus Sachsen, gastiert zurzeit hier im Edentheater. Der junge Mann ist armlos geboren und arbeitet mit den Füßen. Metz. Unser Oberkantor Zivi feierte in voller Rüstigkeit sein 25jähriges Dienstjubiläum in Metz. Herr Zivi ist aus Mülheim in Baden gebürtig, war zuerst Kantor in Bern, dann in Bischheim, bis er am 1. Juli 1889 hierher kam. Die Gemeinde ließ es sich auch nicht nehmen, ihren allgemein beliebten Kantor, der es immer verstanden hat, sich bei der jüdischen Bevölkerung, Deutschen oder Einheimischen, gleichmäßig beliebt zu machen, gebührend zu ehren.

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