Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 28 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das Mische Klatt Nr. 28 Am 1. Juli fand im Gemeindesaale die erste Feier statt. Die Gemeindeverwaltung hatte sich eingefunden. Der Vorstand, Herr Emil Klein, hielt eine herzliche Ansprache an den Jubilar und überreichte ihm im Namen der Gemeinde zwei prächtige Klubsessel. Letzten Samstag fand eine Festesfeier in der Synagoge statt. Nach Abfingung eines Psalmes aus Halle! hielt Herr Oberrabbiner Netter eine zu Herzen gehende Ansprache an den Jubilar. Mit prägnanter Charakteristik zeichnete Redner den idealen Beruf des Vorbeters, zu dessen Pflichtenkreis es gehöre, die Empfindungen seiner Gemeinde in weihevollen Tönen vor den Thron des Allmächtigen zu bringen und aus der Thora das vieltausendjährige Gesetz des Judentums den Hörern zu Gehör zu bringen. Aber nicht nur in der Synagoge, sondern jeder einzelnen Familie habe er seine Tätigkeit gewidmet, besonders durch seine Tätigkeit als Mohel. Namens des Vorstandes, des Konsistoriums und der Gemeinde dankte Herr Dr. Netter dem Jubilar für die Treue, mit der er nun ein Vierteljahrhundert seine Amtspflichten segensreich ausgeübt, überdies auch in seinem reinen Familienleben ein Vorbild für die Gemeinde gewesen sei; mit dem Wunsche, daß den ersten 25 Jahren die zweiten folgen möchten, klang die packende Ansprache aus. Hierauf wurde der Jubilar von Herrn Dr. Netter und einem Mitglied des Konsistoriums in ein Seitenzimmer geführt, wo ihm ein kostbares Silbergeschenk als Gabe des Konsistoriums überreicht wurde. Die ganze Feier war eine ebenso feierliche wie eindrucksvolle Ehrung des Jubilars. Metz. Abiturientenexamen. Am Lyzeum bestanden Frl. Paula Levy und an der Oberrealschule Herr Lucien Levy ihr Examen mit großem Erfolge. Metz. Wie seit 10 Jahren, wird der vom Herrn Oberrabbiner gegründete Verein für Ferienkolonien eine Reihe schwächlicher Mädchen und Knaben zu dreiwöchentlicher Kur nach Ostende senden. Hoffentlich werden bei der stattfindenden Zeichnung von allen Seiten diese hochherzigen Bestrebungen unterstützt werden, denn noch jedes Jahr sind die Kinder gesund und gestärkt von ihrer Kur zurückgekommen. Metz. Ein gutes Andenken hat unser Kronprinz bei seiner letzten Anwesenheit hinterlassen. Bei einem jüdischen Antiquitätenhändler erwarb er sich mehrere antike Möbelstücke. Bei Herrn Schwab und Daniel kaufte Seine Hoheit zwei Pferde, darunter eines für die Kaiserin. Eine wohlgelungene Aufnahme zeigt den Kronprinzen auf seinem gekauften Pferd neben Herrn Daniel. ZNeh. Ordesverleihung. Prof. Z6liqzon am Lyzeum zu Metz ist der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. Herr Zeliqzon genießt nicht nur den Ruf eines trefflichen Schulmannes, sondern hat sich auch um die Erforschung der Geschichte und Sprache Lothringens namhafte Verdienste erworben; u. z. als Mitglied der Gesellschaft für lothringische Geschichte und Altertumskunde, die unter dem Protektorat S. M. des Kaisers steht. Prof. Zeliqzon gehört zu den Gründern der Gesellschaft und hat im Laufe der Jahre folgende Arbeiten veröffentlicht: Patoislieder aus Lothringen. — Zur lothringischen Volkskunde. — Lothringische Mundarten. — (In Gemeinschaft mit Pfarrer Thiriot) Textes patois reeneillis eil Lorraine, welches Werk die höchste Auszeichnung erhielt, S. M. dem Kaiser durch den Bezirkspräsidenten von Lothringen übergeben zu werden. In Bearbeitung ist zurzeit das Wörterbuch des Patois messin, an dem Prof. Zeliqzon bereits über 25 Jahre tätig ist, und dessen Druck voraussichtlich noch dieses Jahr beginnen wird. Auch für jüdisches Wesen und Wissen bekundet Prof. Zeliqzon volles Verständnis. Durch feine Anregung ward seinerzeit der Metzer Verein für jüdische Literatur und Geschichte gegründet. Ueber 10 Jahre war er der erste Präsident dieses Vereins. Mit Leib und Seele hing er an dem Verein und jedes Mitglied weiß, was er als Präsident geleistet. Prof. Zeliqzon ist ein ausgeprägt arbeitsfreudiger Mann der Tat. Da manche Gegenströmungen ihm die Freude an seiner Arbeit nicht gönnten, entschloß er sich kurzer Hand, das Präsidium niederzulegen, und keine Macht konnte ihn mehr bewegen, seinen Entschluß zu ändern. Aus den gleichen Gründen zog Prof. Zeliqzon sich vom Vorstand des israel. Spitals Metz zurück, wo er fast 15 Jahre als Sachverwalter und Ordinator Großes geleistet hat. Um seine Mußestunden ersprießlich zu verwerten, warf er sich mit ganzer Kraft auf linguistische und historische Studien seines Heimatlandes Lothringen. Zum Schluffe sei noch bemerkt, daß Herr Züllqzon neben seinen andern Fächern auch als Professor der hebräischen Sprache am hiesigen Lyzeum wirkt. Viele Herren, die sich dem Studium der jüdischen Wissenschaften und dem höheren Lehrfache widmeten, führte er mit Erfolg in die Heilige Schrift ein. Ein bedeutsames Werk auf diesem Gebiete, welches auch Hochinteressantes über unsere jüdische Gemeinde streift, ist bereits in Arbeit und wird dem Druck sobald wie möglich übergeben werden. Frankfurt a. ITC. Auf Veranlassung der Israelitischen Gemeinde wird in der hiesigen Woehlerschule, einer Oberrealschule, hebräischer Sprachunterricht erteilt. — Die Israelitische Religionsgesellschaft, die im vorigen Jahre einen Aufruf zur Errichtung eines Hospitals an ihre Mitglieder erlassen hat, der das erfreuliche Resultat von einer Million Mark erbrachte, erläßt nunmehr ein Preisausschreiben für Entwürfe des Hospitals, das aus drei Gebäuden bestehen soll (Hauptbau, Bau für Infektionskrankheiten, Verwaltungsbau). — Gestern abend fand hier eine gut besuchte Herzl-Gedenkfeier statt, in der Herr Dr. Feiwell-Straßburg die Gedenkrede hielt. — Die Israelitische Gemeinde will in nächster Zeit ein eigenes Organ herausgeben, so daß wir dann hier über drei jüdische Wochenblätter und zwei Monatsblätter verfügen. — Die Frankfurter Jugendgruppe der Agudas Israel, die in den letzten Wochen hier eine sehr lebhafte Propaganda entfaltete, verausgabt seit diesen Monat „Mitteilungen", die überall viel Beifall fanden. — Die Vorbereitungen zur K e n e s s i o h G e d a u - loh, dem ersten Kongreß der Agudas Jsroel, sind im vollen Gange und viele Hände sind tätig, um die aus allen Ländern hierherkommenden Delegierten festlich zu begrüßen und für einen würdigen Verlauf der Tagung zu sorgen. Außer dem Kongreß der Agudas Jsroel werden in den gleichen Tagen hier folgende Verbände voraussichtlich ihre Hauptversammlungen abhalten: Die Jüdisch-Literarische Gesellschaft, der Bund Jüdischer Akademiker (B. I. A.), der gesetzestreue Lehrerverband und die Agudas-Jstoel- Jugendorganisation. Paris. Der Divisionsgeneral Valabregue, der das 3. Armeekorps befiehlt, ist zum Mitglied des obersten Kriegsrats ernannt worden. Diese Nachricht bringt der „Univers" unter der seltsamen Überschrift „Deuil". Ein Demi ist sie wohl für alle die, die behaupten, ein Jude sei ungeeignet zum Offizier. Paris. Frl. A. Levy, Enkelin des verstorbenen Rabbiners Bloch, früher in Bischheim, hat auf glänzende Weise das Diplome (VEtudes superienres erlangt. Lyon. Der seit 30 Jahren hier amtierende Kantor Leopold Bloch-, aus Winzenheim gebürtig, ist gestorben,