Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 28 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Das Mische Klatt Nr. 28 bald Zeit, daß der Schleier gelüftet wird. Durch eine solche Gegenüberstellung würde die Wahrheit der Breuerschen Schilderung hervortreten, wie das Licht am Morgen. Da würde man erkennen, daß der frühere Rabbinische Rat ein Verein von Gutachtern war, in den Organen der Aguda vertreten, daß er dagegen heute die ausschlaggebende, richtung- und gesetzgebende Autorität innerhalb der Aguda ist, der Mittelpunkt, um den sich alles dreht, die Säule, die alles trägt, und die Wölbung, die das Ganze krönt. Heute nimmt der Rabbinische Rat eine Stellung ein, wie etwa der Bundesrat in der Verfassung des Deutschen Reichs. Kein Gesetz kann vor den Reichstag kommen, bevor es der Bundesrat gutgeheißen hat, kein Beschluß des Reichstags erlangt Gesetzeskraft, ohne den Willen und die Bestätigung des Bundesrats; ähnlich ist heute das Verhältnis der Knesio Gedaulo zum Rabbinischen Rat. Ja, die Knesio Gedaulo ist nicht einmal souverän in der Wahl ihrer Behörde, der Rabbinische Rat kann gegen die Vorgesetzte Kandidatenliste sein Veto einlegen. Im früheren Statut wird man umsonst auch nur den Schatten dieser Hoheit suchen, die das chassidische Statut dem Rabbinischen Rat zuerkennt. Mit Recht! Denn das Wesen der Orthodoxie ist Unterwerfung unter das Diktat des Gesetzes in Gesinnung und Tat. Das Gesetz aber ist verkörpert durch den Rabbinischen Rat. Und erst im jetzigen chassidischen Statut hat der Rabbinische Rat die vornehmste Stelle erlangt. Breuer hat auch darin Recht. Und was dagegen in der obigen Erklärung gesagt wird, ist nur ein Gefecht mit Worten. Aus alter Wett Deutschland. Jüdischer Treubund. Der „Jüdische Treubund" in Breslau versendet folgendes Zirkular: Die im Laufe der Jahre stark anschwellende Ziffer von Uebertritten und Taufen Erwachsener und unmündiger Kinder machen es jedem ehrliebenden, an seiner Religion festhaltenden Juden zur ernsten Pflicht, Mittel und Wege zur Abhilfe zu suchen. Die bisherige Gleichgültigkeit gegenüber diesen traurigen Erscheinungen birgt die große Gefahr für Gegenwart und Zukunft in sich, daß der Glaubenswechsel, der in der Regel äußerer Vorteile wegen erfolgt, in weiteren Kreisen unserer Gemeinschaft gewissermaßen als Zeiterscheinung leicht hingenommen und schon dadurch begünstigt wird. Mit der Gleichgültigkeit und Untätigkeit diesen Schäden gegenüber muß gebrochen und eine wirksame Abwehr erstrebt werden. Diese Aufgabe will die unter dem Namen „Jüdischer T r e u b u n d" begründete Vereinigung erfüllen. In ernster Zeit wendet sich darum der „Jüdische Treubund" an die weitesten l Kreise unserer Gemeinde mit der Bitte umfassender Unterstützung seiner Bestrebungen, die eine Parteinahme für irgend eine religiöse Richtung ausschließen. Der „Jüdische Treubund" verfolgt den Zweck, die Treue zur jüdischen Glaubensgemeinschaft zu stärken und den Abfall vom Glauben entgegenzutreten. Der „Jüdische Treubund" strebt u. a. an: 1. Gleichstellung der jüdischen Religionsgemeinschaft mit den christlichen Bekenntnissen in allen Schulangelegenheiten und damit auch Durchführung des jüdischen Religionsunterrichtes durch alle Klassen der hiesigen Schulen. 2. Tatkräftige Förderung jüdischer Gesinnung unter der Jugend. 3. Einrichtung einer jüdischen Generalvormundschaft. 4. Hebung des Interesses am jüdischen Gemeindeleben: a) durch Erweiterung der Leistungen auf sozialem Gebiet, b) durch Unterstützung aller aus das Wissen vom Judentums, seiner Geschichte und Literatur gerichteten Bestrebungen, c.) durch Schaffung eines Gemeindeblattes, 6) durch Erweiterung der Frauentätigkeit in den Kommissionen der Synagogengemeinde, re) durch Einführung des Gemeindewahlrechtes für selbständige Frauen unter denselben Voraussetzungen, die für Männer gelten. Gegen das Renegatentum sollen u. a. folgende Maßnahmen angewandt werden: 1. Bekanntgabe der Namen der Ausgetretenen durch den Vorstand der Synagogengemeinde. 2. Bekämpfung aller Personen, die vom jüdischen Glauben abgefallen sind oder die Taufe unmündiger Kinder begünstigen, bei Bewerbung um Ehrenämter in Gemeinde, Stadt und Staat; andererseits Unterstützung von Kandidaten bei Besetzung von Ehrenämtern in der Gemeinde und jüdischen Vereinen, welche den eingangs erwähnten Grundsatz des jüdischen Treubundes: „Die Treue zur jüdischen Glaubensgemeinschaft zu stärken und dem Abfall vom Glauben entgegenzutreten", überall gewissenhaft zu vertreten bereit sind. 3. Zurückweisung von Uebergriffen der Judenmissionen. Mitglieder des jüdischen Treubundes können alle jüdischen Männer und Frauen, gleichviel welchen Alters, alle jüdischen Korporationen und Vereinigungen, gleichviel welcher Art, werden. Eine Beitragspflicht besteht nicht, doch sind freiwillige Spenden sehr erwünscht. Aus der Agudas-Isroel-Vewegung. Das Programm und die Tagesordnung der bevorstehenden Kenesijoh g e d a u l o h. der Agudas Jisroel-Organisation ist nunmehr festgestellt. Die eigentliche Kenesijoh gedauloh beginnt am Dienstag den 3. Elul (25. August), abends llA Uhr, und endet voraussichtlich Montag, den 9. Elul (31. August). — Von Mittwoch den 27. Aw (19. August) bis Sonntag den 1. Elul (23. August) wird in Homburg die Tagung des „Rabbinischen Rates" stattfinden. Von Sonntag, den 1. Elul (23. August) bis Dienstag den 3. Elul (25. August) finden Sitzungen des Provisorischen Komitees, der verschiedenen Kommissionen, der Landesorganisationen und Verbände statt. Tagesordnung der kenesijoh gedauloh: Dienstag, 3. Elul (25. August), abends VA Uhr: Eröffnungssitzung: a) Generalbericht des Provisorischen Komitees, b) Vorlage der Ge s ch ä f t s o r d n u n g für die Verhandlungen der Kenesijoh gedauloh und Wahl des Präsidiums, c) Begrüßungsansprachen. Mittwoch, 4. Elul (26. August): Vormittagssitzung: a) Bericht des Wahlprüfungsausschusses, b) Vorlage und Generaldiskussion über das Statut der Agudas Jisroel. c) Nominierung des Wahlvorschlagsausschusses durch die Landesorganisationen. Nachmittagssitzung: Referat und Diskussion über die finanzielle Orqanisa wn der Agudas Jisroel und die Grundfragen ihrer Propaganda. Donnerstag, 5. Elul (27. ätuguft): Vormittagssitzung: