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Das jüdische Blatt · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27. 9 Das jüdische Klatt. Straßburg. An Stelle des am 7. April gestorbenen Herrn Schnerf wurde der bisherige Friedhofsverwalter Reh zum Kastellan der Synagoge ernannt und an dessen Stelle Herr Singer zum Verwalter des Friedhofs bestellt. Straßburg. Die Jugendgruppe der Agudas Israel hat auf nächsten Sonntag eine Propagandaversammlung einberufen, zu der jedermann freien Zutritt hat. Das Nähere ist aus dem Inseratenteil ersichtlich. Großblittersdorf. Unser Kantor, Herr Jacob Bloch, wird anl 1. August die Kantor- und Religionslehrerstelle in Markirch antreten. Bis jetzt haben sich für die hiesige Stelle etwa 15 Bewerber gemeldet. Metz. Herrn L. Znliqzon, Professor am hiesigen Lyzeum, wurde der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. Obereh nheim. Im Alter von 78 Jahren starb, hochgeschätzt und geehrt, Herr Aron Blum; er wurde am Dienstag unter großer Beteiligung von Verwandten und Freunden, auch sehr vieler christlicher Mitbürger, zu Grabe getragen. Herr Blum war früher lange Jahre Mitglied der Gemeindeverwaltung und war überall wegen seines lautern Charakters und seines frommen Sinnes sehr beliebt. 8 Osthoffen. Vorige Woche verschied im Alter von 84 Jahren der hiesige Handelsmann Michel Weil. Er war noch einer der Veteranen des Krimkrieges. Seine größte Freude war es, wenn er von den Schlachten bei Bataklava und Jnkermann, wobei er beteiligt war, erzählen konnte. Bis zu seinem Tode erinnerte er sich aller Strapazen, die er auszustehen hatte während dieses Feldzuges, und besonders liebte er die Vernichtung der englischen Kavallerie durch seine Division zum Besten zu geben. Als er während des Krieges von der Cholera befallen wurde, kam er zuerst ins Lazarett von Konstantinopel, und von dort nach Marseille, wo er bis zur vollen Genesung verblieb. Er war ein braver Mensch und frommer Jehudi. Nürnberg. 28. Juni, heule tagte die Versammlung von Gemeindevertretern. .Es waren 22 Gemeinden vertreten, teils persönlich, teils durch schriftliche Vollmachten. Gegen eine Revision im Prinzip stimmten Bamberg, Bayreuth, Ichenhausen, Rördlingen, Ansbach (Günzenhausen, das zweifellos im Prinzip gegen die Revision ist, konnte bei dieser Abstimmung nicht anwesend sein). Interessant war die Abstimmung über die Austrittsmögtichkeit. Zunächst wurde nach Zahl der Anwesenden (und Inhabern von schriftlichen Vollmachten) abgestimmt. Das ergab eine Majorität von einer Stimme (19/18) für die Auslritlsmöglichkeit. Rach einer Geschäftsordnungsdebatte wurde sodann nach Gemeinden abgestimml; das ergab das überraschende Resultat von einer Ablehnung der Austrittsmögtichkeit mit 14/8 Stimmen. Das Stimmenverhältnis bei Abstimmung über Zentralkasse und Verhältniswahl ergab eine kleine Majorität für diese beiden Projekte. Berlin. Die Hilfsbibliothekare an der Königlichen Universität zu Berlin, Dr. H. Pick und Dr. G. Weil, wurden zu Bibliothekaren an dieser Bibliothek ernannt. Berlin. Die Nr. 86 der „Mitteilungen" des D.-J.- G.-B., die soeben erschienen ist, enthält folgende Gegenstände: 1. Der 14. ordentliche Gemeindetag vom 7. Dez. 1913. 2. Konstituierung des Ausschusses und Personalien. 3. Grundbesitz des D.-J.-G.-B. 4. Rechtskommission. 5. Preisausschreiben betr. Methodik des jüd. Religionsunterrichts. 6. Normalvertrag und Schiedsgerichtsordnung. 7. Schächter unterliegen dem Versicherungsgesetz für Angestellte. 8. Jüdische Kriegsfreiwillige. 9. Kassenbericht. 10. Mitglieder-Verzeichnis. Berlin. Letzten Sonntag, am Jahrzeitstage des R. E s r i e l Hildesheimer s. A., fand in der Synagoge des Rabbinerseminars eine Gedächtnisfeier statt, mit welcher die Entlassung der Herren: Dr. Josef Carleb ach, Berlin, Dr. Jerome L e v y , Oberseebach (Elsaß), und Robert Brunschwig, Altkirch (Elsaß), verbunden wurde. Im Namen der Entlassenen richtete Herr Dr. Josef Carlebach warm empfundene Ab schiedsworte an feine Lehrer und Studiengenossen. Das neue Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Am 22. Juni fand in Anwesenheit von Vertretern der Regierung, der Kommunen Groß-Berlins und der Vororte sowie der Aerzteschaft die Einweihung des neuen Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde in der Exerzierstrahe statt. Die von den Bauräten Reimer und Körte erbaute Anstalt besteht aus einem Hauptkrankengebäude, einem Verwaltungsgebäude, einem gynäkologischen Pavillon, einer Entbindungsanstalt, dem Wirtschaftsgebäude, einem Jnfektionspavillon und einem selbständigen Schwesternheim. Das Hauptgebäude enthält die innere Abteilung (Chefarzt: Professor Dr. H. Strauß). Außer den gemeinsamen Krankensälen sind einzelne Zimmer vorhanden. Die chirurgische Abteilung (Chef der Klinik: Professor Dr. I. Israel) enthält außer den neunzig Krankenbetten ein medikomechanisches Kabinett sowie septische und aseptische Operationssäle. Geräumige Dachgärten sind für spezielle Sonnenbehandlung eingerichtet. Ge trennt von den übrigen Gebäuden liegt der Jnfektionspavillon, in dem die Stationen für Masern, Scharlach und Diphtherie wiederum isoliert sind. Ein eigener zweigeschossiger Bau beherbergt die Frauenabteilung (Leiter: Professor Dr. Gottschalk). Zwischen den einzelnen Abteilungen bieten gefällige Gartenanlagen den Kranken einen angenehmen Aufenthalt. Die Innenausstattung verbindet Einfachheit mit Gediegenheit. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 3 225 900 Mark.' Paris. Als ein Zeichen schönster Wertschätzung in allen Kreisen darf ein Fest genannt werden, das die Eheleute Joseph Sommer und Frau geb. Marx dieser Tage die „Schchijoh" hatten, zu begehen — die 50. Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Eine goldene Hochzeit ist wohl nichts so seltenes, doch eine offizielle Zeremonie anläßlich einer solchen sieht man fast nie. Herr Sommer steht schon 37 Jahre lang als „Mohel" im Dienste des Konsistoriums, und in dankbarer Anerkennung hat dieses feine große Synagoge in der Rue des Tournelles zu einer öffentlichen Feier zur Verfügung gestellt. Einige hundert Leute nahmen daran teil, und das Jubelpaar, umgeben von einer Schar Enkelkinder und Kinder, saß wie anno dazumal unter der „Chuppoh". In längerer Rede würdigte Herr Grand Rabbin Raphael Levy die „Brautleute", welche durch Aufrechterhaltung der jüdischen Traditionen und sonst durch Führung eines regelrechten Lebens diesen Tag erlebten. Er gedachte besonders auch in ehrender Weise des Sohnes, Herrn Leon Sommer, welcher Rabbiner in Tours ist und dem vor einiger Zeit von der französischen Regierung die akademische Palme verliehen wurde. Herr Joseph Sommer, der ein „Ben Thora" ist, stammt aus Herlisheim a. Zorn, war mehrere Jahre im Elsaß und im Badischen als Religionslehrer, Chasan und Schochet tätig. Seit 43 Jahren übt er das Amt eines Mohels aus und hat während dieser Zeit 17 Mohelimschüler ausgebildet, 23 547 Kinder und 164 Erwachsene, also „Gerim", in den Bund Abrahams eingeführt. Möge der Lebensabend Herrn Sommer reiche Frucht bringen

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