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Das jüdische Blatt · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 26. Das jüdische Klatt. 11 mehren — im zweiten aber auch noch nicht. Schon wollte ich die höchst liebenswürdige Attacke ignorieren, als mir der Gedanke kam, Herr Klein wird sich in diesem Falle schön ins Fäustchen lachen und von mir denken nNPinD So will ich also Ihr „Eingesandt" Satz für Satz beantworten. Zunächst haben Sie ja meinen „Pariser Brief" gar nicht verstanden, denn ich habe ja gar keinen Bericht über die Synagogeneinweihung an sich geschrieben, sondern ich gab ein Stimmungsbild aus der russisch-polnischen Gemeinde. Daß für Sie die Erbauung der e r st e n frommen Synagoge in Paris nichts bedeutet, soll Ihnen nicht übel genommen werden. Wenn man aber, wie Sie selbst erklären, die Verhältnisse nicht kennt, dann ist es Ihrerseits eine von Vernachlässigung jüdischer Vorschriften und Institutionen zu sprechen. Mein Artikel enthält ja gerade das Gegenargument, aber in Ihrer blinden Wut hat Ihr Gedächtnis versagt. Das „Erscheinen" des Herrn Rabbiner Herzog ist älteren Datums als meine Ankunft in Paris. Ich habe so viele Freunde, daß ich tatsächlich nicht genau weiß, wer sich mit Ihrer Anspielung getroffen fühlen könnte. Doch was ich tue, mache ich allein und habe keine Hintermänner: La. clique c’est moi! Wahr ist, daß man der Arbeit des Herrn Herzog sehr sympathisch gegenübersteht, gerade in d e n Kreisen, welche Sie vielleicht In p$yjp haben; aber! diesen 5SHJ1 verzeihen Ihnen diese Herren großmütigst. Ich gebe Ihnen zu — und das ist auch der einzige Punkt, in welchem ich mit Ihnen d'accord bin —, daß es wirklich eine Ehre für Sie sein würde, Herrn Rabbiner Herzog vj zu kennen. In Ihrem Texte weitergehend ist's die welche es Ihnen angetan hat und die Erinnerung an Ihren in Gott ruhenden Bruder, den Dr. Klein hat Ihnen dabei ja hauptsächlich die Feder zu Ihrem Briefe in die Hand gedrückt: je ceimais men wende! Wenn Herr Herzog nichts von der Konsistorialschechito ißt, so mag er jedenfalls seine guten Gründe haben. Wenn z. B. Schochtim gegen ihre eigene Ueberzeugung vom Konsistoire gezwungen werden, den Koscherstempel des Besdin auf ungeporschte Hinterviertel zu setzen, oder wenn das Konsistoire das Recht des Koscherfleisch-Verkaufs nur von der Bezahlung einer gewissen Summe im Monat abhängig macht, so daß es schon vorkam, daß jüdische Metzger nichtgeschächtetes Fleisch verkauften, so sind das vielleicht zwei unter vielen Gründen. Ich bin ja nicht Sachwalter des Herrn Rabbiners Herzog und habe auch nur in meinem Artikel gesprochen. Im übrigen war ich wiederholt im Schlachthaus und Herr Dr. Debre, zurzeit in Ansbach, kann Ihnen auch Aufschluß geben. Worauf es mir aber hauptsächlich ankommt, das ist, I h n e n zu erklären, daß Ihr seliger Bruder niemals einen Bissen von der Konsistorialschechito aß, sondern stets seinen eigenen Schochet für die Rue Cadet hatte.(ich erinnere nur u. a. an Holzberg, der sogar noch von „Kaboloh" hatte und dann H. Lippschütz). Der Metzger, von dem Dr. Klein sein Fleisch bezog, durfte unter keinen Umständen Fleisch vom Konsistoire verkaufen. Ich frage Sie, warum tat Ihr allverehrter Bruder all dies?? In Ihrem allernächsten Verwandtenkreise in Paris gibt es jedoch Familien, die nur noch ausschließlich Fleisch im Hause haben, das von der Herzogschen Schechito kommt, die nach meiner gewonnenen Ueberzeugung auf'der ganzen Welt nicht besser sein kann. Daß Herr Herzog gegen die Benützung einer Stimmgabel ist, ist doch selbstverständlich; es geschah ohne sein Wissen, und die Synagoge sucht sogar einen Kantor, der dos Versprechen abgeben muß, keine Stimmgabel zu benützen. Indem ich diesen Punkt rügte, sehen Sie ja genau, wie schlecht angewendet Ihr Zitat aus dem „Jalkut" ist, das man offenbar Ihnen mal ins Stammbuch schrieb, weil es eher auf Sie paßt. Alle, die mich wirklich kennen, und es gibt welche, die mich noch besser kennen als Sie, wissen, wie objektiv ich stets bin, nur die Sache im Auge habe und beim fide handle. Ich liebe weder „das Strahlende zu schwärzen" noch „das Erhabene in den Staub zu ziehen". Soll ich nun noch Ihre so äußerst geschmackvolle Anrempelung oder Allusion auf die Rue Cadet, wodurch Sie übrigens glänzend beweisen, wie man bei Ihnen das j-)D2 PPIN 3S3 aufzufasfen hatj, interpretieren? — Rein, es widerstrebt meinem Taktgefühl. Eine gute Antwort gibt Ihnen die von Seite 97, wo es heißt: p&'inri ******* voila tont! Wenn ich am Schlüsse meiner Antwort Ihre Zeilen nochmals überlese, muß ich Ihnen unwillkürlich sagen, Herr Jules Klein, Sie haben anderen und mir selbst schon viel bessere Witze erzählt. Da es Ihnen, geehrter Herr „ha koton" ober Spaß macht — ich vermute, es ist sogar Bedürfnis — Sprechsaalartikel zu schreiben, so will ich mich Ihrer erbarmen, und Ihnen in der werte Waisen — diese beginnt bald, Sie haben Chance — besseren Stoff liefern. Einstweilen rufe ich Ihnen in größter Freundschaft zu: .(xsp xm) :pys:n p mv pyisb iV Paris, 44, Rue de Trevise. Felix W e r t h e i m e r. vermischtes Eine Hochzeit im Hause des Sadagoraer Rebbe. Der Rebbe von Sadagora hat jüngst seine Tochter mit seinem Neffen in Czchortkow verheiratet. Wenn man den offenbar übertreibenden Berichten der österreichischen Tagespresse glauben darf, wären dabei 8000 Gäste anwesend gewesen und das Hochzeitsessen hätte 80 000.K gekostet. Weiter berichten diese Blätter: Die prächtigen Kleider der Frauen stammten durchweg von erstklassigen Pariser Schneidern. Vor dem Rabbinerpalais in Sadagora drängte sich eine große Menge. In dem von einem Blumengarten umgebenen Hofe waren Tribünen errichtet. Unter den Gästen bemerkte man viele angesehene Persönlichkeiten aus Czernowitz und Umgebung, Offiziere und hohe Staatsbeamte mit ihren Damen. Mutier und Sohn. Die Geschichte einer Ehe. — Von Caroline Deutsch Weiß. Frau Schlesinger war auch nicht mehr die frühere: eine immer größere Bitterkeit griff in ihrem Herzen Platz. Sie hatte längst eingesehen, daß mit diesem unvernünftigen, zu Trotz und Zornesausbrüchen neigenden Geschöpf nichts zu inachen, daß sie jedem Einfluß unzugänglich war. Und sie sagte sich in ihrem Innern, daß dies nur natürlich sei, daß man von einem Distelstrauch keine Feigen verlangen könne.Doch behielt sie diese Betrachtungen für sich, wie sie auch vor dem Sohne jeden Streit mit der Schwiegertochter verschwieg, was diese nicht tat. Und es gab jetzt nur zu häufig Streit zwischen den beiden

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