Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das jüdische Matt Nr. 26 die imstande sind, einen Rabbiner zu halten, sollen aufgefordert werden, einen solchen anzustellen. 5. Die Mißstände auf dem Gebiete der Ehescheidungen sind abzustellen. Die Einwanderung nach Amerika über Galveston findet jetzt im neunten Jahre statt. Sie bedeutet zweifellos eine Entlastung für Neuyork, indem sie die Einwanderer anstatt nach Neuyork über Galveston in die Süd- und Weststaaten Nordamerikas leitete. 9 Jahre wurde dies Werk von der „Jto" geführt, das reichen Segen stiftete. 6000 Einwanderer sind bis jetzt durch die Vermittelung des amerikanischen Jnformationsbureaus für Einwanderer über Galveston hereingekommen und haben die Bahn anderen Zehntausenden Einwanderern, die Nachkommen werden, freigemacht. Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß hinter dem ganzen Unternehmen der Finanzier und Philantrop Jakob Schiff von Neuyork steht. Er hat eine halbe Million Dollar für die Einwanderung über Galvestone gegeben. Schon vor 2lA Jahren war das amerikanische Bureau nahe daran, die Regulierung der Einwanderung einzustellen. Glücklicherweise wurde aber der Versuch noch weiter fortgeführt und man kann nicht sagen, daß er nicht geglückt sei. Jetzt aber kommt die Kunde, daß das ganze Werk der Leitung der Einwand erung über Galveston eingestellt werden soll. Der wahre Grund ist wohl der, daß die halbe Million Dollar, die I. Schiff angewiesen hat, aufgebraucht ist. Neue Mittel dafür will Jakob Schiff nicht aufbringen. Vielleicht läßt sich dieser große Philantrop auch von der Erwägung leiten, daß die Einwanderungsbehörden in Galveston noch strenger sind als in Ellis- Jsland, oder daß es heute schwer fällt, für die in Galveston ankommenden Einwanderer ein passendes Unterkommen in den Süd- und Weststaaten zu finden. Wie dem auch sei, mit der Tatsache ist jedenfalls zu rechnen, daß der Hauptgeldgeber, auf den das ganze Werk der Regulierung der Einwanderung über Galveston sich stützt, sich von dem Unternehmen zurückzieht. Daß es dadurch in Frage gestellt wird, ist in Wirklichkeit sehr zu bedauern. Straßburg. Tapezierer- und Polsterer-Lehrling E d g a r d Meyer aus Epfig, Zögling der Israelitischen Gewerbeschule zu Straßburg, bestand dieser Tage vor dem Gesellenprüfungsausschuß der Handwerkskammer feine Gesellenprüfung mit dem Prädikat „recht gut". Für sein Gesellenstück, das z. Zt. seitens der Prüfungskommission in der Ausstellung in Diedenhofen ausgestellt ist, wurde dem jungen Handwerksmann der „zweite Preis" zuerkannt. Mögen Fleiß und Vorwärtsstreben des angehenden Kunstgewerblers auch ferner die gebührende Anerkennung finden! Interessant ist, daß auch der Lehrherr, bei dem Edgard Meyer seine Ausbildung genossen, und bei dem er nunmehr als Gehilfe tätig ist, selbst wieder aus der Israelitischen Gewerbeschule zu Straßburg hervorgegangen: Es ist der bekannte Tapezierer und Dekorateur Herr Haguenauer. Straßburg. Fräulein Hedwig Dreifus, Tochter von Herrn Jakob Dreifus, hat das beste Abiturientenexamen an der Oberrealschule beim Kaiserpalast abgelgt. Im Mündlichen war sie von drei Fächern dispensiert. Frl. Dreifus gedenkt Medizin zu studieren. Vergheim (Ob.-Els.) Der älteste Bürger von Bergheim und des ganzen Kreises Rappoltsweiler wurde letzten Montag zu Grabe getragen in unserem Gemeindemitglied, Herrn Judas, einem ehrwürdigen 95jährigen Greise, zu dessen Füßen schon lange Jahre die Urenkel spielten. Es ist ein wehmütiges Gefühl für unsere heute kleine Gemeinde, die Alten schwinden zu sehen, die einst die blühenden, stolzen und frommen Gemeinden von Bergheim und Rappoltsweiler gekannt und gesehen haben. Vuchsweiler. Der hiesige Gemeinderat hat 1300 di zur Renovierung der Mikwe bewilligt. Rosheim. Das Gewitter am letzten Freitag hat auf dem Friedhofe zu Rosenweiler schrecklich gehaust. Mehr wie dreißig Grabsteine sind teils hingeschleudert, teils vom Wasser untergraben und bedenklich nach einer Seite gebeugt. Meist sind es neuere Steine und besonders gerade die schwereren Steine, die betroffen wurden. Da weitere Schäden zu befürchten sind, wenn die Reparaturen nicht sofort bewerkstelligt werden, wird sich die Verwaltung sofort diesbezüglich mit den betreffenden Familien in Verbindung setzen. . Iürkh i. V. Ein Leser teilt uns mit, daß die Frage der Trennung oder des Austritts in Bayern angeschnitten wurde lange bevor sie in Frankfurt a. M. aktuell wurde. Vor über 50 Jahren hat Rabbiner Mendel Zell auf Grund seiner intimen Beziehungen zu Minister von Zwehl den Fürther Frommen die Trennung angeboten. Diese überlegten lange und schwenk- 'ten dann schließlich von ihrem an Reb Mendel gegebenen Auftrag ab, nachdem, sie die erwünschten Konzessionen von der Hauptgemeinde erlangt hatten. Reb Mendel aber gaben sie zum Danke für seine Bemühungen ein hebräisches Gedicht mit ins Grab. München. Nach langen Vorarbeiten sollen jetzt die Dienst- und Gehaltsverhältnisse der Volksschullehrer neu geregelt werden. Die dem Landtage vorgelegte sehr umfangreiche Denkschrift schließt die israelitischen Lehrer aus und überweist die Regelung ihrer Rechtsverhältnisse „dem künftigen israelitischen Kultusgemeinde- und Kultussteuergesetze". So wird diese Neuordnung also hinausgeschoben und die an sich so komplizierte und schwierige Materie noch mit einer neuen Frage belastet. Dies ist im Interesse der jüdischen Lehrer sehr zu bedauern. Die Staatsregierung trifft keine Schuld. Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Die erforderlichen Vorerhebungen sind großenteils schon geleistet. Vielleicht gelingt es noch in zwölfter Stunde durch schnelles, zielbewußtes Handeln, durch Verhandlungen mit den maßgebenden Stellen, die Hineinbeziehung der jüdischen Lehrer zu erwirken. 8. Mainz a. Rh. Einer unserer angesehensten Mitbürger, Herr Josef Fulda, Seniorchef des Bankhauses Jsaac Fulda, vollendete in voller Frische am vergangenen Freitag sein achtzigstes Lebensjahr. Herr Josef Fulda, der seit einer langen Reihe von Jahren Vorsitzender des Vorstandskollegiums der hiesigen orthodoxen Religionsgesellschaft ist, war allzeit ein estriger Förderer jüdischer Interessen jeglicher Art. Möge ihm ein segensreiches Alter beschieden sein. Ad mein weesrim schonoh. -c- Arankfurt a. M. Buttergebäck. Bei 54 Bäckermeistern wurden im vorigen Jahre Proben von Buttergebäck entnommen. Das Ergebnis war, daß 29 Bäckermeister ihr Buttergebäck nur mit Butter, 19 Meister nur mit Margarine und 6 Meister halb mit Butter, halb mit Margarine herstellten. Nun wurde u. a. gegen den Bäckermeister und Stadtverordneten Drißler Anklage wegen Nahrungsmittelfälschung erhoben, weil sein Buttergebäck fast nur Margarine enthielt. Das Schöffengericht erkannte auf 30 di Geldstrafe,