Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26. Das jüdische Klatt 7 gestochen. Derselbe erhielt am 16. Juni 1896 einen schweren Erpressungsbrief von zwei Soldaten: am 21. November 1909 einen Brief, welcher explosible Stoffe enthielt. Letzteres passierte ebenfalls Alphonse v. R. am 24. August 1895. Einige Tage darauf fand man unter der Eingangstüre der Rothschildschen Bank in der rue Lafitte eine Bombe, welche von einem Anarchisten hingelegt wurde. Am 4. März 1912 war es sogar ein jüdischer Attentäter namens Tabbit, welcher in London auf den Baron Leopold v. Rothschild, als dieser gerade in seiner Equipage Platz nehmen wollte, drei Schüsse abfeuerte. F. W. Rußland. Kiew. Lew Brodski hat die Absicht, in Palästina Boden anzukaufen und darauf die aus Kiew vertriebenen Juden anzusiedeln. Auch das Bureau der „Jca" in Berlin hat sich an einige hervorragende jüdische Persönlichkeiten mit dem Ersuchen gewandt, ihm Personen namhaft zu machen, die bereit wären, sich in Palästina als landwirtschaftliche Arbeiter anzusiedeln; die Gesellschaft würde derartige Personen materiell unterstützen. — Nun ist die Härte der Ausweisungen aus Kiew noch um einen Grad gesteigert worden. Es geht jetzt gegen die jüdischen Fleischer. Die Untersuchung von deren Wohnrecht hat bereits ergeben, daß 300 jüdische Fleischer, die bereits zwanzig Jahre in Kiew ihr Gewerbe ausüben, kein Wohnrecht haben und deshalb ausgewiesen werden sollen. Der Prozeß gegen die 25 Petersburger Advokaten wegen ihres Protestes gegen den Beilisprozeß. Am Freitag, 19. Juni, wurde das Urteil im Prozeß gegen die Petersburger Advokaten gesprochen, die den Protest gegen den Beilisprozeß unterschrieben haben. Drei Tage hat der Prozeß gedauert. Der Zutritt zum Gerichtssaal war nur gegen Billette gestattet, deren Zahl eine beschränkte war. Dennoch war der Saal und die Galerie gestopft voll; bis in die Couloirs standen die Menschen am Tage der Schlußsitzung. Kein gewöhnliches Publikum war dies. Nichts wie Advokaten; die Angeklagten sind Advokaten, Advokaten sind die Verteidiger und das Publikum besteht hauptsächlich aus Advokaten Der Prozeß ist jeden Tag sich emporhebend über sich selbst hinausgewachsen und ist mit gespanntem Interesse verfolgt worden, das dem Beilisprozeß gleichkommt. Ist er doch ein Widerhall des Beilisprozesses,- bestimmt, die mutigen Verteidiger des Rechts zu Märtyrern zu machen. Die angeklagten Advokaten haben einen selbstbewußten Stolz, eine seltene Würde bewährt. Dagegen haben andere, die auch auf der Angeklagebank hätten sein sollen, es vorgezogen, als Ankläger ihrer Kameraden aufzutreten. Auch jüdische Advokaten sind als Zeugen aufgetreten, die nicht gerade den besten Eindruck gemacht haben. Die glänzenden Verteidiger des Beilisprozesses, Sarudni und Grusenberg, haben als Zeugen glänzende Reden gehalten. Sarudni fand das passende Wort, um die aufgeregte Stimmung der russischen Gesellschaft während des Beilisprozesses zu kennzeichnen. .Mit beißender Ironie sagte Grusenberg, die Angeklagten konnten mit ihrein Protest unmöglich gegen den Justizminister zielen, jeder Mensch weiß ja, auch ohne Advokat zu sein, daß das russische Gericht unabhängig ist und daß der Justizminister fein Recht hat, sich in einen schwebenden Prozeß zu mischen. Ein anderer schilderte die unerhörte Demoralisierung, die der Beilisprozeß in die russische Gesellschaft hineintrug. Darum war es Pflicht für die Vertreter des Rechts und der Kultur, für die Advokaten, zu protestieren. Besonderen Nachdruck auf die Berechtigung zum Protest legten die oktobristischen Angeklagten. Der Staatsanwalt hatte die Angeklagten in zwei Kategorien eingeteilt, in Anstifter llnd Verführte. Der Oktobrist, Advokat Bobrischtschew-Puschkin, war in die zweite Kategorie eingereiht. „Der Staatsanwalt ist im Irrtum in bezug auf meine Person", erklärte er. „Ich habe mit voller Absicht unterschrieben. Meine Unterschrift, die Unterschrift eines Oktovristen, sollte unter den Unterschriften der Liberalen stehen, damit man nicht sage, der ganze Protest ist eine Machenschaft der Linken und der Juden." Drei Tage hat der Prozeß gedauert. Donnerstag abend schlossen die Verteidiger ihre Plaidoyers. Schwere Stimmung drückte die Anwesenden, eine bleierne Müdigkeit lastete auf allen. Die Angeklagten sprachen ihr letztes Wort und wirkten ergreifend. Rührend sprach der angeklagte Advokat Bramson. Den Verhandlungen war er fern geblieben, denn sein einziger Sohn rang mit dein Tod. Mittwoch starb Bramsons Sohn und Donnerstag hatte er schon genug Mut und Kraft gefunden, seine Erklärung vor Gericht abzugeben. Alle kannten das schwere Unglück, das ihn getroffen hatte. Auf alle machte deshalb den tiefsten Eindruck seine Bitte an den Richter, sein persönliches Unglück nicht zu berücksichtigen und ihm persönlich keine besondere Milde zu erweisen. Alle haben in klarer Erkenntnis ihrer Verantwortung den Protest unterschrieben. Auch er habe in klarer Absichtlichkeit gehandelt. Wenn auch eiserne Ketten seiner harren, er sei bereit. Bramson war der erste der Angeklagten, der seine Erklärung abgab. Der letzte von ihnen war der Militärrichter Wruschosik, auch einer von der zweiten Kategorie. Er erklärte die Gründe seiner Unterschrift und gab dem eindrucksvollen Gemälde die letzten Striche. Für ihn war der Ritualinordprozeß bloß eine Einleitung, der nach dem Plane der Rechten eine Reihe blutiger Progrome folgen sollte, blutige Blätter sollten in die jüdische Geschichte eingetragen werden. Was ein Progrom ist, sagte er, habe ich in Baku zur Zeit der armenischen Schlächtereien gesehen. Dort habe ich das schreckliche Bild gesehen, wenn Mütter verzagt ein sicheres Versteck für ihre Kinder suä>en. Dort sah ich Menschenleichen, von den wahnsinnigen Progromhelden grausam mißhandelt und entstellt. Und je§esmal, wenn ich die Inszenierung eines Progroms wahrnahm, sehe ich vor mir die Schrecken von Baku. Gegen derartige Schreckensbilder muß ich jedesmal mit aller Energie protestieren. Das Gericht sprach mit Freitig, 2 Uhr nachmittags, alle 25 Angeklagte schuldig. Sokolow und Kerenski (Kerenski ist Dumaabgeordneter der Oktobristen) wurde zu 8 Monaten, die übrigen zu 6 Monaten verurteilt. Es gibt doch noch wackere Männer in Rußland. Amerika. Die Konferenz orthodoxer Rabbiner Amerikas. In der Konferenz orthodoxer Rabbiner Nordamerikas, die jüngst in New-Pork tagte und zahlreich besucht war, wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Im Interesse der jüdischen Reisenden soll ein Verzeichnis der rituell geführten Hotels und Restaurants geführt werden. 2. Der Schomre-Schabbos-Verein sei zu fördern und ähnliche Vereine seien ins Leben zu rufen. 3. Die Aufnahme von □'Hj darf nur durch ein dreigliedriges Beth Din geschehen, in dem mindestens ein anerkannter Rabbiner Sitz hat. 4. Die Gemeinden,