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Das jüdische Blatt · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26. Das Mische Klatt. deren 150 neu eingerichtet sind, wurden in etwa 118 Orten 500 Bücher verteilt. Die Freie Vereinigung gibt die Monatsschrift, „D e r Nolksbocke" heraus, der den Mitgliedern gratis geliefert wird. An Subventionen an Landgemeinden wurden 15 000 Ji bewilligt. Das Rundschreiben gegen die Richtlinien wurde von 500 Gemeinden unterzeichnet, außerdem hat sich die erdrückende Mehrheit der mittleren Gemeinden geweigert, die Berlin-Frankfurter Erklärung für die Richtlinien zu unterschreiben. Die von der Freien Vereinigung besorgte Herstellung von Tephillin und Mesusaus erfordert einen wesentlichen Zuschuß, obgleich die Tephillin zu 7 Ji verkauft werden. Das Palästina-Schulwerk umfaßt 10 Schulen mit insgesamt 40 Lehrkräften und 1000 Schülern. Das Vermögen der Freien Vereinigung beträgt 146 247,97 Ji. Die Jahresbeiträge belaufen sich auf 21642,07 Ji. Diese Zahlen beweisen, daß die Freie Vereinigung noch nachhaltiger finanzieller Förderung bedarf, um mit Erfolg dem großen Zwecke zu dienen, dem sie bestimmt ist. Das Angola-Projekt. In letzter Zeit gibt sich ein gewisser Teil der jüdischen Presse aus parteipolitischen Gründen alle erdenkliche Mühe, die von der portugiesischen Regierung als Kolonisationsgebiet für Juden empfohlene Kolonie Angola nach Möglichkeit zu diskreditieren. Da die betreffenden Blätter augenscheinlich nicht in der Lage sind, streng wissenschaftliche Einwände gegen dieses Projekt ins Feld zu führen, so sehen sie sich gezwungen, mit durchweg aus der Luft gegriffenen Behauptungen zu operieren; manche versteigen sich sogar so weit — offenbar auf die bekannte Leichtgläubigkeit und Kritiklosigkeit der Massen rechnend —, ihr durchaus subjektives Urteil als auf den Ergebnissen der seinerzeit von der I. T. O. nach Angola geschickten Expedition beruhend hinzustellen. Um nun die jüdische Oeffentlichkeit in die Lage zu versetzen, sich mit dem wahren Sachverhalt in dieser wichtigen Angelegenheit bekannt zu machen, seien hier die a u t e n t i s ch e n Urteile der beiden Expeditionsteilnehmer in wortgetreuer Ueberfetzung wiedergegeben: Z Herr Professor I. W. Gregory sagt in seinem Schlußwort: „Das Benguellaplateau scheint sehr gesund zu sein. Sein Klima ist ebenso gefällig wie gesund. Da das Plateau frei von Insekten, Pest, gefährlichen Tieren und schädlichem Gewürm ist, so sind die Lebensbedingungen daselbst anziehend und können leicht komfortabel gestaltet werden. Das Benguellaplateau schließt in sich ausgedehnte Gebiete fruchtbaren Landes, die gegenwärtig nur spärlich bevölkert sind. Mit Rücksicht auf das Landbesitzsystem der Eingeborenen und auf die politischen Bedingungen'des Landes könnten die guten Landteile für europäische Siedlung leicht zu haben sein. Die gegenwärtige unzulängliche industrielle und landwirtschaftliche Entwicklung scheint hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben zu sein, daß die furchtbaren Landstriche von der Küste durch großes Wüstenland getrennt sind. Die Eisenbahn überbrückt jetzt diesen Wüstenstrich und macht die landwirtschaftliche Entwicklung des Landinnern möglich. Da die wasserreichen, gesunden und fruchtbaren Distrikte hoch gelegen sind, so tragen sie eher die charakteristischen Merkmale der mäßigwarmen als der tropischen Zone an sich. In Anbetracht der Gesundheit, Fruchtbarkeit und. Anziehungs- H Nach der soeben erschienenen deutschen Ausgabe des Berichtes bei R. Löwit, Wien I, Seite 44, 45 und 52. fähigkeit des Landes, mit Rücksicht ferner darauf, daß das Land leicht erworben und entwickelt werden könnte, scheint kein Grund vorhanden zu sein, weshalb europäischen Kolonien, falls die portugiesische Regierung eine brauchbare Konzession gewähren würde, auf dem Benguellaplateau nicht mit Erfolg errichtet werden sollten." Herr Dr. C. Martin, Direktor des Lifter-Jnstitutes in London, erklärt in seinem Resümee: „Das Hochland von Benguella erfreut sich für seine Breite eines guten Klimas, und um hier gesund und behaglich zu leben, braucht der Durchschnittseuropäer seine Gewohnheiten nur in geringem Maße zu ändern und einigen wenigen Details der tropischen Gesundheitspflege Aufmerksamkeit zu widmen. Jetzt ist es in bemerkenswerter Weise frei von Tropenkrankheiten. Wenngleich man einigermaßen leicht Malaria oder andere durch Insekten übertragene Krankheiten bekommen kann, eine Gefahr, die zweifellos mit der Kolonisation steigen wird, können diese Krankheiten durch einfache Vorsichtsmaßregeln vermieden werden, und es muß bemerkt werden, daß manche Krankheiten, die unseren mäßigen Klimaten eigen sind, wie Schwindsucht oder andere Äußerungen der Tuberkulose, Bronchitis und Lungenentzündung, die in Europa so viele Opfer fordern, durch das Leben in der freien Luft und im Sonnenschein von Angola vermieden würden." Wir überlassen es den urteilsfähigen Elementen unseres Volkes selbst, den Versuch zu machen, diese auf ernster Forschung beruhenden Schlußfolgerungen bekannter Gelehrten mit den tendenziösen Auslassungen gewisser Zeitungen in Einklang zu bringen. Aus Bayern. Den „Münchner Neuesten Nachrichten", Nr. 305, entnehmen wir folgendes aus dem Bericht über die Ausschußsitzung des Reichsrats: „Ausschußvorsitzender Graf Crailsheim: Ueber die Revision des Judenedikts habe er sich bereits vor zwei Jahren bei der Beratung der Kirchengemeindeordnung ausgesprochen. Die Regierung habe diese Notwendigkeit ebenfalls anerkannt, nur die Beteiligten feien sich noch nicht einig. In jüngster Zeit sei nun eine Schrift erschienen, in der die hauptsächlichsten Gesichtspunkte in einer Weife dargelegt seien, daß eine Einigung der beiden Richtungen aus dieser Basis möglich erscheine und, wenn er recht berichtet, auch bereits im Wege fei. Einzelne Unentwegte würden natürlich immer einer Verständigung widerstreiten. Er würde bitten, die Frage nicht aus dem Auge zu verlieren. Kultusminister v. K n i l l i n g: .,.Zur Revision des Judenedikts habe er sich bereits vor zwei Jahren in der Kammer der Reichsräte geäußert. Er habe die Angelegenheit seitdem nicht aus dem Auge verloren. Im Kultusministerium fänden fast jede Woche Besprechungen mit Vertretern der verschiedenen Richtungen in der Judenheit statt. Man werde bemüht sein, eine Mittellinie zu finden und zu verhüten, daß künftig von den Anhängern der einen Richtung gegenüber der anderen ein Zwang ausgeübt werden könne. Die Reform werde auch die finanziellen Fragen zu umfassen haben; es werde nötig sein, nach dem Vorbilde der protestantischen Kirchensteuer eine Z e n t r a l k a s s e für die religiösen Bedürfnisse der Judenschaft des ganzen Königreichs zu schaffen. Tie Vorschläge der vom Ausschußvorsitzenden angeführten Schrift eigneten sich zur weiteren Verfolgung. Wenn die Anhänger der beiden Richtungen ihre Aufgabe nicht darinsähen, sich gegenseitig zu bekämpfen, sondern an dem gemeinsamen Ziele zusammen zu arbeiten, werde es hoffentlich möglich fein, dem n ä ch st e n Landtage den Entwurf eines neuen I u d e n e d i k t s v o r z u l e g e n." Es ist wirklich nicht an dem, daß wir so hartnäckig als Unentwegte widerstreiten; wir fragen nur das eine: Steht die Orthodoxie noch auf dem Standpunkt, daß eine Zentralkasse mit einer

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