Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Das jüdische Matt. Nr. 25 du Logislateur: Israel et les etrangers domicilies dans son sein ne forment qu’un seid et meine peuple. Et Ton ose nous reprocher nn esprit d’exclusivisme, a nons qui avons enseigne au monde Famour du prochain, Famour de l’etranger! A nous qui jadis avons aime l'etranger parce que nous avions ete etrangers sur 1a terre d’Egypte pendant quatre Cents ans (Levit. XIX, 34), et qui aimons aujourd’hui nos concitoyens, parce que nous avons ete etrangers sur les terres d’Europe, d’Asie et d’Afrique pendant plus de dix-lmit siecles! Helas! Combien de nos freres, meine en Europe, sont encore traites d’etrangers! La Torali a formellement interdit qu’il y eut deux juridictions, l’une pour Flsraelite et Fautre pour Fetranger, en imitiere de crimes et de delits (Levitique XXIV, 22). Cette egalite devant le tribunal est couronnee par Fegalite devant l’autel, que prescrit notre sidrali. Arrivos sur ces hauteurs, combien nous trouvons mesquines les legislations humaines les plus vantees! Et comme nous sentons bien tonte la verito de cette conclusion de : «D'np nmvri ’mss'bD'nx army rnrn;yDb <! □D’nbN'1?- Vous ' voms rappellerez ainsi et vous e.\6- «cuterez tous mes commandements, et vous serez saints «pour votre Dien.» (Xombres XV, 40). Kommandant A. Lipman. Mutter und So1)n. Die Geschichte einer Ehe. — Von Caroline Deutsch-Weiß. „Ja, ja, deine Mutter! Ich weiß ja, daß sie dir alles ist und ich dir nichts, gar nichts bin! Und da sie das weiß, gibt auch sie mir im stillen einen kleinen Fußtritt, wo sie's nur kann. Nicht das kleinste Vergnügen gönnt sie mir. Ich habe mich so auf die Fahrt gefreut! . . . Und ein Schwindel, ist das eine Krankheit? Wie oft hat das meine Tante in Pest gehabt! Wenn er vorüber war, war's wieder gut. Aber natürlich, die Mutter, und immer nur die Mutter!" „Schweig'!" unterbrach er sie, ganz bleich vor Zorn. „Was ich meiner Mutter gebe, ist nicht von deinem Teil. Ein Quell tränkt mehr als einen Acker. — Und wenn du glaubst, mich in der Liebe und Ehrfurcht gegen meine Mutter wankend zu machen, dann irrst du dich. Meine Sohnespflicht ist eine heilige für mich. Und einer solchen Mutter gegenüber kann ein Kind überhaupt nicht zu viel tun. Ich habe mich in dir geirrt. Ich habe gemeint, du seist gutherzig, bescheiden, dankbar, du würdest meiner Mutter eine liebe Tochter sein. Bist du's, Regi?" Seine Stimme überschlug sich, ein solcher Schmerz sprach aus ihr. „Schäm' dich, Regi, schäm' dich! Geh' in dich, wenn ich nicht glauben soll, daß du eine wirklich schlechte Frau bist." Damit ging er aus dem Zimmer und ließ Regi Zeit, über ihr vermeintliches Recht oder ihr wirkliches Unrecht nachzudenken. VIII. Es dauerte diesmal längere Zeit, bis die Mißtöne, die jene häßliche Szene hervorgerufen, sich vollständig in den Gemütern verloren. Dann kam aber ein Ereignis, das Frieden den Menschen brachte, die glücklich hätten sein können und es nicht waren, einen Frieden, der für immer gefestigt zu fein schien. . . . Die junge Frau fühlte sich Mutter; mit einem Male war die Atmosphäre des Hauses verändert, und alle beseelte ein leises Hochgefühl. Josef war zärtlich und aufmerksam. Frau Schlesinger hatte sich stets einer gewissen Billigkeit ihrer Schwiegertochter gegenüber beflissen, wenn diese auch in ihren Aeuherungen jeglicher Wärme entbehrte; denn weich konnte sie nur gegen ihren Sohn sein. Sie hatte sogar Regis heftigen Ausfall zu vergessen gesucht, indem sie in ihrem Gerechtigkeitsgefühl einer maßlosen Wut eine ebenso maßlose Freude und deren Enttäuschung als Milderungsgrund entgegenhielt. Da sie sich körperlich jetzt etwas besser fühlte, ließ sie Regi jede mögliche Schonung, die ihr Zustand erforderte, angedeihen. Und die junge Frau selber zeigte sich in dem Bewußtsein, jetzt allen so viel zu sein, den Mittelpunkt so vieler Sorgfalt und Aufmerksamkeit zu bilden, in dem freudigen und zugleich stolzen Bewußtsein ihrer nahenden Mutterschaft, ruhiger, sanft und fügsam. Dann war die Stunde da, die das Kind brachte, jene große Seligkeit junger Elternherzen, die aber diesmal der jungen Mutter fast das Leben gekostet hätte. Es war ein Knabe, und die Geburt eine furchtbar schwere. Zwei Tage und Nächte quälte sich die arme Regi. Josef durchwachte die beiden Nächte in dem daran stoßenden Zimmer. Er tat die innigsten Gebete für sie und sagte in tiefer Andacht Psalmen vor sich her, wies bei frommen Männern üblich. Und wenn das qualvolle Jammern, die wilden, gellenden Rufe sein Ohr trafen, dann war ihm das Herz wie zerrissen, und der Angstschweiß trat ihm auf die Stirne. „Mein armes, armes Weib!" murmelte er manchmal ganz verzweifelt und rückte den Kopf in die Hände. „Wie muß sie leiden, wie muß sie leiden!" Und gar manchmal kam Josef in jenen Nächten zu Bewußtsein, daß der Mann der Frau nicht Liebes und Gutes genug erweisen könne — nur als Entgelt für eine solch durchquälte Stunde. Und als zum ersten Male, der fremde durchdringende Laut: der Schrei des Kindes durch das Zimmer hallte, da durchzuckte es ihn, und die Tränen liefen ihm plötzlich über das Gesicht. Er weinte sich die Qual dieser furchtbaren Stunden aus der Seele, dann trat etwas Unsagbares, Siegbares in ihm auf: der Gedanke, daß er Vater sei. Das Kind lag gebadet und im Steckkissen verpackt neben der jungen Mutter, deren Gesicht schneeweiß und im höchsten Grade erschöpft aussah. Josef wurde vom Arzt nur unter der Bedingung, nicht zu sprechen und so kurz wie möglich zu verweilen, in das Zimmer gelassen. „Es ist alles in Ordnung", sagte er auf den erschreckten Blick des jungen Mannes. „Jetzt gibts aber nur Eins für sie, Ruhe, Ruhe! Was dies junge Frauchen durchgemacht hat, daran hätte ein Pferd genug gehabt. Das Kind soll auch für ein paar Tage in ein anderes Zimmer und künstlich ernährt werden". Josef stand, vor Glück und Erregung zitternd, neben dem Bette und sah auf Weib und Kind. Das Verbot des Arztes war überflüssig gewesen; er hätte auch so nicht sprechen können in dem Aufruhr seiner Gefühle. Die junge Frau lag in tiefer Erschöpfung mit geschlossenen Augen da, dann öffnete sie dieselben, wie in Ahnung seiner Nähe, sah ihn an und dann wie er auf den Knaben . . . Und plötzlich trafen sich seine und ihre Augen wieder mit einem langen Blick — ein stummer erneuter Treuschwur wars, der Schwur: lieb und gut zueinander zu sein. Gute Vorsätze und Entschlüsse, welche nicht geläuterte Einsicht, sondern übermäßig gesteigerte Gefühle Hervorrufen, halten in seltenen Fällen lange an. Der Alltag streut seinen grauen Staub darüber. . . Gefühle flauen ab, wie eine Flut nach übermäßigem Steigen wieder sinkt, und der Strom in seiner gewohnten Höhe gemächlich oder auch bewegt dahinfließt. Regi hatte sich viel rascher erholt, als anfangs geglaubt wurde.