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Das jüdische Blatt · 1914-06-19 · 25 (19.6.1914) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
25 (19.6.1914)
Date
1914-06-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25. Das jüdische Matt. 7 Schwestern und des gesamten Personals. Die Zentralverwaltung aber erblickt darin den Ansporn, den Segen der Anstalt immer weiteren Kreisen zugänglich zu machen, und sie wird es sehr begrüßen, wenn ihr, wie zu hoffen ist, in nicht zu ferner Zeit die Mittel geboten werden, um durch Errichtung eines Sommerhauses die Belegungsfähigkeit in den Hochsommermonaten auf 150 Betten zu erhöhen. Es wäre dies diejenige Höchstzahl, die nach den bisherigen Erfahrungen unbeschadet der erforderlichen individualisierenden Behandlung der Kinder für zulässig zu erachten ist. Frankreich. Oonkereneo rabbiniauo m Paris. Die jährliche Konferenz des Verbandes der Rabbiner in Frankreich, die am 9. und 10. Juni in Paris stattgesunden hat, hat dem Sabbat besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Eine Kommission war beauftragt, darüber ein Referat auszuarbeiten, und ist zu folgenden Leitsätzen gekommen, die wir dem Iewish Chronicle entnehmen: Die Generalversammlung, sehr besorgt um die zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber dem Sabbat, lenkt die Aufmerksamkeit auf folgende Grundsätze, die als Voraussetzung für die vorgeschlagenen Mittel der Abwehr zu gelten haben: 1. Der Sabbat ist eine der Hauptsäulen des Judentums. Er ist das Sinnbild der grundlegenden Ideen unserer Religion: Gottes, der Schöpfung, Gottes in der Geschichte, der erhabenen Menschenwürde, der sozialen Pflichten usw. 2. Gemäß ihrer wahren Bedeutung trägt die Sabbatfeier einen doppelten Charakter; sie ist zugleich eine Feier des Körpers und eine Feier des Geistes, die eine hebt und veredelt die andere. 3. Als Feier des Körpers ist der Sabbat ein Ruhetag. Enthaltung von der Arbeit ist die erste Bedingung. Der Sabbat ist hauptsächlich der Tag, wo sich die Familie vereinigt und im Hause bescheidene Freuden genießt. 4. Der soziale Wert* des Sabbats findet seine Vollendung in seinem moralischen und geistigen Wert. Der Sabbat muß geheiligt werden. Er ist geheiligt durch die Feierlichkeit des öffentlichen Gebetes, durch persönliche und häusliche Gebete, durch Studium und Nachdenken über die großen Wahrheiten, die er verkörpert. 5. Da dies alles den Charakter des Sabbats bedingt, legt uns unser Judentum die Pflicht auf, ihn zu bewahren, und dies um so mehr, als die Bedingungen der materiellen Existenz ihm Hindernisse in den Weg legen. Die Segnungen des Sabbats waren nie kostbarer, als seit die Bedürfnisse einer vorwärts hastenden Existenz uns seines friedsamen Einflusses berauben. 6. Dieser Segen kann nur durch den Sabbat bewirkt werden. Weder der christliche Ruhetag, noch der bürgerliche wöchentliche Ruhetag enthält die Ideen, oder befriedigt die Bedürfnisse, denen der Sabbat entspricht. 7. Der Sabbat, eine der ursprünglichsten und charakteristischsten Schöpfungen des Judentums, kann nicht der Vernachlässigung anheim fallen, die ihn bedroht, ohne daß die bewährte Lebenskraft des Judentums dadurch ernstlich gefährdet würde. Das Judentum ist und bleibt unzertrennlich mit der Institution des Sabbats verbunden. II. Praktische Maßnahmen. Es ist 1. in Vorträgen und Schriften auf die Notwendigkeit wirklicher Ruhe von der Arbeit, auf die Ermöglichung eines häuslichen Gottesdienstes und auf die Pflicht zu dringen, den Arbeitern, Beamten und Angestellten den Ruhetag zu gewähren; 2. vom Gesetz und von der Behörde das Recht zu erlangen, daß ein Abweichen vom Gesetz, das einen wöchentlichen Ruhetag vorsieht, denjenigen gestattet wird, die den Sabbat beobachten; 3. am Kampfe für die englische Woche mitzuarbeiten und, wenn die Bewegung Erfolg verspricht, am Kampfe für die fünftägige Woche, unter der Voraussetzung, daß auf die dann den Juden zugute kommende Zeit der Sabbat angerechnet werde; 4. die Gründung von Gesellschaften der Sabbatfreunde zu ermutigen, deren Ziel die Erziehung ihrer Mitglieder und Stellenvermittlung für diese ist; 5. die Gründung von beruflichen Gesellschaften der Sabbatbeobachter zu unterstützen; 6. von Gemeinden und jüdischen Institutionen zu verlangen, daß sie ihr Personal vorzugsweise aus Familien, die den Sabbat beobachten, zusammensetzen; 7. bei großen Gemeinden dahin zu wirken, daß sie ein Versammlungslokal zur Verfügung stellen für jüdische Arbeiter und andere, besonders an den Freitagabenden; 8. ein Druck auszuüben auf jüdische Anstalten (Schulen, Waisenhäuser), damit dort zur Erbauung und zur Erholung ihrer Schüler der Sabbat beobachtet werde. Eine andere Kommission hatte die Frage der Heranbildung von Religionslehrern zu prüfen, die in den Religionsschulen Unterricht zu erteilen haben und den Familien für Privatunterricht in Religion empfohlen werden können. Diese Kommission kam zu folgenden Beschlüssen: Die Kandidaten für die Religionslehrerprüfung sollen eine schriftliche Prüfung in Hebräisch und in Religion und Geschichte, und eine mündliche in Hebräisch, biblische und nachbiblische Geschichte, in Religionsgesetz und Gebräuchen ablegen. Außerdem haben die Kandidaten einen praktischen Probeunterricht zu geben, um ihre pädagogischen Fähigkeiten nachzuweisen. Etwa 40 Rabbiner und Oberrabbiner waren anwesend. Den Vorsitz führte H. A. Levy, Grand Kabbin de France, der die Feier mit einer Ansprache eröffnete. Aus einem Interview mit Dr. 7Nax Nordau. Nachdem sich die durch den „Sprachenstreit" heraufbeschworenen erregten Gemüter allerwärts gelegt haben, dürfte nachfolgende Meinungsäußerung Dr. Nordaus um so interessanter sein: ... Die sprachliche Frage, entgegnete Dr. Nordau, ist die verwickeltste. Nach meiner Ansicht ist die Sprache einer Nation mit der Nation selbst organisch verbunden. In dieser Hinsicht kann man weder etwas dekretieren noch wegnehmen. Die Versuche, eine Muttersprache zu unterdrücken, blieben regelmäßig erfolglos. Aber der größere Teil der jüdischen Nation hat eigentlich keine Sprache, und wenn man von einer Sprache reben kann, so ist dies der deutsch-jüdisch-polnische Jargon. Es gibt drei Eventualitäten einer jüdischen Zukunftssprache; es wird dies deutsch, französisch oder hebräisch sein. Für jede dieser drei Sprachen gibt es Argumente. In Zukunft, d. h. im eigenen Staat, werden wir die Pflicht haben, dafür Sorge zu tragen, daß man sich einerguten, ernsten Sprache bediene, denn der Jargon weist im Vergleich zu den westeuropäischen Sprachen gar zu viele Mängel auf. Aus diesem Wettbewerbe dreier Sprachen hat die deutsche Chancen des Sieges; die den Jargon Sprechenden hätten sich in diesem Falle nur der nichtdeutschen Wörter zu entledigen. Das Französische hat wiederum das für sich, daß diese Sprache sich eines gewissen Prestiges in der Welt erfreut, daß viele Juden diese Sprache beherrschen, und schließlich, weil im Orient im allgemeinen und besonders unter den orientalischen Juden die französische Sprache als eine höhere gilt. Die hebräische Sprache betrachte ich als reich und entwicklungsfähig. Ihre Zukunft ist also nicht ausgeschlossen. Die Rückkehr zum Hebräischen betrachte ich insofern als eine Reaktion, als zwischen b-cm Hebräischen und den westeuropäi-

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