Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 lltr. 25 Da» jüdische Statt. zurückgekehrt ist, ein vorzügliches Referat über „Das neue Palästina". Montag vormitag erstattete Dr. Zlocisti - Berlin sein Referat über die A s ch u s a h bewegung, ein zuerst von Amerika aus mit großem Erfolg unternommener Versuch der Ansiedelung kleiner und mittlerer Bauern in Palästina auf genossenschaftlicher Grundlage. Nach eingehender Debatte über die Palästinapropaganda beschloß der Delegiertentag die tatkräftige Förderung der Aschusahbewegung. Auch wurden für die Palästina-Land-Entwicklungs-Gesellschaft über 700 Aktien (14 000 Ji) gezeichnet. Der Deutsche Kaiser und der König von Sachsen sprachen telegraphisch ihren Dank für den dargebrachten Huldigungsgruß aus. Nach der F i n a n z d e b a t t e fanden Montag nachmittag die Wahlen statt, in der der bisherige Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Arthur Hantke-Berlin, wieder gewählt wurde. Der bekannte amerikanische Philanthrop und Förderer der zionistischen Pälastinabestrebungen, Nathan Straus, hatte dem Delegiertentag ein sehr beifällig aufgenommenes Begrüßungstelegramm geschickt. Das Friedrich-Louisenstift Bad Dürrheim. Dem soeben erschienenen schön ausgestatteten Bericht des Friedrich-Louisenstifts Bad Dürrheim entnehmen wird folgende interessante Stellen: Wenn wir heute Bericht über die Entwicklung des Hospizes für den Zeitraum von der Eröffnung, Ende Juli 1912, bis zum Ende des Jahres 1913 erstatten, dürfen wir mit Genugtuung feststellen, daß die bisherigen Ergebnisse laut und vernehmlich für die Notwendigkeit dieser großen Anstalt auf der Höhe des Schwarzwaldes und für ihr außerordentlich segensreiches Wirken sprechen. Wir greisen an dieser Stelle nur einige Zahlen heraus: In der kurzen Berichtszeit haben über 500 Pfleglinge in der Anstalt Aufnahme gefunden, darunter viele mit mehrmonatiger, manche mit halbjähriger und längerer Kurdauer, so daß sich die Gesamtzahl der Verpflegungstage auf nicht weniger als 15 850 belief Während in den ersten fünf Monaten bis Ende 1912 die Zahl der a u ß e r b a d i s ch e n Pfleglinge ein Fünftel betrug, ist sie 1913 auf nahezu die Hälfte der Gesamtzahl angewachsen. Hierbei sind nicht nur ganz Deutschland und die Schweiz, sondern auch entferntere Länder beteiligt. Das erklärt sich leicht daraus, daß die Kinder, die einmal im Hospiz Aufenthalt nehmen durften, in oft rührender Anhänglichkeit an dasselbe so bald als möglich wiederzukommen trachten und daß die Eltern, die die Erfolge vor Augen sehen, die von Aerzten gewünschten Wiederholungskuren wenn immer möglich bewilligen und außerdem ihre Verwandten und Bekannten auf die neue Heil- und Erholungsstätte aufmerksam machen. Es ist klar, daß eine so umfangreiche Wohlfahrtsanstalt mit einem nicht bloß auf die Sommermonate und Ferienzeiten beschränkten Betrieb hohe finanzielle Aufwendungen erfordert und weitgehender Unterstützung der Menschenfreunde in der Nähe und Ferne bedarf. Diese zu organisieren, hat sich der Verein für dasFriedrich-Louisen-Hospiz (Abschnitt 6) zur Aufgabe gestellt. Wir sagen allen, die sich ihm auf den ersten Ruf angeschlossen haben, herzlichen Dank und wir glauben uns in der Erwartung nicht zu täuschen, daß eine immer steigende Anzahl von Glaubensgenossen, ungeachtet der vielfältigen sonstigen Anforderungen an die Wohltätigkeit, sich eine Ehre daraus machen wird, zum Wachsen und Gedeihen dieses umfassenden sozialen Unternehmens mitzuhelfen, das allen Familien, den b e - g ü t e r t ft e n wie den b e d ü r f t i g ste n, reichen Segen zu spenden berufen ist. ,f Beim Eintritt müssen die Aufzunehmenden durch ärztliche Bescheinigung Nachweisen, daß sie nicht aus Häusern kommen, in welchen in den letzten sechs Wochen vor der Abreise Infektionskrankheiten (Masern, Scharlach, Diphtherie, Keuchhusten usw.) waren, und daß sie in dieser Zeit auch sonst nicht mit derart erkrankten Personen in Berührung gekommen sind. Der Pensionspreis beträgt für Kinder Bemittelter 4 Ji, für Erwachsene 5 Ji täglich, vorbehaltlich Erhöhung in besonderen Fällen. Hierzu kommen für die erste ärztliche Untersuchung 5 JI, für vierwöchige ärztliche Kurbehandlung 5 Ji, sowie die Preise der Bäder (ein Solbad 60 Z, ein Kohlensäurebad 1 Ji, eine Inhalation 40 Z). Für gering Bemittelte und Bedürftige wird von der Verwaltungskommission in Karlsruhe Ermäßigung und nötigensalls vollständige Erlassung der Verpflegungskosten bewilligt. Die Zahl der Pfleglinge, die nach der Eröffnung Ende Juli 1912 bei vollbesetztem Hause 82 betrug, verminderte sich naturgemäß von Mitte September an bedeutend, stieg dann von Mitte Dezember bis Mitte Januar wieder an und betrug am Schluß des Winters Ende März 1913 noch 20. Während des Monats April wurde der Betrieb zum Zwecke der Hauptreinigung und wegen der Osterfeiertage ausgesetzt. Am 4. Mai wurde er mit 10 Pfleglingen wieder ausgenommen, und für Juli und August liefen die Anmeldungen so zahlreich ein, daß eine Steigerung der Belegunasfähigkeit angestrebt werden mußte. Durch Ausnutzung aller verfügbaren Räume gelang es, sie auf 95 zu erhöhen. In den folgenden Monaten des Jahres 1913 — September bis- Dezember — war die Belegung doppelt so hoch als in den gleichen Monaten des Vorjahres. Die Gesamtzahl der Pfleglinge von Ende Juli 1912 (Eröffnung der Anstalt) bis 31. Dezember 1912 betrug 149 (69 Knaben, 80 Mädchen und weibliche Erwachsene) mit 4396 Verpflegungstagen. Von den Pfleglingen waren 111 badische (105 Kinder, 6 Erwachsene), 38 außerbadische (28 Kinder, 10 Erwachsene). Unentgeltlich oder mit ermäßigtem Verpflegungssatz fanden von den badischen 37, von den außerbadischen 15 Aufnahme. Von den 38 außerbadischen waren aus Preußen 12, aus Bayern 6, aus Württemberg 1, aus Elsaß-Lothringen 13, aus der Schweiz 3, aus England 2, aus Rußland 1. Das Jahr 1913 brachte eine über Erwarten günstige Entwicklung. Die Zahl der Pfleglinge belief sich in den 11 Monaten vom 1. Januar bis Ende März und vom 1. Mai bis Ende Dezember auf 372 (167 Knaben, 205 Mädchen und weibliche Erwachsene) mit 11 454 Verpflegungstagen. Von den Pfleglingen waren 201 badische (179 Kinder, 22 Erwachsene), 171 außerbadische (163 Kinder, 8 Erwachsene). Unentgeltlich oder mit ermäßigtem Verpflegungssatz wurden von den badischen 68, von den außerbadischen 48 ausgenommen. Die Gesamtzahl der außerbadischen mit 171 verteilte sich auf folgende Staaten: Preußen 63 (davon 51 aus Frankfurt a. M.), Bayern 16, Sachsen 2, Württemberg 14, Hessen 9, Elsaß-Lothringen 31, Schweiz 21, England 2, Algier 2, Rußland 1. Auch für die ersten Monate des Jahres 1914 ist eine erheblich größere Belegschaft als im Vorjahre zu erwarten. Eine sehr große Zahl von Anmeldungen liegt.auch schon für den kommenden Sommer vor. Wer einmal in uyser^m Hospize war, bewahrt ihm eine treue, dankbare Anhänglichkeit und möchte gern wiederkommen. Dies in Verbindung mit der außerordentlichen Zufriedenheit der ärztlichen Kreise ist der schönste Dank für die nicht geringe Mühewaltung der Oberin und des Hausarztes, der