Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25. Das jüdische glatt 5 Wendung für diese. In vielen Kolonien sind von den beschäftigten Arbeitern nur 10% Juden. In letzter Zeit ist einige Besserung durch die Zuwanderung der Jemeniten eingetreten, die sich vortrefflich als landwirtschaftliche Arbeiter bewähren. Ihnen soll bald eine neuer Zug Jemeniten folgen, außerdem etwa 100 Arbeiter aus Salonik. Der Bezalel mache eine Krisis durch, die noch nicht ganz überwunden ist, da es schwer fällt, ihm ein Absatzgebiet für die dort hergestellten Waren zu sichern. Das Schulwerk, das durch den Sprachenstreit ins Leben gerufen wurde, habe die 210 000, die bis Ende Juni aufgebracht seien, für Einrichtungskosten und Budget der Schulen aufgebraucht. Die späteren Ausgaben müssen durch Jahresbeiträge aufgebracht werden. Der Plan einer Universität in Jerusalem werde weiter verfolgt und der Kultusfonds Kedem habe seine Tätigkeit begonnen. Es wurden die Resolutionen gefaßt, die dem Referat entsprachen. Für die Palaestina Land Development Company soll das neue Kapital geschafft werden, die Arbeiten zur Herstellung der Pläne für eine medizinische und andere in Betracht kommende Fakultäten in Jerusalem sollen fortgesetzt werden, für das neugegründete zionistische Schulwerk sollen Jahresbeiträge gesammelt werden, um deren Etat zu sichern. Die Emigralionskonferenz in Hamburg. Am 4. und 5. Juni haben einige russisch-jüdisch Gesellschaften für Auswanderer zusammen mit Vertretern der Schiffsgesellschaften eine Konferenz abgehalten zu dem Zwecke, die Härten, denen die Auswanderer begegnen, zu mildern. Merkwürdigerweise hat sich weder die „Jca" noch der „Deutsche Hilfsverein" daran beteiligt. Das „Fernbleiben" beider an der Auswandererhilfe beteiligten Gesellschaften wird damit begründet, daß unter den jetzigen Verhältnissen eine jüdische Konferenz über Auswandererfragen mehr schaden wie nützen kann. Die deutschen Schiffsgesellschaften, die vor kurzem noch uneinig waren, haben sich aufs neue zu einem Syndikat geeinigt. Zusammen eine Macht bildend, werden sie sich in ihre Kontrollstationen nichts hineinreden lassen, die sie für die Auswanderer an der Grenze unter dem wohlwollenden Schutze der deutschen Regierung unterhalten. Gerade diese Kontrollstationen aber bieten für die jüdischen Vereine, die sich mit Auswandererhilfe beschäftigen, ein Gegenstand schwerer berechtigter Klage und gerade in letzter Zeit ist die öffentliche Meinung in Deutschland infolge der in der Presse erfolgten Veröffentlichung über arge Mißbräuche, denen in den Kontrollstationen die Auswanderer ausgesetzt sind, erregt worden. Anstatt von den Schiffsgesellschaften einige kleine Vergünstigungen zu erhandeln, wie es die russisch-jüdischen Gesellschaften für Auswanderer tun, wäre vielmehr das Interesse auf das Ganze zu richten und von der deutschen Regierung eine wesentliche Aenderung ihrer Stellung zu den berüchtigten Kontrollstationen zu verlangen. Auch ist nicht außer acht zu lassen, daß die russische Regierung einen neuen Gesetzentwurf zur Regelung der Auswanderung in Vorbereitung hat. Dieser Entwurf verfolgt natürlich mehr den Schutz und die Förderung der wenigen noch schwachen russischen Schiffsgesellschaften, als das Interesse der Auswanderer selber. Aber eben dieser russische Plan läßt es der „Jca" z. B. nicht wünschenswert erscheinen, gerade jetzt mit den deutschen Schiffsgesellschaften in Verhandlungen einzutreten. Denn solche Verhandlungen könnten von den russischen Regierungskreisen leicht dahin gedeutet werden, daß die jüdischen Gesellschaften mit Absicht Mittel und Wege suchen, die russischen Schiffsgesellschaften zu meiden und dieser Verdacht könnte diese Kreise auf den Gedanken bringen, die Bestimmungen des Entwurfs, die die jüdische Auswanderung erschweren, noch mehr zu verschärfen. Uns will scheinen, daß so gut diese von den Gesellschaften vorgebrachten Gründe auch sein mögen, sie doch nicht ausreichen, unr zum Fernbleiben von der Konferenz zu berechtigen. Das Auswandererelend ist so groß, daß jede kleine Erleichterung von Wert ist. Eine gründliche Abhilfe gegen die Unmenschlichkeiten der Kontrollstationen wird so lange nicht eintreten, als die deutschen Schiffsgesellschaften unter dem Schutze der deutschen Regierung die Auswanderung in Händen haben. Bis zu einer gründlichen Abhilfe jede zu erlangende kleine Milderung vornehm von sich zu weisen, ist unter diesen Umständen bei der verzweifelten Lage in den Emigrationsländern nicht gestattet. Uebrigens würde jeder von den deutschen Schiffsgesellschasten erlangte Vorteil auch auf die russischen Schiffsgesellschaften und also auch auf die russische Regierung wirken und auch diese anspornen, den jüdischen Auswanderern gleiche Vorteile zu gewähren. Es ist daher unangebracht, die armen Auswanderer auf bessere Zeiten zu vertrösten. Delegicrtenlag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Leipzig. Am 14. Juni wurde im Krystall-Palast in Anwesenheit von 120 Delegierten und mehr als 400 Gästen der 14. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland eröffnet. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Arthur Hantke, Berlin, erstattete einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung des Zionismus in Deutschland in den letzten zwei Jahren. Er besprach die Ereignisse im deutschen Zionismus seit bem 13. Telegiertentag in Posen, den Sprachenkampf, die Resolution des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gegen den Zionismus, die Gründung des „Reichsvereins der deutschen Juden" durch die Zionisten, den Protest gegen den Beilis-Prozeß, die Abwehr der Angriffe der Liberalen gegen das Wahlrecht der ausländischen Juden, die Schaffung des zionistischen Schulsystems in Palästina. Die Zahl der organisierten Zionisten stieg in Deutschland in der letzten Kongreßperiode von 7830 auf 9867. Die zionistische Presse Deutschlands verfügt über fünf Organe. Die Organisation ist in 450 Orten Deutschlands vertreten. Allgemeine Anerkennung in der Presse habe das im vergangenen Jahre herausgegebene Jüdische Gemeindejahrbuch gefunden. Die Sammlungen für den Jüdischen Nationalfonds überschritten im Jahre 1913 zum ersten Male die Summe von 100 000 c tl. Daneben wurden an das Zionistische Aktions-Komitee außer dem Schekel im Jahre 1912/13 12 000 -ll, im Jahre 1913/14 60 000cll bezahlt. Der Redner protestiert sodann gegen die Beschimpfungen, denen das Judentum in der Presse des Wandervogels ausgesetzt war, und spricht seine Empörung über die Versuche aus, den jüdischen Nationalgedanken zur Begründung ärgsten Radau-Antisemitismus heranzuziehen. Im Namen des Aktions-Komitees begrüßte Herr Dr. T f chl en o w den Delegiertentag. Die königlich-sächsischen Behörden hatten schriftliche Begrüßungen gesandt; der Rat der Stadt Leipzig lieh den Delegierten ein geschmackvoll ausgestattetes Werk über die Stadt Leipzig als Ehrengabe überreichen. An der Debatte beteiligte sich Rechtsanwalt Dr. K l e e-Berlin, Herr Kurt B l u m e n f e l d , Herr Dr. Franz Oppenheimer u. andere. Nach lebhafter Debatte wurde der Leitung fast einstimmig das Vertrauen votiert. In der Abendsitzung erstattete Herr Leo M o tz k i n, der soeben von einer mehrwöchigen Inspektionsreise nach Palästina