Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Das jüdische Klatt. Nr. 25 Wir verstehen also, so schließt dieser so vornehm gehaltene Artikel, die großen Schwierigkeiten und die wirkliche Gefahr die die Judenemanzipation in Rußland mit sich bringen würde, aber wir müssen doch gleichzeitig unser Bedauern über den bornierten Geist der Reaktion aussprechen, der die Politik Maklakows (des Ministers des Innern) und die der nationalistischen Parteien beherrscht. Also wieder diese infame Unterscheidung zwischen reichen und armen Juden, Gerechtigkeit gegen die Reichen, Bedrückung und Verleumdung der Armen, das soll der Schluß der Weisheit sein! Htörnische oder russische Universität. Die russische Prozentnorm, die die große Masse russischer Studierender von der Universität in Rußland ausschließt, hat die jüdischen Studenten Rußlands gezwungen, an den ausländischen Universitäten ihre Studien zu machen. Da infolge der immer enger angezogenen Prozentschrauben ihre Zahl an den russischen Universitäten immer mehr beschränkt wurde, wurde ihr Zudrang an den deutschen Universitäten immer größer. Das hat sowohl in Deutschland als in der Schweiz zu Maßnahmen der Behörden geführt, die wieder fast allein für die jüdischen russischen Studenten den Besuch der deutschen und schweizerischen Universitäten sehr einschränken, oder gar unmöglich machen. Dadurch ist die Frage der Gründung einer eigenen Universität für die jüdischen russischen Studenten zu einer Lebensfrage geworden. Der letzte Zionistenkongreß in Wien hat denn auch beschlossen, eine hebräische Universität in Jerusalem zu gründen. Dieser Plan wird von dem Zionistischen Aktionskomitee seither eifrig verfolgt. Run ist aber diesem zionistischen Plane eine Konkurrenz entstanden in dem Projekt, eine russische Universität im Ausland zu gründen. Bei diesem Projekt arbeiten auch hervorragende nichtjüdische Gelehrte Rußlands mit, die mit den behördlichen Bevormundungen, den Rechtsbeschränkungen des akademischen Lebens und der Begrenzung der Lehrfreiheit in Rußland unzufrieden sind. Ta aber für die jüdischen Kreise diese Bildungsnot am größten ist, ist es natürlich, daß auch bei diesem Projekt fast ausschließlich Juden beteiligt sind. Namentlich hat der einzige frühere Richter Rußlands, der pensionierte Kreisrichter Teitel, sich für diese Idee der Gründung einer russischen Universität im Ausland, man hat dabei vorzugsweise an Bern zu denken, eingesetzt, er hat sich, wie man hört, die Mithilfe von dem großen Finanzier Jakob Schiff in New-Pork, von Dr. Nathan und anderen gesichert. Auch hat der bekannte Moskauer Philantrop Schachow eine große Summe zugesichert. So stehen sich die zwei Pläne gegenüber, der zionistische Plan der hebräischen Universität in Jerusalem und der andere, der Gründung einer russischen Universität im Auslande, sagen wir in Bern. Obgleich diese letztere hauptsächlich jüdischen Studenten dienen wird, weil an ihrer Herbeiführung auch nichtjüdische russische Kreise beteiligt sein werden, muß sie schon aus dem Grunde die Formen einer russischen Universität annehmen. Es ist wohl begreiflich, daß die national gesinnten jüdischen Studenten sich gegen den Plan einer russischen ablehnend verhalten, da eine solche ihren nationalen Bestrebungen nicht förderlich sein wird. Andererseits ist es auch zu verstehen, daß ein großer Teil der Studierenden glaubt, daß eine Universität in Westeuropa den Bedürfnissen des praktischen Lebens besser entsprechen wird als eine hebräische Universität in Jerusalem. Als das Beste und Verständigste erschiene es daher von vornherein, daß sich die beiden Lager friedlich scheiden und daß die einen ihre Kräfte auf ihre russische Universität in Bern verwenden und die anderen für sich besonders ihrem Ziele zustreben, in Jerusalem eine hebräische Universität zu errichten. Die Zukunft würde dann zeigen, welches Projekt mehr Wirklichkeitswert hat. Man scheint aber versucht zu haben, beide Strömungen in der Universitätsfrage zu vereinigen. Es hat vorige Woche eine Konferenz jüdischer Studenten über diese Frage in Bern stattgefunden, bei welcher beide Richtungen vertreten waren. Wie zu erwarten war, sind gleich bei Beginn der Verhandlungen die Gegensätze aufeinander geplatzt. Die national gesinnten Studenten widersetzten sich dem Projekt einer russischen Universität lind hielten eine Protestversammlung ab. Die anderen setzten ihre Beratungen fort, ohne zu positiven Beschlüssen zu gelangen. Die Lage bleibt nach wie vor die: daß gleichzeitig zwei jüdische Universitäten auf der Tagesordnung stehen, eine russisch-jüdische in Westeuropa und eine hebräische in Jerusalem. Aus aller Wett. Deutschland. Aus der Agudas-Jsroel-Bervegung. In Alsfeld bildete sich auf Anregung des H. Rabbiners Dr. Hirschfeld und unter Leitung des H. Lehrers Kohn ein Ausschuß zur Vorbereitung einer Propagandaversammlung, die zur Gründung einer aus den Gemeinden Angenrod, Kirtorf, Obergleen und Romrod bestehenden Ortsgruppe führen wird. Die Versammlung soll am 28. Juni stattfinden. In Hanau fand eine Propagandaversammlung unter Leitung des H. Rabbiners Dr. Bamberger-Hanau und Direktor Dr. Lange-Frankfurt statt. Die dortige Mädchengruppe wird allwöchentliche Kurse über die Sidra, die Tephilla und für Handarbeit einrichten. Zur Ortsgruppe meldeten sich 60 Mitglieder. In Zürich veranstaltete die Ortsgruppe eine Versammlung zum Zwecke, dem provisorischen Komitee eine Reihe von Vorschlägen für die praktische Arbeit zu unterbreiten. In Lemberg findet am 28. Juni der erste Delegiertentag der galizischen Landesorganisation statt. In Sedzischow wurde die Gründung einer Ortsgruppe vorbereitet, ebenso in B i e t s ch. In Leeds bereitete die Ortsgruppe die Wahl eines Delegierten zur Kenesio vor. In B o st o n - Mass. gewann eine Massenversammlung der Aguda viele neue Mitglieder. Sitzung des Großen Zionistischen Aktionskomitees. Am 7. und 8. Juni fand in Berlin die Sitzung des Großen Zionistischen Aktionskomitees in Berlin statt. Herr Professor Marburg eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Ansprache. Darauf erstattete Herr Dr. Tfchlenow-Moskau den Bericht des Engeren Aktionskomitees, auf den eine eingehende Diskussion folgte. Der Referent besprach zunächst die Notwendigkeit, das Kapital der Palaestina Land Development Company zu erhöhen und dafür im Laufe des Jahres eine Million Franks aufzubringen. Die B o d e n k ä u f e versprächen sich zu mehren. Mehrere Privatleute seien mit dem besten Willen nach Palästina gekommen, dort Boden anzukaufen, und der Achusagedanke mache nicht nur in Amerika, sondern auch in Rußland und England Fortschritte. (Achusa ist eine Gesellschaft, deren Mitglieder kleine Teilzahlungen leisten, mit deren Ergebnis Land in Palästina angekauft wird, das einstweilen von Arbeitern bewirtschaftet wird, bis die Eigentümer es selbst übernehmen.) Schwierigkeiten mache die Arbeiterfrage. Es fehlt an jüdischen Arbeitern und auch an Der-