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Das jüdische Blatt · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Das jüdische Klatt. Nr. 24 seinem Repertoir — für nur 10 Centimes. Seine Anwesenheit in Paris trägt ihm aber heute 3000 Franks ein, denn diese Summe erhält er für seine Beteiligung an der Einweihung der Synagoge. Man nennt Sirota häufig einen zweiten Caruso. Sein immerwährendes Fuchteln mit dem Taschentuch, die häufige Anwendung der Stimmgabel und das stete Räuspern müßte er sich auf den „Brettern" doch wohl erst abgewöhnen. Sirotas Organ ist zweifelsohne und besonders in der mittleren Lage äußerst wohlklingend, im übrigen wird die „phänomenale" Wirkung durch sog. Schluß-Knalleffekte hervorgerufen und Sirota ersetzt die Kunst durch „Gekünsteltes". Doch zurück zur Einweihung. Die Synagoge wurde am Sonntag Nachmittag von dem Präsidenten Herrn Landau mittels eines wunderbaren Schlüssels geöffnet, ein Recht, das sich Herr Landau für 5000 Franks käuflich erwarb. Voran trat Herr Rabbiner Herzog, mit der Sefer Thora in der Hand, das * ‘ singend, ihm folget! die übrigen Sefer-Thoras, mit welchen ein siebenmaliger Umzug veranstaltet wird und die dann in den Oron Hakodesch gestellt werden, welchen ein von Herrn Landau ebenfalls gestiftetes mächtig großes „Poroches" schmückt. Die Synagoge ist sehr hell und anmutig, die elektrische Beleuchtung wirkt wohltuuend, man steht Mann an Mann, Frau an Frau, wohl einige Tausend Festteilnehmer, draußen stehen noch Hunderte, welche keinen Einlaß mehr finden können, Polizei sorgt für die Ordnung. Nachdem Gesänge in allen Tonarten miteinander wechselten, bestieg der Präsident den Almemor und dankte tief bewegt, mit erhobenen Armen, dem Schöpfer für die Vollendung des Werkes, und allen, die es an Geld und Mühe nicht fehlen ließen. Die Reihe ist an Herrn Rabbiner Herzog, dem Meister der Er gibt eine weite Auseinandersetzung über die Pflicht der l^nnEf, betont, daß heute die erste fromme, neuerbaute Synagoge in Paris eröffnet wird, daß hier tagtäglich dem Talmud-Thora ein weites Feld eingeräumt wird, jeder habe freien Eintritt und alle sollen kommen, nicht nur ein guter Franzose, auch treuer Jude muß man sein, und kein Haar breit soll hier von unseren alten Traditionen gewichen werden. Verschiedene Herren der „nie endet", vor allem Herr Rabbiner Weihkopf beehrte die Festlichkeit mit seiner Anwesenheit. Doch manche Herren, deren Herz und Mund von „A g u - d o h" überfließt, bemerkte ich nicht. Nennen jene das „Verbrüderung", welche der „Aguda" conditio sine qua non sein soll? — Der Abend brachte uns im Palais des fetes ein großes Bankett. Für einige hundert Franks Fische wurden verzehrt, — und diese wollten doch auch schwimmen-! Es war herzerquickend, da zu sehen, wie bei ein paar hundert Gedecken kein Rangesunterschied vorherrschte; hautevolee und . gewöhnliche Sterbliche saßen untereinander, ein wahres ft™. Dazu einige Zahlen: der Bau der Synagoge dürfte sich auf 350 000 Franks belaufen. Ein Herr Brenner garantierte für 40 000, 8 weitere Leute verpflichteten sich zusammen für 100 000. Der Rest muß an Spenden aufgebracht werden. Die Opferfreudigkeit, an welcher sich unsere deutsch-französische ein Beispiel nehmen sollten, ist ungemein groß, die Einweihungstage ergaben an Aufrufspenden, freiwilligen Gaben usw. etwa 17 000 Franks. Vorige Woche stiftete Herr Alexander C i t r o n ein hübsches, großes Sefer, das von drei russischen Rabbinern geschrieben wurde. Die Mischeberachspenden anläßlich des Schreibens der Schlußverse in der Synagoge flössen ebenfalls reichlich. Es arbeitet eben alles zusammen. Und ein 5YQ? das seinesgleichen sucht, hat sich soeben der rührige Rabbiner Herzog erworben. Bekanntlich hat Baris kein jüdisches pyiDpri F^O. Was die Pariser Judenheit mit den großen Mitteln von unten bis hinauf zu Baron Rothschild, alle die Liberalen und Frommen, die Deutschen und Franzosen nicht fertig brachten oder nicht machen wollten, das hat Rabbiner Herzog, seit 2K Jahren in Paris, zustande gebracht. Bescheiden und -)FD3 arbeitete Herzog monatelang, und es ist ihm gelungen, Paris einen jüdischen Begräbnisplatz zu präsentieren. ' Wer, wie ich, weiß, was das für Mühe usw. kostete, welche Mittel und Wege angewendet wurden, der muß Rabbiner Herzogs Tat als eine „Leistung" bezeichnen. Es führt an dieser Stelle zu weit, aber ein besonderer Artikel soll darüber Aufschluß geben. Nun, man hat gegen Herrn Rabbiner Herzog schon den Vorwurf erhoben, daß er sich nicht der „Agudas Israel" anschloß. In einer jüngsten Unterredung mit ihm hüllte ich mich mal in den Pelz eines Agudisten — was mir nicht leicht fiel — und interviewte ihn diesbezüglich. Herr Herzog sagte mir etwa folgendes: „Wir Pariser brauchen nicht für die Jüdischkeit in Warschau, Wilna, Frankfurt und Halberstadt zu sorgen, es heißt: ^np bn ijni lrvo ijni njn -eoi. Ich kam vor VA Jahren von England nach Paris. Die allerwichtigsten Institution im fehlte, von der ntDYl^ konnte ich nicht essen usw.; sofort wandte ich mich an die maßgebenden Faktoren zur Mitarbeit, doch niemand half mir. Also sorgte ich für ein F1"Dpn F^D, richtete eine gute FftTlüy ein, baute mir jetzt eine Synagoge, und nun kommt unsere Schule für die Jugend. Wenn unsere Wünsche bezüglich der Aufsicht der nip£ des Konsistoriums nicht gehört werden, müssen wir auch noch eine;pip£> bauen; erst dann bin ich so weit, um Zeit für eine „Agudas Israel" zu haben." Damit soll, auf das Ganze gehend, ein Punkt besonders betont werden, der uns so hoch hinauf schauen läßt zu unseren hiesigen östlichen Glaubensbrüdern, daß nämlich die Opferfreudigkeit, der gute Wille, vieles fertig bringt. Es ist doch nicht ganz ohne mit dem französischen Wörtchen: vouloir c’est pouvoir, und es ist bemerkenswert, daß, wie in unserem Falle, es gerade Nicht franzosen sind, die uns die Bestätigung liefern. Der Talmud ermuntert uns aber auch in diesem Bestreben, wenn er-uns sagt: ^^>2 m nSH D1XB pTD F1DD) Felix Wertheimer. Rußland. Fürst Meslerski über die Judenverfolgungen. Einer der wenigen antisemitischen Konservativen in Rußland, die sich in der pathologisch gewordenen, nationalistischen Verhetzung ein unabhängiges Urteil gewahrt haben, ist der Fürst Mesterski, ein Vertrauter des Zaren und Inhaber des „Grasdanin", eines konservativen Organs. Vorige Woche hat er einen Artikel darüber veröffentlicht, daß der Staatsanwalt im Beilis-Prozeß, Wipper, gesagt hat: Die Schides (Schimpfname für Juden) werden Rußland umbringen. Der nationalistische Haß, schreibt Fürst Mesterski. benebelt den Geist und raubt die Fähigkeit, zu denken. Daher ist zwischen dem Neurastheniker Golubew und dem Staatsanwalt Wipper vom Justizministerium kein Unterschied mehr. Der Staatsanwalt ruft leidenschaftlich aus: Die Schides werden Rußland umbringen, und der Neurastheniker Golubew hetzt: Tod den Schides. Es muß sich auch logisch die Entwickelung ergeben: So gut der Staatsanwalt schreit: Die Schides werden Rußland umbringen, ebensogut darf jeder beliebige Golubew schreien: Tod den Schides, es lebe Rußland! Weiter sagt er noch: Wenn ein Staatsanwalt in seiner Anklage sagen darf, die Schides werden Rußland umbringen, wenn

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