Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Date
- 1914-06-05
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23. Das jüdische Klatl. 11 ihren Untergang an, und in der gleichen Weise trifft er auch ein. Hätte Moscheh wagen können, seine Sendung auf die Probe zu stellen, wäre er nicht überzeugt gewesen, daß Gott ihm, als sein Sendherr, seine Worte bestätigen werde? Es ließen sich ja die Beispiele noch vermehren, aber der Rahmen eines Vortrages legt uns Einschränkung auf. M. v. Z.! Es dürften wohl diese genügen, den Unbefangenen zu überzeugen, daß der göttliche Ursprung der Thorah nicht nur ein Grunddogma unserer heiligen bildet, sondern auch durch die Form und Konstrukion, das Wesen und der Inhalt des Gesetzes selbst logisch als bewiesen gelten darf. Aus dem göttlichen Ursprung folgt aber arrch die ewige, unabänderliche Verbindlichkeit, und ein „Judentum", das mit noch so geistreichen Phrasen sich irgend ein anderes Zentrum schaffen würde, als das Sinaigesetz, und sollte es auf sozialem und humanem Gebiete noch so viel wirken, es wäre aber auch kein Judentum. Lassen wir uns daher nicht beixren von der Kritik- und Nörgelsucht thorahfeindlicher Kreise, die nur aus dem Bestreben, die Bibel zu entkräften, und sich von deren Autorität loszusagen, ihren Ursprung nimmt, und mit einem Gleichnis illustriert werde: Ein Dorfkrämer kam einst in eine Stadt, um seine Einkäufe in Kolonialwaren zu besorgen. Man legte ihm alle Sorten von Waren vor, aber der Krämer behauptete, es hafte denselben ein unangenehmes Aroma an. Man zeigte ihm die feinsten Qualitäten, die nur auf. Lager waren, aber der Krämer blieb bei seiner Behauptung. Als er nun in ein anderes Hauptgeschäft kam, wiederholte er das gleiche Vorgehen; doch der Inhaber, ein kluger Mann, kam bald auf die Lösung des Rätsels und sprach zu dem Fremden: „Mein lieber Freund, meine Ware ist gut und einwandfrei und kommt selbst auf Hoftafeln, aber Sie kommen von Ihrem Dorfkram her, wo Sie täglich mit unangenehm riechenden Dingen umgehen, mit Oel, Petroleum u. dgl., Ihre Hände, Ihre Kleider sind von dem Geruch durchdrungen, und so glauben Sie, dieses Aroma an meiner Ware entdeckt zu haben. Reinigen Sie einmal Ihre Hände und Kleider, so werden Sie sich von der Vorzüglichkeit meiner Ware überzeugen!" So ergeht es auch den Thoragegnern, die mit unreinen Händen, durch die Brille des Unglaubens und der Zweifelsucht die heiligen Quellen betrachten, und deshalb glauben, Fehlerhaftes zu entdecken. Gehen wir aber mit reinen Händen und vorurteilsfreiem Sinn an dieselben, dann werden wir den kostbaren Inhalt und den Ewigkeitswert unserer miP erkennen. Machen wir uns den gestern gelesenen Satz H zum Prinzip: „H POTS" einen Altar von Steinen uns zu machen, nach festen, dem Steine gleich unwandelbaren Grundsätzen unser Leben durch das Thaurogesetz zu regeln, „nicht Eisen gegen den Altar zu schwingen", nicht die Axt der Kritik gegen das Heiligtum zu erheben, nur dann werden wir den Geist des überlieferten Judentums richtig erfaßt haben, und stets neue Kraft schöpfen, wahrhaft jüdisches Wissen zu verbreiten, jüdische Gesinnung zu betätigen, jüdische Lebensauffassung zu fördern, wie es die Pflicht jedes Juden ist, wie es die Tendenz unseres Verbandes stets war und bleiben soll! ') nrr Mutter und Soliu. Die Geschichte einer Ehe. — Äon Caroline Deutsch Weiß. Es kam noch eins hinzu, das bei der jungen Frau jedes weichere, jedes Dankbarkeitsgefühl gegen die Schwiegermutter nicht aufkommen ließ: Eifersucht mischte sich ins Spiel, jene Giftpflanze, die den Gesunden um sich her die Nahrung entgeht und die zugleich alle Daseinsbedingungen so reichlich in sich selber trägt, daß -sie auf dem magersten Boden gedeiht . . . Regi fühlte sich, nachdem die ersten Flitterwochen vorüber waren, nur zu bald benachteiligt und zurückgedrängt. Sie hatte geglaubt, diese Liebesausbrüche, die Zärtlichkeitsausdrücke würden immer währen, statt dessen verschlang sie der Alltag mit seiner Arbeit, mit seinen Pflichten, die. vom frühen Morgen bis zum späten Abend die Menschen so zu sagen, in Ketten legten. Mit dem Bewußtsein des Besitzes lag überhaupt hinter Josef diese süß-selige Zeit, dieses Berauschende, über die Schranken Hinausstürmende. Seine ruhige, stille Natur kehrte, nachdem das Fieber, das ihn so wild geschüttelt hatte, vorüber war, in ihre gewohnten Bahnen zurück. Es fiel ihm nicht ein, sich Gedanken darüber zu machen, wie es ihm nicht einfiel, daran zu denken, ob feine junge Frau mit der Abkühlung der ehelichen Atmosphäre einverstanden sein, ob sie nicht dadurch etwas entbehren würde. . . . Anders aber gestaltete sich sein Verhältnis zur Mutter. Seine achtungsvolle Zärtlichkeit verstärkte sich, und er konnte sich an Liebesbeweisen nicht genug tun. Er war ihr dankbar für das Opfer, das sie seinem Glücke gebracht hatte, und sein Herz floh über vor Mitleid, wenn er die große, früher so kräftige Frau etwas gebeugt und schwerfällig einhergehen sah, in den Zügen die Spuren inneren Leidens. . . . Versammelte man sich zu den Mahlzeiten, durfte keiner Platz nehmen, durste nichts gerückt und gerührt werden, bis die Mutter den Hauptsitz eingenommen. Die besten Stücke suchte er für sie aus und legte sie ihr vor. Er umgab sie mit der innigsten Sorgfalt, mit einer fast ritterlichen Aufmerksamkeit, die etwas Rührendes hatte. Regi sah diesem allen zuerst mit bestürztem, dann mit verdrossenem Ausdruck zu. „So krank ist sie doch nicht, daß er sie wie ein kleines Kind behandelt und dabei vergißt, daß er auch eine Frau hat", dachte sie wohl bitteren Aergers. YT. An einem schönen Sabbat-Nachmittage gingen sie durch die Straßen des Städtchens spazieren. Wie selbstverständlich legte Regi ihren Arm in den ihres Mannes; an seiner anderen Seite die Mutter. Josef machte sich von seiner Frau mit einer sanften Bewegung frei. „Das geht hier nicht, das würde auffallen", sagte er wie zur Erklärung. Regi trieb die Abweisung das Blut dunkel in die Wangen. „Aber . . . aber ... ich bin doch deine Frau! . . . Und in der Großstadt gehn ja Mann und Frau Arm in Arm," meinte sie tief gekränkt. „Wir sind nicht in der Großstadt, unb hier ist's nicht Sitte. Die Sache ist es nicht wert, daß man den Leuten Ursach' gibt zum Reden und sich über uns lustig zu machen," war seine Gegenrede. Aber seiner Mutter reichte er ja bald darauf den Arni, als sie über ihre Müdigkeit klagte, und er führte und stützte sie mit großer Sorgfalt. Regi konnte sich auf einmal in ihren Mann nicht zurechtfinden. In der großen Sache, als es sich uni ihren Besitz handelte, hatte er nach der Meinung der Welt nicht gefragt, und I bei solchen Geringfügigkeiten gab er auf das Urteil der Leute.