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Das jüdische Blatt · 1914-06-05 · 23 (5.6.1914) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
23 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Das jüdische Matt. Nr. 23 Minorität auf Kosten der Gemeinde.einen eigenen Gottesdienst zu schaffen. Da in den anderen Konfessionen ein Austritt aus der Parochialgenieinde ohne gleichzeitigen Austritt aus der Kirche nicht kennt, hat der Staat Sachsen die jüdische Religionsgemeinschaft in der gleichen Weise behandelt. Als unentbehrliche Kultuseinrichtungen sind lediglich Synagoge und Friedhof vermerkt. — Wir empfehlen diese Schrift, welche in allen ihren Teilen (vgl. noch insbesondere die Kapitel Religionsunterricht und Finanzrecht der Religionsgemeinde (Einschätzung!) objektiv ist, eindringlichst der Beachtung. Ueweise für den göttlichen Ursprung der Hßora?) Ähnlich läßt sich der göttliche Ursprung der Thorah aus den (5. B. M. 20, 5) gegebenen Kriegsgesetzen erweisen. „Vor Eröffnung einer Schlacht sollten die Beamten vor die Front treten und bekannt machen: Wer ein neues Haus erbaut und es noch nicht eingeweiht, einen Weinberg gepflanzt und dessen Frucht noch nicht genossen, mit einer Frau sich verlobt und sie noch nicht heimgeführt, der kehre nach Hause zurück, damit er nicht im Kriege sterbe und ein anderer sein Haus einweihe, seines Weinbergs Frucht genieße, seine Frau heimführe." Uitb schließlich riefen noch die Kriegsbeamten aus: „Wer sich fürchtet und verzagten Herzens ist, der kehre auch nach Hause zurück, damit er nicht seiner Brüder Herz gleich dem seinigen verzagt mache." Der Talmud gibt nun zwei Erklärungen für den letzteren Vers: 1. wer sich vor dem Kriegslärm fürchtet, 2. wer durch schuldbeladenes Gewissen nicht den Mut besitze, in den Kampf zu ziehen, denn das jüdische Heer sollte nicht eine Truppe kriegslustiger Abenteurer sein, sondern eine ausgewählte Schar tugendhafter Männer, die auf Grund ihrer Verdienste den Sieg erwarten dürften. Was wäre nun aus dem Heere, aus seinen ganzen Kriegsplänen geworden, wenn der größere Teil des Heeres aus obigen Gründen abgezogen wäre? Wer hätte denn Garantie geboten, daß überhaupt noch soviel Krieger zurückblieben, den geplanten Krieg auszuführen? Muß es auch als falsche Behauptung zurückgewiesen werden, wenn unsere Gegner dem jüdischen Stamme zuweilen Mangel an Kriegsmut vorwerfen, denn wer die Geschichte unparteiisch prüft, weiß es wohl, daß unsere Glaubensgenossen zu allen Zeiten und in allen Ländern ihr Blut willig auf dem Altar des Vaterlandes geopfert, aber daß bei der freien Erlaubnis zum Rückzug aus der Schlachtreihe doch viele davon Gebrauch gemacht hätten, wäre wohl, wie bei jedem anderen Volke, so auch beim jüdischen, nicht zu bestreiten. Kein Volk würde wohl ein solches Gesetz sich geben, und selbst die kriegsfeindlichste Partei wäre gegen eine solche Vorschrift, die ja die ganze Verteidigungsmöglichkeit illusorisch machen würde. Nur Gott, der die Möglichkeit besitzt, dem Volk auch mit der kleinsten Schar den Sieg zu verleihen, der oft gerade ein kleines Heer wünschte, um beim Volke nicht den Glauben auskommen zu lassen, seine strategische Macht habe ihm den Sieg verschafft,') nur □ allein kann der Schöpfer dieses Gesetzes fein. Sind die bisher angeführten Beispiele aus dem rein ge- *) Dieser Vortrag wurde auf der 4. in Stuttgart abgehaltenen Generalversammlung des Württemberger Landesverbands für die Interessen des gesetzestreuen Judentums von Herrn Rabbiner Dr. Ansbacher-Heilbronn gehalten. 0 So gegen Midjan 4. B. M 31, 4, unter Gideon Buch der Richter 7, 2 ff. setzlichen Teile unserer Thora gewählt, so mögen in folgendem aus dem historischen einige Belege für die göttliche Herkunft des Gesetzes erbracht werden. So z. B. ein an sich zwar trauriges Ereignis, vielleicht das tragischste Erlebnis aus der gesamten Geschichte unserer Väter, wir meinen jene Verirrung in der Anbetung des „goldenen Kalbes", die das Volk in seiner größten Schwäche, in dem krassesten Abfall von dem 40 Tage vorher vernommenen: rPiT ft1?“' &cr Grundlage des jüdischen Glaubens, zeigt, und die bekannte Katastrophe heraufbeschwor; aber bei all dem Schatten, der damit auf jene Generation fiel, wollen wir doch nicht verkennen, daß gerade darin der unwiderleglichste Beweis dafür liegt, daß der Monotheismus nicht, wie rationalistische Kritiker behaupten wollen, aus der Psyche des jüdischen Volkes oder aus dem Zeitgeiste hervorgegangen, sondern nur aus göttlicher Offenbarung entstanden sein könne. Ist es denkbar, daß ein Volk ein von ihm selbst geschaffenes Gesetz 40 Tage nach Proklamierung desselben in solch ostentativer, im tiefsten Grunde erschütternder Weise verletze? Niemals hat ein Volk ein von ihm selbst gemachtes Gesetz in solch krasser Form, kaum nach dem Entstehen, durchbrochen. So prägt dieses wohl an sich tief bedauerliche Ereignis den Fundamentalgesetzen der jüdischen Lehre den Stempel der Göttlichkeit auf. Und wenn wir später in gleicher Weise wahrnehmen, wie oft, wie leicht und rasch, das Volk zur Zeit der Richter und der Könige ganze Generationen hindurch, im Zehnstämmereich fast ununterbrochen, dem Götzendienste huldigte, so bestätigt dies nicht minder, daß die Lehre von der Einheit Gottes nicht aus dem Geiste des Volkes stamme, sondern höheren Ursprungs sein müsse, sonst hätte es nicht immer wieder, fast in seiner Totalität, dem Wahn der Vielgötterei verfallen können. Ein weiteres Beispiel aus der Geschichte, das als Beweis für die Gottesgesandtschaft Mosis diene, ist neben mancher anderen die Rede des Führers gegen den aufständigen Korach und feinen Anhang. Als der Sohn Jizhors an der Autorität des Brüderpaares zu rütteln begann, woraus der scharfe Blick Mosis bald den Ehrgeiz und die Gier nach einem höheren Amte erkannte, war die Antwort an die Empörers: „Morgen früh wird der Ewige zeigen, wer der Seine ist, wer der Heilige ist, den er sich nahen lasse"; und Moses forderte sie auf, am folgenden Tage Räucherwerk zu bringen, und der, dessen Opfer vom himmlischen Feuer ausgenommen werde, soll als der auserwählte Priester anerkannt werden. Wie nun aber, wenn keines der Opfergaben vom Feuer verzehrt, oder wenn dasjenige von einem der 250 Mann ausgenommen wäre? Hätte nicht der Sohn Amrams feine ganze Autorität, seine Ehre, Würde eingebüßt? Stellte er nicht seine ganze Person, seinen Namen, sein Amt aufs Spiel? Nur durch die Tatsache, daß er sich als Gottesgesandter ermächtigt fühlte, die Erwählung Arons zu erwarten, wie der Talmud es ausspricht „der Fromme spricht ein Wort aus und der Heilige, gelobt sei er, gibt seine Zustimmung" nur so erklärt sich das zuversichtliche Auftreten Moschehs. Und ebenso als die Empörer in ihrer Hartnäckigkeit verharren und Mofcheh ihnen die wohlverdiente Strafe ankündigt, spricht er2): Wenn so wie alle Menschen sterben, auch diese sterben werden, ... so hat mich Gott nicht gesandt; wenn aber Gott eine neue Schöpfung schaffen und die Erde ihren Mund öffnen wird . . . so sollt Ihr wissen, daß diese Männer Gott erzürnt haben." Ohne daß Moscheh irgend etwas über das Geschick, über die Todesart der Aufständigen mitgeteilt war, kündigt er ihnen tz 4. B. M. 16, 5. 2) jb. lg, 29, 30.

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