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Das jüdische Blatt · 1914-06-05 · 23 (5.6.1914) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
23 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Nr. 23 Da* Mische Matt. Kiew. 1. Juni. Das Schwurgericht sprach den Journalisten Alexander Jablonowsky frei, der von der durch den Beilisprozeß bekannten Vera Tscheberjak der Verleumdung durch die Presse angeklagt war. Jablonowsky hatte Im Jahre 1912 in einer Kiewer Zeitung ein Feuilleton veröffentlicht, in welchem er behauptete, daß der junge Jurschtschinski in der Wohnung der Tscheberjak getötet worden sei, die, um das Verbrechen zu verbergen, die Untersuchung in falsche Bahnen lenkte. 68 vom Beilisprozeß bekannte Zeugen erschienen vor Gericht. Der Prozeß Jablonowsky ist einer aus der langen Reihe von Prozessen, die Vera Tscheberjak gegen Journalisten wegen angeblicher Verleumdung anstrengte. §! Korrespondenzen. ii ] MM - Glsaß-Lotlrrtnaen. - Gemeinderatswahlen. Außer den bereits genannten Herren sind noch gewählt worden: Benfeld: Camille Salomon, Simon Loeb. Brumath: Sanitätsrat IM'. Ransohoff. Chnteau-Salins: D. Vorms. Delme: U. Daltrophe. Dieuze: L. Todrosse. Falkenberg: G. Loeb jun. Hellimer: G. Levy. Jnsmingen: Jos. Daniel. Kolbsheim: Gugenheim. Lauterburg: Lucien Kaufmann. Mörchingen: L. Lambert. Niederrödern: Henri Kaufmann. Romansweiler: Abr. Bauer. St. Ludwig: Elie Haas. Wörth a. S. Myrtil Scheuer. Forbach i. Lothr. Herr Leon Klauber beendete mit gutem Erfolge, am 15. Mai sein medizinisches Staatsexamen an der Universität Heidelberg und promovierte daselbst am 26. Mai zum Di', med. Alörchingen. In der Woche vor Schowuaus verlor die hiesige Gemeinde durch den Tod der 80jährigen Frau Wwe. E. Jacob wohl ihr ältestes Mitglied. Sie zeichnete sich durch das alte Zeinus aus, da sie ihr Haus als ihre Welt und eigentliches Wirkungsfeld betrachtete. Durch ihre Einfachheit und Herzensgute erwarb sie sich die allgemeine Achtung, von der der überaus große Leichenzug beredtes Zeugnis ablegte. Möge der Allgütige die Hinterbliebenen, Kinder, Enkel und Urenkel, trösten. TNuhig. Am ersten Tag Schevouot starb Frau Leopold Levy, die Frau unseres früheren Parneß, nach längerer schwerer Krankheit und wurde unter allgemeiner Teilnahme am Dienstag bestattet. Sie war eine gute und fromme Frau, die über 30 Jahre ihrem Gatten in Liebe und Treue an der Seite gestanden, und wird von ihm und seinen Kindern schwer beklagt. Romansweiler. Letzten Freitag wurde die im Alter von 77 Jahren verstorbene Ehefrau Julie Levy, geb. Weil! begraben. Eine fromme Frau. Ihr Ehemann war einige Tage krank, da pflegte sie ihn mit aufopfernder Liebe. Sie selbst bedurfte Schonung, achtete es aber nicht, bis sie selbst auf das Krankenbett mußte und 3 Tage darnach hinweggerafft wurde. Sie war beliebt bei jung und alt. Und wo es galt, Gaumel Chesed auszuüben bei Reich oder Arm, war sie dabei. Herr Dr. Starispolsky hielt die Trauerrede. Mögen die schwergeprüften Hinterbliebenen Trost finden. Sulz u. W. Herr Lehrer Samuel Bloch in Wolfisheim hat zum Andenken an seine in Dambach verstorbene Schwester Mathilde für die hiesige Synagoge ein schönes Thoramäntelchen gestiftet, das am Schowuaus zum erstenmal benützt wurde. Bayern. Bamberg. Eine ganz seltsame Notiz bringt das Hamburger Familienblatt, eine noch seltsamere der Fränkische Kurier. Ersteres teilt mit, daß in Aschbach ein Rabbinat gegründet wurde, nachdem der größere Teil des früheren Rabbinats Burgkunstadt sich anderen Rabbinaten angeschlossen hat. Das H. Fbl. schreibt, Aschbach würde 2400 Ji aufbringen, der Staat 870 Ji Zuschuß geben. Allen Respekt vor Aschbach; wenn eine Gemeinde solche Opfer bringt, um in ihrer Mitte einen Rabbiner zu besitzen, dann Hut ab. Wir kennen nur noch ein Beispiel dieser Art, das ist Randegg in Baden. Wenn aber das H. Fbl. schreibt, es gäbe im benach- - barten Mittelfranken kein orthodoxes Rabbinat, dann mögen sich die Herren Rabbiner in Ansbach und Schwabach baß verwundern. Das geht uns aber nichts an, uns Oberfranken. Mehr hat uns die Notiz des Fränkischen Kuriers in Erstaunen gesetzt, welche etwas lakonisch berichtet, es solle in Aschbach ein Rabbinat mit auswärtigem Rabbinatssitz begründet werden. Dürften wir den Fränkischem Kurier um nähere Aufklärung bitten. Nürnberg. An Stelle der durch zwingende Hindernisse wiederholt verschobenen Generalversammlung des „Vereins ist. Kantoren und der übrigen Kultusbeamten im Königreich Bayern", welche in Neumarkt i. Opf. tagen sollte, wurde am 21. Mai d. I., nachm. 2 Uhr, im Cafe Habsburg, dahier, eine verstärkte Verk waltungssitzung abgehalten und ausnahmsweise von jener abgej sehen. Der Verlaus dieser Zusammenkunft war sehr interessant und brachte reichliche Neuanregungen für die Projekte der Zukunft und bedeutsame Erinnerungen aus den verflossenen Arbeitswochen und -monden, so daß ein Werden und Bewegen zu konstatieren ist, das als ausgezeichnetes Prognostikon verzeichnet werden kann. „Daß die Wogen sich senken und heben, das eben ist des Meeres Leben." Der Vorstand, Herr Neufeld-Nürnberg, begrüßte die eingetroffenen Teilnehmer recht herzlich und erstattete dann den Tätigkeitsbericht des verflossenen Jahres, aus dem hervorging, daß die geleisteten Arbeiten sich in erster Hinsicht aus den Bau nach außen und innen erstreckten, eine spezielle Wirksamkeit im kleinen, die ja die Wiege des großen bedeutet. Die Hauptsache ist hiebei, daß auch nach oben die Einsicht und der Wille vorhanden ist, den Beamtenkategorien des jüd. Kultus, die bisher ungekannt und unbedacht blieben, sogar bei Austeilung von 2000 Ji p. a., wie dies an die Herren Rabbiner und Religionslehrer schon längst geschah, zu ihren materiellen und ideellen Rechten zu verhelfen, und der Weg wird sich anläßlich einer eventuellen Revision und Zentralkasseneinrichtung finden lassen. Man hat seitens des Staatsministeriums dem Landesvereine nahegelegt, die erwähnte Beitragsquote auch an die Kantoren und übrigen Kultusbeamten zu leisten, was bis jetzt aber noch nicht geschah und braucht das Gute ja bekanntlich ziemlich lange, wie das Sprichwort sagt. In gespannter Erwartung befindet sich nun eine Reihe von Beamten, ohne deren Dienstleistungen eine jüd. Gemeinde überhaupt nicht zu existieren vermag, wie jene der Schiluche dezibure und der Schochtim und hofft bestimmt, daß auch ihnen jene Rechte zuteil werden, die für jeden seine Pflicht vollbringenden Menschen als selbstverständlich gelten. Vielleicht kann auch das zu erwartende Gemeindebeamtengesetz gar mancherlei Abhilfe schaffen! Die Prüfung der Rechnung durch die Herren Schönberger und Holzmann-Fürth ergab die korrekte Führung,

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