Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 22 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Da» jüdische Blatt ö daß ein Gendarm in das Lokal des jüdischen Kaufmannes Pardo eindrang, weil dieser einige Minuten nach der vorgeschriebenen Sperrstunde sein Geschäft noch offen hatte. Der Gendarm begann sofort den Juden zu beschimpfen und, als dieser zunächst gegen diese Beschimpfungen protestierte, ihn tätlich zu insultieren. Nun ist aber Pardo ein äußerst kräftiger Mann, der die Insulten nicht ruhig hinnahm, und die Folge davon war, daß er schließlich überwältigt, arg verletzt, an Händen und Füßen gefesselt zur Polizei gebracht wurde, wo er allerdings nach kurzem Verhör wieder in Freiheit gesetzt wurde. Diese Ausschreitungen erklären sich am besten dadurch, daß die griechischen Zeitungen mit sehr geringen Ausnahmen unausgesetzt gegen die Juden hetzen und in letzterer Zeit diese judenfeindliche Stimmung auch in das befreundete Serbien zu übertragen suchen. So erschien kürzlich in der Belgrader „Politica" die aufsehenerregende Meldung aus Saloniki, daß dortselbst ein Komplott der Juden gegen Griechenland aufgedeckt worden sei. Die Juden, so heißt es in diesem verleumderischen Artikel, wollen von der Regierung in Athen kommerzielle Begünstigungen erpressen, die sie selbst unter der türkischen Herrschaft, also zu einer Zeit, da sie in Saloniki allmächtig waren, nicht besessen haben. Sie drohen für den Fall, daß ihre Wünsche nicht erfüllt werden sollten, Saloniki in Massen zu verlassen. Es wird auch behauptet, daß die Juden.alarmierende Nachrichten über die Losreißung des ägäischen Hafens von Griechenland und feine bewaffnete Eroberung durch feindliche Mächte verbreiten. Am gefährlichsten aber ist die niederträchtige Verleumdung, wonach es bekannt fei, daß zwischen den Juden in Saloniki und der Regierung in Sofia gegenwärtig geheime Verbindungen bestünden, Bulgarien sei bereits bereit, den Juden ganz besondere Privilegien einzuräumen, wenn sie Saloniki verließen und sich in Dedeagatsch niederließen. Man sieht hier klar, daß der Zweck solcher Berichte nichts anderes ist, als die Juden von Saloniki An die Mitglieds der Liga für die kleinen Hungrigen in fentfnlent. Liebe kleine Freunde! Bor allem danke ich Euch herzlich für Eure Hilfe, und weil ich es Euch ja versprochen'habe, komme ich heute, um wieder ein wenig mit Euch zu plaudern. Aber in den Kino nehme ich Euch diesmal nicht, denn wißt Ihr, heute bin ich gar nicht so fröhlich, ich muß immer an eine traurige Geschichte denken, und dann will man doch nicht zu einer Vorstellung gehn! Dennoch hätte ich Euch gerne etwas Lustiges erzählt, aber mir wollte gar nichts einfallen. Da bin ich in den Garten gegangen und habe gedacht: „Gut, ich frage die Bäume, vielleicht wollen die mir etwas sagen, das Euch lachen macht. Wir haben ganz viele Oelbäume in unserm Garten, zu denen ging ich zu oft und fragte: Wollt Ihr mir nicht eine lustige Geschichte erzählen, daß ich sie meinen kleinen Freundinnen nach Deutschland schicken kann? Aber die Oelbäume das sind gar ernste Gesellen, schon in der Bibel, zu Noahs Zeiten, wie Ihr ja wohl wißt, spielte der Oelbaum eine Rolle, denn ein Blatt von seinem Zweige war es, das die Taube zur Arche zurückbrachte, zum Zeichen, daß die Sintflut gesunken. — Und einmal hat er sogar eine Krone refüsiert, die ihm die andern Bäume anboten, er wollte lieber den Menschen dienen, als über die Pflanzen herrschen. (Das Buch Josua, Kap. IX, 8, 9.) Auch jetzt ist er sich seiner großen Nützlichkeit sehr bewußt. Seine grünen und braunen Oliven bilden einen der Hauptnahrungs-! zweige hier und im Sommer, wenn diese Bäume mit Staub bedeckt sind, sehen sie wirklich grau und ehrwürdig genug aus, deshalb antworteten sie mir auch ganz stolz: „Haben was Besseres vor den Griechen als Verräter und Verschwörer hinzustellen, um eventuelle Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Diese im Wege der serbischen Politiker lancierten Hetzberichte werden selbstredend von den griechischen Blättern reproduziert und dadurch eine Stimmung erzeugt, welche für die Juden von Saloniki täglich gefährlicher und unerträglicher wird. Wirtschaftliche Verfolgung. Von der Hetze in der Presse schreitet man zu positiven Maßregeln, um die Juden aus ihren Positionen zu vertreiben, die sie durch jahrhundertelange Arbeit erworben haben. In allen Städten werden, wo der Handel zum großen Teile in jüdischen Händen liegt, die Wochenmärkte auf den Sabbat verlegt, in der sicheren Annahme, daß die Juden, welche hier noch sehr religiös find, am Samstag keinen Handel treiben und dadurch ihre Kundschaft verlieren werden. Auf diese Weise sind die Juden von Floriana bereits vollständig ruiniert worden, da trotz aller möglichen Vorstellungen und Interventionen der Wochenmarkt auf den Sabbat verlegt bleibt. Die griechische Regierung läßt auch darüber keinen Zweifel aufkommen, daß sie die Auswanderung der Juden aus diesen Gebieten gerne sieht, und hat denselben auch für den Fall der Auswanderung die weitestgehenden Erleichterungen bei Beschaffung der Pässe usw. zugesichert. Botschafter Morgentau für die Auswanderung der Juden aus Saloniki. Der amerikanische Botschafter Henri Morgentau hat auf seiner Rückkehr aus Palästina in Adana einer jüdischen Deputation gegenüber erklärt, daß die Gegend von Adana für die Ansiedlung der Juden, welche jetzt gezwungen sind, aus Saloniki auszuwandern, sehr geeignet wäre. Er sei auch überzeugt, daß die türkische Regierung einem solchen Projekte das größte Wohlwollen entgegenzu tun!" Nicht weit davon standen einige Pnien. Da wandte ich mich an die mit meiner Bitte. Aber sie zuckten nur die Achseln und wurden ganz lang und spitz. Mandelbäume ganz voller zarter weißer Blütchen, die wissen sicher lustige Geschichten! Aber sie hatten gerade ein Gespräch mit einigen Vögelchen, die bei ihnen zu Gast waren, und lachten und schüttelten nur eine Menge wohlriechender, duftiger Blättchen auf mich herab. In der Ecke sah ich Kaktus wachsen, den wollte ich recht schön um eine lustige Geschichte bestürmen, und ich lief hin und streichelte ihn. Aber o weh, ist das ein stachliger Geselle! Mit seinen dicken, großen, starren, fleischigen Blättern kratzte er mich, daß mir die Hand blutete. Der Kaktus, der ist immer so kratzbürstig: wenn seine Früchte, die Kaktus-Feigen genannt werden, reif sind, muß man auch ganz behutsam zugreifen, wenn man sie abnehmen will, um sie zu essen, sonst tut's weh! Jetzt wollte ich noch einen Versuch machen, eine lustige Geschichte für Tuch zu hören — ein kleines Aprikosenbäumchen, seine Früchte nennt man hier „Mischmisch", jetzt war es ganz mit rosa Blütchen bedeckt das wird doch sicher lustiges zu sagen wissen aber als ich näher kam, sah ich, daß es mit der Luft spielte und gar keine Augen und Ohren für mich hatte. Da war ich des Fragens müde, und ich warf mich ins Gras — so lang und weich war es! —, und schloß die Angen. Und wie ich so dalag, da kitzelte mich ein langes, dünnes Gräschen an der Nase und wisperte mit einem ganz feinen Sümmchen: „Aber wenn du doch den ganzen Tag an die traurige Geschichte von dem kleinen Mädel denken mußt,' warum willst du denn deinen Freund- und Freundinchen die nicht erzählen? Ich bin sicher, sie werden nicht böse sein!" Und alle andern Gräser und Gräschen wiegten sich im Wind und rauschten und nickten. Und