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Das jüdische Blatt · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Nr. 22 Da» Mische Matt. bringen würde, ebenso daß die Juden in dieser Gegend mit Freuden ausgenommen würden, denn der türkische Jude habe sich als so wertvoll erwiesen, daß er überall einen Anwart findet. Botschafter Morgentau versprach schließlich, bei der türkischen Regierung in Konstantinopel diesen Plan aufs wärmste zu befürworten. .Hier sei auch bemerkt, daß mit Rücksicht auf die gänzliche Unhaltbarkeit der Lage der Juden in Saloniki sich im Schoße der P'nai B'rith- Loge in Konstantinopel ein Komitee einflußreicher jüdischer Persönlichkeiten gebildet hat, welches die Aufgabe übernahm, die Auswanderung der Juden aus Saloniki zu regulieren und die eventuell hierzu erforderlichen Mittel zu beschaffen. Auswanderung nach Spanien? Aus Saloniki wird uns geschrieben: Es gilt nunmehr als feststehend, daß im Jahre 1916 anläßlich des Cervantes-Jubiläums ein Kongreß der fephardischen Juden der ganzen Welt stattfinden wird. In hiesigen fephardischen Kreisen hegt man die feste Ueberzeugung, daß bis dahin die Rückwanderung fpaniolischer Juden nach Spanien bereits sehr weit fortgeschritten sein wird. Das führende spaniolische Tagblatt in Saloniki „El Liberal" widmet der Frage der Auswanderung nach Spanien in letzterer Zeit eingehende Besprechungen, und es ist symptomatisch für die Lage der Juden in Saloniki, daß das genannte Blatt nunmehr ganz offen für die Organisation der Rückwanderung der spanischen Juden in ihre alte Heimat und für eine systematische Vorbereitung dieser Aktion öffentlich Propaganda macht. Das Blatt verlangt von Spanien Lehrer der neuspanischen Sprache sowie Instruktoren weil mir denn das Gras es geraten hat, und weil ich an gar nichts anderes denken kann, so will ich's Euch denn sagen. Aber wer von euch traurige Geschichten nicht gern hat, oder Angst hat, nachts davon zu träumen, soll sich die Ohren zuhalten! ihr andern hört: Es war Schulanfang. Lauter neue Schülerinnen hatte die Lehrerin vor sich, nur ein paar bekannte Gesichtchen von solch kleinen Mädels, die zu faul gewesen, das letzte Jahr zu lernen (aber viele solcher gibt es hier nicht!) oder auch einige, die krank gewesen und deshalb längere Zeit die Schule nicht besuchen konnten. Ein kleines Mädel saß sehr niedergeschlagen da und deshalb sagte die Lehrerin zu ihr: „Macht nichts Reina, du warst ja das letzte Jahr so viel abwesend, jetzt wirst du schon tüchtig lernen." Da fing Reina bitterlich an zu weinen und sagte: „Mein Vater ist nach Amerika, weil er hier kein Geld verdiente, und Mutter ist krank, und das kleine Baby schreit und meine Augen tun mir weh und — und — ach, was soll ich tun?" Die Lehrerin tröstete sie, es würde schon besser werden. Aber am nächsten Tage kam Reina nicht zur Schule und am darauffolgenden auch nicht. Dann brachte ihre kleine Nachbarin die Nachricht: „Reinas Mutter ist gestorben." — Wieder vergingen einige Wochen, da eines Tages faß Reina wieder auf ihrem Platze. Bleich und schmutzig und elend (sonst war sie immer so nett und rein) mit entzündeten Augen: „Bitte Fräulein," sagte sie schluchzend und alles Weh lag in ihrem zitternden Sümmchen, „ich glaube, ich kann nicht mehr zur Schule kommen. — Vater weg — Mutter tot — ich die Aelteste — wer soll das Baby herumtragen — und meine Augen tun so weh — und wenn es regnet — ich — ich habe nicht einmal Schuhe." Arme kleine Reina! Begreift ihr nun, daß ich an keine lustige' Geschichtö denken konnte?"-- Aber ihr, ihr jungen Liga-Mitglieder, ihr habt schon dazu beigetragen, Reina und noch mancher ihrer kleinen Genossinnen etwas zu helfen, und nochmals rufe ich euch ein recht herzliches Danke! zu. Sara Bondi. über die ökonomischen und kulturellen Möglichkeiten daselbst. Bis jetzt haben gerade die fephardischen Kreise von Saloniki das Vorhandensein solcher Bestrebungen dementiert. Daß sie es jetzt nicht mehr tun, sondern im Gegenteile die Rückwanderung nach Spanien offen propagieren, ist ein untrüglicher Beweis dafür, daß sie die Ueberzeugung gewonnen haben, daß ihres Bleibens in Saloniki nicht mehr von langer Dauer sei. Letzte Woche hat König Alphons den in Madrid an der Universität angestellten Professor Jahuda in Audienz empfangen. Dabei interessierte sich der König sehr mit der Frage der Rückkehr der Juden nach Spanien. Auch hat die Gesellschaft Espano-Hebraea den König zum Ehrenmitglied ernannt und der König hat zugestimmt. — Es heißt auch, daß 1916 im Anschluß an das Cervantes-Jubiläum ein Kongreß der fephardischen Juden der ganzen Welt in Toledo staftfinden wird. Amerika. Die New Dörfer kehilla. Die New Porter Kehilla hielt vor 14 Tagen ihre 5. Jahresversammlung ab. Die New Porter Kehilla wurde vor 5 Jahren unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. Magnes gegründet. Sie umfaßt aber lange nicht die ganze JudenhM New Ports. Diese VA Millionen Menschen sind in etwa 3500 Organisationen zusammengeschlossen, von denen eine jede ihre besonderen Ziele und Aufgaben hat. Die New Porter Kehilla jedoch umfaßt nur 270 Organisationen, die sich zusammen zu einer Kehilla verbunden haben mit dem Zwecke der Erhaltung und Entwickelung des Judentums. „Unsere Kehilla", sagte der Präsident Dr. Magnes auf der diesjährigen Konferenz, „ist nicht orthodox und nicht reformerisch, nicht assimilatorisch und nicht radikal-national." Das heißt, die New Porter Kehilla ist dies alles und ist doch nicht in einem von diesen allen echt. Sie will orthodox sein, weil sie die religiösen Bedürfnisse der New Porter Juden zu befriedigen sucht, sie ist aber zugleich reformerisch, weil sie die Reform der sogenannten „deutschen" Juden unterstützt. Das find Gegensätze, die sich schwer vereinigen lassen. Das hat die Kehilla bereits an dem Mangel an Erfolg sehen können. Sie will die Oberaufsicht führen über Kaschrus, über die religiösen Lehranstalten, über die religiöse Erziehung im allgemeinen, aber ihre Tätigkeit befriedigt niemand recht. Die Radikalen brauchen keine Kaschrusveranstaltungen, und die Frommen wollen sich der Führung rasierter Reformrabbis nicht anvertrauen. Obgleich zu der Kehilla gehörig, haben die Thoratreuen nicht aufgehört gegen sie zu kämpfen und das Ende vom Lied war, daß kurz vor der Jahreskonferenz der Verband der orthodoxen Rabbiner aus der Kehilla ausgeschieden ist. Die Kehilla wollte sich mit der Erziehungsfrage befassen. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß von der Viertelmillion jüdischer Kinder New Porks noch nicht 50 000 jüdischen Religionsunterricht erhalten. Das Bildungskomitee der Kehilla wollte nun beginnen, Ordnung in die Schulen zu bringen. Es war aber von vornherein klar, daß die Wirksamkeit dieses Bildungskomitees an der Gegensätzlichkeit religiöser Ueberzeugung scheitern mußte. Wie können sich auch religiöse Reformer in die religiösen Angelegenheiten orthodox geführter Lehranstalten mischen wollen? Wie konnten die orthodoxen Gemeinden es dulden, daß die Reformer, sozial hochstehende Männer, die ihr Judentum verchristeln, die religiöse Leitung über sie haben sollen? So ist der schöne Gedanke Aner Neuyorker Kehilla auf religiöser Basis ein totgeborenes Kind. Vielleicht gelingt es, das schöne Ziel dadurch zu erreichen, daß man das ganze Gebilde auf einen rein sozialen Boden stellt. Die Erfahrungen, die in Europa gemacht worden sind, bleiben also auch Amerika nicht erspart. Das beweist auch eine andere

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