Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 21 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Nr. 21 Da» jüdische Matt. schließt. Am 3. Juni zwischen der Sitzung des Ausschusses und der Mitgliederversammlung findet unter der sachkundigen Führung des bekannten Herrn Prof. Dr. I. Hülsen-Frankfurt a. M. eine Besichtigung Alt-Frankfurts statt, bei welcher den jüdischen Altertümern besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Am 4. Juni vormittags erfolgt gemeinsame Fahrt der Teilnehmer der Versammlung nach Worms, wo sie von der Gemeinde und den städtischen Behörden empfangen werden. Die Gemeinde veranstaltet eine Führung durch die jüdischen Altertümer und eine Besichtigung des Friedhofes, auf dem bekanntlich eine Reihe bedeutender jüdischer Männer ruht, während die Stadt bei einem offiziellen Empfang im Rathause in einer besonderen Ausstellung die aus die Wormser Juden bezüglichen Urkunden vorführt. Berlin. Preisausschreiben. Das Dozentenkollegium des Rabbinerseminars zu Berlin versendet folgendes Rundschreiben: Im Jahre 1915 kommt ein von Herrn Kommerzienrat G. Marx- Königsberg gestifteter Preis von 300 Mark zur Verteilung für die beste Lösung der folgenden vom Dozentenkollegium des Rabbinerseminars zu Berlin gestellten Preisaufgabe: Arbeitergesetzgebung nach Bibel und Talmud. Die Arbeit soll das Verhältnis'des Arbeitgebers zum Arbeitnehmer, ihre Pflichten und Rechte mit besonderer Berücksichtigung derneueren national-ökonomischen Forschung und sozialen Gesetzgebung beleuchten. Dabei sind die diesbezüglichen Bibelstellen, die halachischen Midraschim, das talmudische Schrifttum, der Schulchan-Aruch und seine Quellen zu berücksichtigen. Der agadische Midrasch ist nur soweit in Betracht zu ziehen, als durch die Agada auf das ethisch-gesellschaftliche Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein anschauliches Licht fällt und die praktische Handhabung jener Gesetzgebung im Leben zur Darstellung kommt. Die Arbeiten sind, mit einem Motto versehen, bis zum 1. Oktober 1915 an den Rektor des Rabbinerseminars, Dr. D. Hoffmann, Berlin N. 24, Artilleriestrahe 31, einzureichen. Zugleich ist in einem mit dem gleichen Motto versehenen, verschlossenen Kuvert der Name des Verfassers anzugeben. Zur Bewerbung sind zugelassen: Die gegenwärtigen Hörer und die im Besitze einer Rabbinatsautorisation befindlichen früheren Schüler des Rabbinerseminars. Hamburg. R. Jsac Haloy ist in der Nacht zum vergangenen im Hamburger Krankenhause einem Herzleiden erlegen. In ihm betrauert die Familie und der erlesene Kreis Hamburger rnin ’ID, die sich in den 10 Jahren seines dortigen Wirkens um ihn geschart hatten, das treue und teure Oberhaupt, in ihm verliert aber die jüdische Gesamtheit eine der immer seltener werdenden hervorragenden Gestalten, die mit antikem Wissensreichtum Scharfsinn und Tatkraft verbinden und in den Dienst des zu stellen bereit sind, die jüdische Wissenschaft einen Pfadfinder, der mit genialem Blick längst eingebürgerte Jrrtümer als solche erkannt und über wichtige Partieen der jüdischen Geschichte in seinem leider der Vollendung harrenden Werke Dauraus Horischaunim neues Licht verbreitet hat. Die Beerdigung, die unter großer Anteilnahme aller Kreise des jüdischen Hamburg und einer Anzahl auswärtiger Rabbiner stattfand, legte Zeugnis ab von der großen Verehrung, die der Heimgegangene sich erworben hatte. Ein Nachruf unterblieb auf den Wunsch der Familie und nur diesem Wunsch wurde in einem kurzen Abschiedswort, das Herr Rosenheim-Frankfurt sprach, Ausdruck gegeben. Leipzig. Deutscher Zionistischer Parteitag 1914. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat ihren 14. Delegiertentag für den 14. und 15. Juni nach Leipzig in den Krystallpalast einberufen. Seit dem 13. Posener Delegiertentage im Jahre 1912 hat die Zionistische Vereinigung für Deutschland eine bedeutende Stärkung ihrer Organisation erfahren, und fast alle Organisationen der deutschen Juden waren gezwungen, -zum Zionismus Stellung zu nehmen. Die deutsche Organisation der Zionisten hat 122 Ortsgruppen in allen Gegenden des Deutschen Reiches mit insgesamt 10 234 Zionisten, außerdem 350 Vertrauensmänner in 187 Städten ohne Ortsgruppen, die mit dem Berliner Bureau der Z. V. f. D. in ständiger Korrespondenz stehen. Stuttgart, 16. Mai. In der heutigen Ausschußsitzung des deutschen Tierschutztages führte Direktor Klein eine Lichtbilderreihe über Schlachtviehtötung aus dem Schlachthofe in Lennep vor, die den Unterschied zwischen Schächtung und Tötung durch Schußapparate erläutern sollte. Ein Teil der Versammlung trat den Vorführungen durch Verteilung eines Flugblattes „Die Unmaßgebliche des Lenneper Films hinsichtlich der Bewertung des jüdisch-rituellen Schächtaktes" entgegen. Der Antrag, der Verband möge erwägen, wie der Tierschutzgedanke auf die breiten Volksschichten übertragen werden könne, erfuhr eine eingehende Besprechung, in der die Veranstaltung einer Ausstellung, öffentliche Volksversammlungen und Anstellung eines Tierschutzinspektors empfohlen wurde. Ueber die Art, wie der Lenneper Film hergestellt wurde, ist schon berichtet worden. Er bildet keine Reproduktion von wirklichen Schächtungen, sondern nur willkürliche Darstellungen. Frankreich. Das Wahlresullal. Bei den Stichwahlen am 10. Mai wurden noch 4 israelitische Abgeordnete gewählt, Jgnau (in Paris), Bokanowski (St. Denis), Jacques Stern (Castellane) und Lazare Weiller (AngoulOme). Joseph und Theodore Reinach, sowie Javal sind nicht wiedergewählt worden. Somit sind nebst den gleich bei der ersten Wahl gewählten 4 Abgeordneten Hesse, Klotz, Picard und Masse im ganzen 8 israelitische Abgeordnete für die neue Kammer gewählt. Mit den 3 israelitischen Senatoren P. Strauß, Fernand Crömieux und Ferdinand Dreyfus gibt es also jetzt 11 Israeliten im französischen Parlament. Bokanowski ist Advokat und der Sohn eines eingewanderten Russen. Sein Großvater hat an der Ecke der Rue du Temple und der Rue de Rivoli eine Bude, wo er Eis für ein Sou das Glas verkaufte. Sein Vater hatte schon ein glänzendes Geschäft in Toulon. Der gewählte Abgeordnete selbst ist als einer der tüchtigsten Advokaten von Paris bekannt. In seiner Person wird also das eingewanderte jüdische Element in der Kammer vertreten sein. Rußland. La verilö en marche? Wie wir bereits mitgeteilt haben, haben die Richter Fenenko und Iwanow in offener Gerichtssitzung während des Prozesses der Tschebriakowa gegen den Redakteur des „Kiewljaria", Tripanow, die von den echten Russen so verhätschelte Tschebriakowa bestimmt für eine Hehlerin und. ihre Behausung für ein Diebesnest erklärt, wo die berüchtigsten Verbrecher Sinkajewski, Rudsinski und Labichew verkehrten. Beide Richter haben die Tschebriakowa der Teilnahme am Morde des Justinsky bezichtigt. Jetzt veröffentlicht Burzew in „Ruskoje Slowa", daß die Aufdeckung der Wahrheit über die Ermordung Iustinskys unmittelbar bevorstehe. Der Detektiv Krassowski ist, wie bereits gemeldet, nach Amerika gefahren, um die Zeugin Adele Rawitfch, eine frühere Nachbarin der Tschebriakowa und Mithelferin bei vielen Verbrechen, aufzusuchen. Nach dem Diebstahl im Gewehrmagazin hat die Tschebriakowa, so berichtet Burzew, um der Bestrafung