Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 21 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Da» Mische Klatt. Nr. 21 auch klar gewesen. Im Kampf gegen den Rosinschen und Macholschen Gesetzentwurf, die eine Zentralkasse vorgesehen hatten, standen gerade gegen letztere alle Orthodoxen in Preußen eininütig zusammen. Desto betrübender ist, daß gerade wiederum das führende Organ der deutschen Iudenheit, das vielleicht 1905 und 1907 am lautesten gegen Zentralkasse protestierte, jetzt nicht den Mut findet, energisch von den Befürwortern der Zentralkasse abzurücken. 3. Die Revision soll die Austrittsmöglichkeit schaffen. Es ist hier nicht der Platz, über Austritt oder Nichtaustritt und seine Begründung vom standpunkt aus zu sprechen. Das ist Sache der Rabbiner. Hier soll nur praktisch darauf hingewiesen werden, daß seit Bestehen des Iudenedikts kein Fall von Gewissenszwang in Landgemeinden bekannt geworden ist. Daß umgekehrt ein Austrittsgesetz den Ruin zahlreicher Landgemeinden bedeuten würde, liegt auf der Hand. Der Angehörige der Landgemeinde X, der wegen der Höhe seiner Steuern mit der Kultusverwaltung Prozeß führt, wird — fo er nicht religiöses Wissen besitzt, ohne weiteres austreten, sich der benachbarten Grohgemeinde anschließen und statt 250 Mk. im Jahr 20 Mk. Steuer zahlen. Das klingt hart, erscheint aber dem Kenner der Verhältnisse als nicht ausgeschlossen. Ein Gewissenszwang, das sei zugegeben, mag in Großgemeinden vorhanden sein oder kommen können. Dagegen aber kann durch gesetzgeberische Maßnahmen ohne ein allgemeines Austrittsgesetz Vorsorge getroffen werden. Wir haben zwar noch viel auf dem Herzen, wollen aber für diesmal schließen. Das nächstemal wird der Herr Kritikus versuchen, an positiven Vorschlägen zu zeigen, daß eine Revision überflüssig und zwecklos ist. Bavarus. (Wenn wir auch nicht in allen Punkten mit unserem geschätzten Mitarbeiter übereinstimmen, hielten wir es doch als eine Pflicht der Objektivität, seinen Anschauungen Raum zu geben. Nach Abschluß seiner geschätzten Darstellungen werden wir sie eingehend besprechen. Red.) Aus der Agudas Jsroek-Wewegung. Die Agudas Israel in Ungarn. Zu der vom Präsidenten der orthodoxen Zentralkanzlei für Dienstag, 12. Mai einberufenen Konferenz der Zentralkommission sind von den 7 rabbinischen Mitgliedern (5 ordentliche und 2 Ersatzmänner) nur 3 erschienen und zwar die ehrwürdigen Oberrabbiner von Buda- - pest, Waitzen und Marmorosch-Spiget. Zahlreicher war die Beteiligung der nichtrabbinischen Mitglieder (10). Die Beratung dauerte von 10 Uhr vorm, bis 2 Uhr nachm, und von 4 Uhr nachm, bis ^10 Uhr abends mit kurzen Unterbrechungen für Mincha und Maariw. Mit Ausnahme der ersten Stunde war die ganze Beratung der Diskussion über die Aguda gewidmet. Es sind Bedenken schwerwiegender Natur, schreibt die in Budapest erscheinende „Allgemeine Jüdische Zeitung", welche die Orthodoxie Ungarns veranlaßt hat, schon an der vor 2 Jahren in Kattowitz abgehaltenen Versammlung, welche die Gründung der Aguda beschloß, sich nicht offiziell zu beteiligen, sondern eine abwartende Stellung einzunehmen. Ein Teil dieser Bedenken betrifft die Frage, in welcher Weise gesichert werden soll, daß die Leitung des Weltverbandes auch in Zukunft bei den weiter zu unterstützenden und zu schaffenden Institutionen den Anforderungen der Orthodoxie streng entsprechen werde. Ein anderer Teil der Bedenken ist politisch-konfessioneller Natur. Andere hegen überdies noch andere Besorgnisse. Die Richtung der Orthodoxie Deutschlands beispielsweise mag in Anbetracht dessen, daß dort die nKT schon völlig geschwunden war, an und für sich höchst erfreulich sein; aber für Ungarn, Galizien, Rußland usw., wo intensives Thoralernen noch in weiten Kreisen erhalten blieb, wäre die deutsche Situation nicht nur kein Ideal, sondern ein verhängnisvoller Rückfall. Von mancher ungarisch-orthodoxen Seite war daher befürchtet, das Zusammengehen mit der deutschen Orthodoxie würde hierzulande die Einbürgerung der deutschen Richtung zur Folge haben, so daß man durch den Anschluß an die Aguda eventuell mehr verlieren als gewinnen könnte. Um diese Bedenken und Besorgnisse drehte sich die Beratung. Die ausländischen Konferenzteilnehmer H. H. Rabbiner Dr Breuer, Frankfurt a. M., Josef Rothschild, Frankfurt a. M., Weingott, Warschau, waren mit dem ganzen Aufgebot ihrer Beredsamkeit bestrebt, die Vorteile, welche die Aguda für ("Hin bietet, darzulegen und haben zur Zerstreuung der Bedenken statuarisch festlegende Garantien angeboten. Die meisten Mitglieder der Zentralkommission fanden aber die Garantien für unzulänglich, schon war man nahe daran, die Konferenz mit einem ablehnenden Beschluß zu schließen. Im letzten Moment tauchte jedoch ein neuer Vorschlag auf, zu dessen Verhandlung die Konferenz am folgenden Tage fortgesetzt wurde. Am folgenden Tage wurde zwischen der ungarischen Zentralkommission und den ausländischen Konferenzteilnehmern eine Einigung getroffen, die jedoch der Zustimmung anderer kompetenter Faktoren bedarf. Bis die Entscheidung gefallen ist, haben die Konferenzmitglieder sich gegenseitig zur Diskretion verpflichtet. Soweit die Allg. Jüdische Zeitung. Der orakelhafte Schluß der Allg. Iüd. Ztg. ist wohl folgendermaßen zu verstehen: Ungarn hält seine alte Forderung aufrecht. Der Ausweg, der in letzter Stunde gesunden wurde, bestand darin, daß man für die ungarische Forderung eine annehmbare Formel gefunden zu haben glaubt. Es wäre im Interesse der Aguda wünschenswert, daß der Rabbinische Rat eine endgültige Verständigung herbeiführt. Der Delegiertentag der A. 3. von Palästina. Am 27. Adar versammelten sich im Hause des Herrn Rabbiner Diskin in Jerusalem die Vertreter der palästinensischen Ortsgruppen, um den palästinensischen Gruppenverband der Agudas Jisroel zu begründen und über laufende Angelegenheiten der palästinensischen Iudenheit zu beraten. Es fanden sich Delegierte ein aus Jerusalem, Jaffa, Saffed, Haifa, Tiberias, Petach Tikwah, Rehoboth und Ekron. Die Eröffnungsansprache hielt Herr Rabbiner D i s k i n und betonte besonders die Idee der Zusammengehörigkeit und der ^chicksalsgemeinschaft der gesamten gesetzestreuen Iudenheit, die m der Agudas Jisroel zum Ausdruck gelangt. Ganz besonders aber ist die Idee des Zusammenschlusses aller Gleichgesinnten von Wichtigkeit für Palästina und in erster Reihe für die Stadt Jerusalem, die ihrem traditionellen Charakter nach die gemeinsame Zentrale des ganzen Judentums darstellt. Er begrüßte es mit Genugtuung, daß der erste Delegiertentag der palästinensischen Ortsgruppen in dieser heiligen Stadt Zusammentritt. Hierauf ergreift der Präsident der Jerusalemer Ortsgruppe, Herr Rabbiner Ber Epstein, das Wort zu einer längeren Begrüßungsansprache. Die sodann vorgenommene Wahl des Büros ergab: Herr Rabbiner Diskin, Ehrenpräsident, Rabbiner Epstein- Jerusalem und Dr. Auerbach-Petach Tikwah, Vizepräsidenten, M. Blau-Jerusalem und M. Chodorowskn- Jaffa, Schriftführer. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete „Das Er-