Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 20 (15.5.1914)
- Date
- 1914-05-15
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20. Das jüdische glatt 9 öim Jahren 1275—1400. Der interessanteste von den bisher Entzifferten trägt folgenden Wortlaut: ur™ 'o no iddd idd 'nppn DTDTnb '^itwnn nrmjn pnin^n Mwip# g\dn mb bx n: n:5aa my isnnw myb pn mssm ri&rn et nzb ■ > imsm m^i irv^m nb'D 1^7 " m>^ m i:dd nbm myn ‘ 'vvn nbab . ^DiH snnb :r ^b&vi cmm 'Enra bin Nm ^en i:nb52p wip) N N N Mit bitterer Seele eine bittere Klage; Weil wir die Leiden der früheren vergaßen habe ich, um ihrer zu gedenken, auf steinerner Tafel eingegraben die Märtyrer Rothenburgs, die gemordet und verbrannt wurden für die Heiligung Gottes. Im Jahre 55 H 19.. Tamus* 2) und in der Veste außerhalb der Tor vernichteten sie und legten Feuer und töteten die Söhne der Stadt. Und da schwand von uns Alt und Jung. Am 12 ten des 5. Monats im sechsten Tausend hörte auf meine Wonne und am 3 ten Tage3) möge er uns in die Freiheit entsenden, dann wird kommen mein Erlöser und mein Heiliger. Es ist also ein Gedenkstein an eine Verfolgung aus dem Jahre 1285, also vor den Rindfleisch-Exzessen. Wir haben in diesem Grab st ein b e n lapidaren Kommentar zu den irn Jahre 1 887 veröffentlichten Elegien (Sammelband von Mekize Nirdamim, durch Professor Dr. Berliner publiziert), mit denen die Daten wörtlich ü b e r e i n st i m m e n. Weitere Publikationen werden im Interesse der Lokalgeschichte Rothenburgs voraussichtlich in der Zeitschrift des Vereins Alt-Rothenburg erscheinen, nebst einer Übersetzung der obenerwähnten Elegie. Vorläufig noch die Mitteilung, daß auf anderen Grabsteinen der Name Peter (vgl. den gleichen Namen bei einem Tossafisten) und der Name Meitlin vorkommt. Preußen. Altona. Gestern fand hier eine zahlreich besuchte, von der Moria-Ortsgruppe Hamburg-Altona einberufene Versammlung statt, in welcher Herr Dr. Julius Möller über „Das Verhältnis der Moria zu den anderen jüdischen Organisationen" sprach. In wohldurchdachter Rede führte er u. a. aus, daß es eine Notwendigkeit sei, die '„Moria", welche den Jischuv-Erez-Jisroel im Sinne der Thora fördern will, zu stärken. Diejenigen orthodoxen Kreise, die der zionistischen Organisation als Misrachisten angehören, müssen das Wirken der Moria begrüßen, denn abgesehen davon, daß jede praktische Palästina-Arbeit jedem willkommen sein muß, ist ja durch die materielle Kräftigung und Sicherstellung der ^gleich 1285 n. d. g. Z. 2) ca. Mitte Juli. 3) wir fassen das als poetischen Ausdruck im Anschluß an Hosea 6, 2 auf. traditionstreuen Elemente in Erez-Jisroel Sicherheit geboten, daß diese nicht den Einflüssen religiös-destruktiver Natur, mögen sie von welcher Seite immer kommen, erliegen und ein starkes thoratreues Element bilden, welches von den der Thora gleichgültig Gegenüberstehenden nicht übergangen werden kann. — Auf die Frage der Stellung zur Agudas-Jisroel übergehend, führte der Redner aus, daß die unabhängige Existenz der „Moria,, neben der Agudas-Jisroel notwendig fei. Beide sollen die gesamte gesetzestreue Judenheit umfassen. Das Programm der Aguda habe deren Aufgabe so großzügig und so weit gestreckt, daß Palästina keinesfalls in den Vordergrund treten kann. Die Aguda, deren vornehmste Aufgabe es doch ist, das religiöse Gefühl in den verschiedenen Golusländern zu kräftigen, schwachen Gemeinden hilfreich zur Seite zu stehen, hat in den Einwanderungsländern des Westens so viel zu schassen und zu sorgen, daß sie nur einen kleinen Bruchteil ihrer Energie für Erez-Jisroel verwenden kann. Ebenso wie z. B. neben der „Freien Vereinigung", welche doch für alle Gebiete religiöser Betätigung, wie Schabbos, Schechita usw. sorgt, doch der „Verband der Sabbatfreunde", welcher fast dieselben Mitglieder wie die „Freie Vereinigung hat, s e l b st ä n d i g wirkt, damit für das heil. Sabbatgebiet nach jeder Richtung, mit der nötigen Energie eingetreten werden kann, gerade so will die Moria neben der Aguda, nur für praktische Palästina-Arbeit sorgen, will es bewirken, daß unseren thoratreuen Brüdern dort Brot und Arbeit gegeben wird, damit das jüdische Land ein echtes thoragemäßes Milieu in sich birgt, aus welchem die Juden der Diaspora neue Kraft schöpfen können. Erez-Jisroel soll wieder Mittelpunkt des thoratreuen Lebens werden, es soll wieder das Ideal sein, an dem die assimilatorischen Bestrebungen auch unserer Kreise zerschellen, dort sollen unsere Brüder frei und kräftig, fromm und thoratreu dastehen, denn auf dem kampfdurchwühlten Boden Erez-Jisroels brauchen wir ganze Juden 11OD p*^ Zion soll mit einer festen Wehr umgeben sein; an uns Orthodoxen ist es, im Rahmen der „Moria" dafür zu sorgen nnb niTDP p^b np d?y;b 'pibN 'pibN m pnms* Frankfurt a. Al Sonntag, den 10. Mai 1914 fand die Einweihung des neu erbauten Schwesternheims des Vereins Jüdischer Krankenpflegerinnen zu Frankfurt a. M. statt. Dasselbe bietet Raum für mindestens 60 Schwestern. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit 3 Schwestern begründet, zählt der Verein heute bereits 55 Schwestern. Die erste Oberin, die ehrwürdige Schwester Mina Hirsch, steht auch jetzt noch an der Spitze der Schwesternschar. Dem Vorstand des Vereins gehören die angesehendsten Miglieder der Frankfurter jüd. Gemeinde an, u. a. Baron Goldschmidt- Rothschild, Philipp Schiff, Dr. Kirchheim, Dr. Gü ns bürg, Dr. Deutsch, Schlesinger u. a. m. — Die Einweihung selbst fand vormittags um 10 Uhr in intimem Kreise statt. Das Schwesternhaus ist ohne jeden Luxus gediegen und bequem eingerichtet, um den Schwestern nach Ausübung ihres mühevollen Berufes ein gemütliches Heim zu bieten. — Um 5 Uhr nachmittags trafen sich die Eingeladenen wieder im Speisesaal des Schwesternhauses bei einem durch Reden gewürzten einfachen Mahle. Man fühlte sich dabei wie in einer harmonisch geeinten großen Familie. Aus den Reden sowohl wie aus der ganzen Stimmung, die den Abend beherrschte, ging immer und immer wieder auf das deutlichste hervor, mit welcher Hochachtung und Liebe die Frankfurter jüdische Bevölkerung aller Kreise ihren Schwestern begegnet, auf deren erfolgreiches Wirken sie so stolz ist, ihren Glaubensgenossen anderer Städte wie so oft