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Das jüdische Blatt · 1914-05-15 · 20 (15.5.1914) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das jüdische Klatt Nr. 20 führer: Alexis Blum; Kassierer: Leopold Kahn. Beisitzer: Felix Bloch, Josef Bloch, Dr. Myrtil Bloch, Dr. S. Grombacher, Alfred Mayer, Eduard Zivi. Buchsweiler. In Lazard Weill haben wir einen braven, geachteten Mann, einen der ältesten unserer Gemeinde verloren. Hagenau. Auf der Fortschrittsliste stehen als Kandidaten für die Gemeinderatswahlen die Herren Moritz L e v y, Leon M o ch, Dr. Leon Weill. Auf der Zentrumsliste Daniel L e v y , Leon M o ch, Dr. Leon Weill. Hagenau. Seit Anfang dieser Woche wird die israelitische Elementarschule durch den Schulamtskandidaten Kahn aus Diemeringen geleitet. Dem Herrn Lehrer Picard geht es wieder besser, er bedarf aber Ruhe und Schonung. Weh. Der Verband der elsaß-lothringischen Tierschutzvereine und das Schächten. Bei der am 3. Mai im hiesigen Stadthaus stattgefundenen Generalversammlung desVerbandsderelsaß-lothringischenTierschutzvereine war auch vom Schächten die Rede. Ein Vertreter aus Rappoltsweiler regte ein Rundschreiben an alle Rabbiner an, um sie zu bitten, dahin wirken zu wollen, daß der Schächtakt so human wie möglich ausgeführt werde, humaner als es vielfach bis jetzt geschehe. Herr Berst - Straßburg mahnte, sich keinen allzugroßen Hoffnungen hinzugeben. Herr Dr. Back habe sich in Straßburg lebhaft im Sinne des Antrags verwandt und sei auf starken Widerstand gestoßen. Darauf wurde geantwortet, Herr Dr. Back habe den Eindruck erweckt, als sei er gegen das Sch ächten überhaupt, was berechtigte religiöse Empfindungen verletzt habe. Der vorliegende Antrag habe aber keine derartige Tendenz und werde sicher an den zuständigen Stellen Entgegenkommen finden. Dieser Erwartung wird zweifellos mit der größten Bereitwilligkeit entsprochen. Die möglichste Schonung des Tieres bei den Vorbereitungen des Schächtakts ist eine religiöse Vorschrift. Und der Rabbiner ist daher schon von Religions wegen verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die Tiere vor dem Schächten mit möglichster Schonung niedergelegt werden. Rappollsweiler. Am 5. ds. Mts. ist hier Fräulein Laure Bamberger im Alter von 85 Jahren gestorben. Wer Rappoltsweiler kennt, dem wird es bei dieser Kunde wehmütig ums Herz geworden sein. Ist doch Fräulein Bamberger eine der letzten Zeugen von dem einst so schönen, wahrhaft jüdischen Leben in Rappoltsweiler gewesen. Ach, du armes Rappoltsweiler, welch ein Geist lebte noch vor 30 oder 40 Jahren in dir! Da war noch ein rechtes und frommes Kehilahleben; da war noch eine blühende, große Gemeinde vorhanden, an die jetzt nur noch die große und Helle Synagoge erinnert. — Frl. Laure Bamberger war eine Persönlichkeit von lebhaftem Geiste und köstlichem Humor, den sie selbst in den letzten Jahren nicht verlor. Schon 25 Jahre alleinstehend, war sie doch nicht vereinsamt; denn ihr Herz lebte und fühlte mit allen in der Gemeinde. Besonders die Kinder hatten an ihr eine gute Freundin. Wie viel Kranke hat sie pflegen helfen wie vielen Toten die letzten Dienste geleistet. Run ist sie selbst gebettet in dem Gefilde des Friedens inmitten vieler lieben Freunde. Winzenheim (Oberelsaß). Den hiesigen Veteranen von 1870/71 ist Sonntag, den 3. Mai d. Js. die Kriegsmedaille feierlich überreicht worden. Unter denselben — 43 an der Zahl — waren auch Mitglieder unserer israelitischen Gemeinde, und zwar die Herren Jsak.May, L6on Bloch, Elias Ebstein, David Bloch, Aron Hirtz und Leopold Meyer. Die Medaille wurde ihnen auf dem Bürgermeisteramt vom Bürgermeister angehängt, und unter den Klängen unserer Stadtmusik wurden die Dekorierten zum Hotel Meyer geleitet, wo ein gemeinschaftliches Essen stattfand. Mögen diese Veteranen sich noch recht lange ihrer Auszeich-' nung erfreuen dürfen. Bayern. Berolzheim. Am Sabbat Morgen hauchte Frau Clara Herz ihre reine Seele aus. Es war eine Frau echter Gemütstiefe und Frömmigkeit, gleich musterhaft als Gattin wie als Mutter, ein Muster an Hingebung und selbstloser Wohltätigkeit. Die Beerdigung legte Zeugnis ab für die große Verehrung, deren sich die Verklärte erfreute, und die ihr Angedenken zu einem segensreichen gestaltet. Fürth i. V. Am 5. Mai fanden sich eine Anzahl geladener Herren, worunter auch Vorstandsmitglieder der hiesigen Kultusgemeinde, zusammen, um eine Ortsgruppe des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in Fürth zu gründen. Der Generalsyndikus Herr Dr. Holländer aus Berlin übernahm das Referat, und schilderte die vielen Erfolge, welche der Zentralverein durch seine Tätigkeit im Interesse des deutschen Judentums schon erzielt hat, und daß der Zentralverein in seiner Arbeit nie erlahmen wird. Hierzu ist aber der Anschluß aller deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens nötig; denn je mehr Mittel und Mitarbeit zur Verfügung steht, desto mehr ist zu erreichen. Hierauf wurde einstimmig die Gründung einer Ortsgruppe beschlossen, und zunächst Herr Dir. Dr. Feilchenfeld als 1. Vorsitzender, und Herr Just.-Rat Wertheimer als dessen Stellvertreter gewählt. Die Ortsgruppe zählt heute schon zirka 100 Mitglieder. L. München. Wir halten es gerade in den Wirren dieser Tage für unsere Pflicht, es auszusprechen, in welch hohem Maße Herr Kommerzienrat Fränkel sowohl durch das Musterbild der Erziehung als auch als Vorstand für die Sache der Orthodoxie sich verdient gemacht hat. Wir sehnen den Tag herbei, da mit ihm alle ernsten Männer einen Weg gefunden haben werden, der allen frommt. sWir geben dieser Zuschrift gerne Raum, umsomehr, als wir immer betont haben, daß wir bei aller Divergenz der Anschauung in politicis Herrn Kommerzienrat Fränkel stets gerecht zu werden versuchten. Red.j Reustadl a. Haardt (Pfalz). Hier wurde am Sonntag das aus Mitteln des israelitischen Kreisasylvereins errichtete Altersheim eröffnet. Herr Rabbiner Dr. Einstein- Landau hielt die Festpredigt und Herr Dr. R e i ß - Speyer sprach als Vorsitzender des Asylvereins. Ueber 500 Personen wohnten der Feier bei. -c- Rothenburg o. T. Hier wurden auf dem Gebiete des ehemaligen jüdischen Friedhofes 18 Grabsteine bloßgelegt. Genauerer Bericht folgt. Bis jetzt sind entziffert die Jahreszahl 5054, 5139, 5144. Rothenburg O./T. Die bereits in voriger Nummer erwähnte Ausgrabung der Grabsteine hat unterdessen weitere Fortschritte gemacht. Die Grabsteine befinden sich neben dem Terrain des alten Friedhofes als Fundamente eines nicht mehr vorhandenen Hauses. Es ist bekannt, daß bei den Judenvertreibungen (die letzte fand 1520 statt) die Friedhöfe demoliert und zu allerhand Bauzwecken benutzt wurden. Es sind bis jetzt etwa 40 Grabsteine bloßgelegt worden, dank dem freundlichen Entgegenkommen des Herrn Bürgermeisters von Rothenburg. Ueber die Unterbringung der Grabsteine wird später berichtet werden. Die Steine stammen alle aus

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