Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 20 (15.5.1914)
- Date
- 1914-05-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20. Da» jüdische Statt. 7 geben, da sie nur religiöse Ziele verfolgen. Die Chedarim- und Talmudthoraschulen sollen nicht reformiert werden. Die Melamdim (Lehrer) derselben sollen keiner strengen Prüfung unterworfen werden. Jüdische Religionslehrer dagegen in den jüdischen Regierungsschulen müssen die russische Sprache beherrschen. England. Die Frage der Naturalisation der Eingewanderten beschäftigt den Board of Deputies seit geraumer Zeit. Vor einigen Jahren fand in London ein imperialistischer Kongreß statt, auf dem beschlossen wurde, beim Parlament den Antrag einzubringne, daß ein englischer Bürger auch in den englischen Kolonien als Bürger anerkannt werden soll und umgekehrt. Dies hat dem Oberhaus den Anlaß gegeben, zum Gesetz über die Naturalisation der Ausländer neue Zusätze zu beantragen. Einer dieser Zusätze lautet, daß ein Fremder in England nur naturalisiert werden soll, wenn er der englischen Sprache vollkommen mächtig ist. Ohne Zweifel bedeutet eine solche gesetzliche Bestimmung eine wesentliche Erschwerung der Naturalisation für die eingewanderten Juden. Denn wenn sie auch englisch sprechen, so beherrschen sie doch in vielen Fällen den schriftlichen Ausdruck der Sprache nicht. Die Führer des Boards geben sich Mühe, um zu bewirken, daß die gesetzliche Bestimmung nicht so streng werde wie sie entworfen ist. Wie die Verhandlung der letzten öffentlichen Sitzung des Board gezeigt hat, hofft man, wenigstens zu erreichen, daß die Prüfung sich aus eine mündliche beschränke. Das Sonntagsruhegesetz beschäftigt ebenfalls noch die Geister. Bekanntlich gestattet der Entwurf denjenigen Geschäften, die am Sabbat geschlossen sind, am Sonntag zu öffnen, will ihnen jedoch die Bedingung auferlegen, nur an Juden zu verkaufen. Der Board bekämpft diese Beschränkung und eine Anzahl christlicher Abgeordneten hat zugesagt gegen diese unbillige Bestimmung aufzutreten. Auch die S che chi t a frage ist noch nicht erledigt. Seit 1911 ruht beim Parlament ein von den Tierschutzvereinen eingebrachter Antrag, für ganz England die Betäubung vor der Schächtung anzuordnen. Das würde die Ausübung der Schechita unmöglich machen. Der Board hat die jüdischen Abgeordneten dafür gewonnen, daß sie dafür eintreten, daß im Falle der Annahme des Antrags der Zusatz hinzugefügt werde: Für die jüdische Schlachtweise wird eine Ausnahme gemacht. Dieser Gesetzentwurf wird jedoch keinesfalls in dieser Session zur Verhandlung gelangen. Das Parlament hat wichtigeres zu tun. Gegenwärtig zur Beratung im Parlament steht die Vorlage, die für das gesamte Reich einen und denselben Wahltag vorschreibt. Lyonel de Rothschild, der Mitglied dieser Kommission ist, stellte zu diesem Entwurf den Antrag, daß jeder Tag der Woche bestimmt werden könne außer Freitag und Samstag, da sonst einem großen Teile der jüdischen Bevölkerung die Ausübung des Wahlrechts eventuell unmöglich gemacht würde. Die Kommission lehnte jedoch den Antrag mit 15 gegen 10 Stimmen ab. I Korrespondenzen. - Elsa ß-Lotlirinaen. - I Siraßburg. Die Pensionskasse der Witwen und Waisen der Rabbiner in Elsaß-Lothringen versendet ihren Jahresbericht 1913. Danach erfordern die Pensionen 3080, der Regierungszuschuß beträgt 1000 Jl, die Jahresbeiträge der Mitglieder betragen 464 Jl, die Zinsen der angelegten Werte 1496,74 und der Baranlage 356,05 Jl, danach ergibt sich ein unerwünschtes Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben. Der Vermögensbestand ist 53 726,05 Jl. Straßburg. Von der Israelitischen Gewerbeschule. Daß Anhänglichkeit und Erkenntlichkeit in der jetzigen so nüchternen Welt noch nicht ausgestorben, zeigen so recht verschiedene Zuwendungen, die dieser Tage der Israel. Gewerbeschule zu Straßburg aus weiter Ferne zugegangen. In Auxerre starb im verflossenen Monat Herr Abraham Hermann, geboren in W e st h a u s e n bei Benseld, ein ehemaliger Schüler der 6<<>Ia <la travail aus den sechziger Jahren, der es durch Fleiß und Rechtschaffenheit zu ansehnlichem Vermögen gebracht. Nachdem er schon alljährlich der Anstalt helfend zur Seite gestanden, hat er vor seinem Tode seiner Familie gegenüber geäußert, der Schule, die ihm vor etwa einem halben Jahrhundert den Weg zu seinem Aufstieg gewiesen, als „ewiges Andenken an einen dankbaren Schüler" eine „Unveräußerliche Schenkung von 200 Frs." zu übersenden. Auch ein anderer Akt der Dankbarkeit von drei ganz jungen, erst vor etlichen Jahren entlassenen Zöglingen verdient öffentliche Anerkennung. Die beiden Goldschmiedegehilfen Isidore Weil! aus Ouatzenheim und Sylvain Hirsch aus Trimbach, sowie des letzteren Bruder, Uhrmachergeselle Armand Hirsch, suchten vor wenigen Jahren ihre in der Jsr. Gewerbeschule erworbenen Kenntnisse in Südamerika zu verwerten. Neulich gingen nun der Anstalt von den drei jungen Herren aus Santiago de Chile „30 dl als Zeichen aufrichtigster Erkenntlichkeit" zu, mit dem Versprechen, von nun an alljährlich einen Teil ihrer Dcmkesschuld abtragen zu wollen. Heute, wo der Kampf ums Dasein so schwer, und darum fast jeder auf sich selbstbedacht ist, erfreut solche Anhänglichkeit in doppeltem Maße. Siraßburg. Letzten Montag nachmittag hatte das Utzinema die Insassen des Altersversorgungshauses „Hospiz Elisa" zu einer Vorstellung eingeladen. Die Alten, von denen manche noch nie ein Theater von innen gesehen hatten, haben sich köstlich amüsiert. Siraßburg. Dienstag abend hielt trn Verein jüd. Akademiker Herr cand. med. B u t t e n w i e s e r vor einem größeren Publikum im Saale des Cafü Westminfter einen äußerst geistreichen Vortrag über das Thema: „Grenzen der Naturerkenntnis". Siraßburg. Am 29. April hielt der I ü d i s ch e I u g e n db u n d seine 5. Hauptversammlung ab, zu der sich zahlreiche Mitglieder eingefunden hatten'. Der Vorsitzende, Herr Referendar Edmond Weilt erstattete den Geschäftsbericht, ans dem wir folgende Punkte hervorheben möchten: Die Zahl der Vereinsmitglieder beträgt gegenwärtig 140. Es fanden im Laufe des Jahres eine größere Anzahl von Vortragsabenden statt, an denen teils über jüdische, teils über allgemeine Fragen referiert wurde. Das diesjährige Winterfest bedeutete einen glänzenden Erfolg für den Verein. An anderen geselligen Veranstaltungen sind zu nennen: Die stimmungsvoll verlaufene Chanukafeier, der Jargon-Liederabend des Herrn Chordirektor Bochner, der Schubertabend des Herrn Konzert- und Opernsänger Loeb. Nach Erstattung des Kassenberichtes sowie des Berichtes der Kassenrevisoren, die insbesondere die glänzende Führung der Kasse lobten, folgte eine längere, äußerst anregende Diskussion. Hierauf wurde dem Vorstand Decharge erteilt. Bes der darauf folgenden Neuwahl des Vorstandes wurden folgende Herren wieder- resp. neu gewählt: Präsident: Referendar Edmond Weilt; Vizepräsident: Sylvain Levy; 1. Schriftführer: Jakob Bickhardt; 2. Schrift-