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Das jüdische Blatt · 1914-05-15 · 20 (15.5.1914) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20. Das jüdische Statt 5 sind Früchte, auf dem Boden der konfessionellen Trennung erwachsen. Wer solche Torheiten vermieden wissen will, der muß dafür sorgen, daß ihre Grundlagen fortfallen. Der Kollege Rupp soll einmal den Nachruf des Generals Leutwein über den jüdischen Offizier Bendix lesen, dann wird er eines Besseren belehrt werden. Der Kriegsminister hat gesagt, daß der verfassungswidrige Zustand in bezug auf die Beförderung der jüdischen Aspiranten nicht durch verfassungswidrige Mittel herbeigeführt worden sei. Was soll das heißen? Es sind auf jeden Fall nicht alle verfassungsmäßigen Mittel ergriffen worden, um diesen Zustand zu beseitigen. Für den Kriegsfall sind die jüdischen Aspiranten für Offizierstellen vorgemerkt. Warum geht das nicht auch im Frieden. Abg. Gröber (Ztr.): Was in bezug auf die Entscheidung des Reichstages nach der Antwort der Regierung zu geschehen hat, darüber hat nach einem Beschluß des Hauses die Budgetkommission zuerst zu entscheiden. Diese Entscheidung steht noch aus. Sollte die Entscheidung durch den Schluß der Session unmöglich werden, so werden wir uns weiteres Vorbehalten. Wir wollen, daß alle Reichsangehörige gleich behandelt werden. Und die Tatsache, daß seit Mitte der 80 er Jahre kein jüdischer Anwärter befördert wird, ist eine Tatsache, die für sich spricht. Die Behauptung, daß kein Jude imstande sei, die Funktionen des Offiziers auszuüben, ist nicht ernst zu nehmen. Der Hinweis auf die Wahl der Reserveoffiziere ist ganz hinfällig. Es fehlt nicht an unnötigen Einwirkungen. Wenn die Offiziere wissen, daß von oben herab vielfach gewünscht wird, daß bei der Wahl nach rein sachlichen Vorschriften verfahren wird, so wird man sich dagegen schon richten. Unter den Vorurteilen haben auch alle echten Christen zu leiden, wenn sie eine Herausforderung ablehnen und daraufhin ausscheiden müssen. Das müssen sie als schwerste Strafe empfinden. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Berlin. In der gestern und heute hier tagenden Plenarsitzung des provisorischen Komitees der Agudas Jisroel wurde der Beschluß gefaßt, die erste aus gewählten Delegierten der Ortsgruppen sich zusammensetzende Hauptversammlung der Agudas Jisroel, die „Kenesijoh Gedauloh" auf Rosch Chodesch Elul dieses Jahres nach Frankfurt a. M. e i n z u b e r u f e n. Gießen. Herr Großh. Provinzialrabbiner Dr. Hirschf e l d in Gießen versammelte am 10. d. M. die Lehrer seines Rabbinatsbezirks in seinem Hause, um die Vorbereitung zur Gründung von Jugendgruppen in den kleineren und größeren Landgemeinden zu besprechen. Es wurde beschlossen, während der nächsten Wochen in einer Anzahl Landgemeinden Jugendgruppen zu gründen. Die erste Propagandaversammlung findet voraussichtlich am 24. d. M. in Nidda und H u n g e n statt. In Galizien, in L a n z u t, in T a r n o p o l, außerdem in M ä h r i s ch - O st r a u fanden Propagandaversammlungen statt. Frankreich. Paris. In trübe Wolkenschleier gehüllt war der gestrige Abend heraufgezogen. Undessen ließ man sich durch die Unbill des Wetters nicht verdrießen und die Vertreter der verschiedensten Arrondissements waren auf dem Plane erschienen, um Kommandant Lipmann aus Versailles zu hören. Just vor Jahresfrist trat er hier als Propagandaredner der „Agudas Israel" auf und gestern Abend behandelte er „Le repos du septieme jour" in der Tat ein Thema, das nichts an Aktualität verloren hat. Ein französischer Offizier spricht über unser heiligstes Gut, „des Juden Perle", über den Sabbat! Und wenn Kommandant Lipmann schreibt und wenn er spricht, — immer finden wir etwas Pikantes in seinen Ausführungen. Mancher, der vielleicht glaubte, er höre nur etwas über den allgemeinen Pflichtenkreis, den der Schabbos mit sich bringt, dürfte auf seine Rechnung gekommen sein. In feindurchdachter Art erzählte uns der Redner von dem historischen Schabbos, wie der Ruhetag bei den verschiedenen Völkern, den Römern, Griechen usw. entstand, und was er bedeutete und erklärte, wie der Samstag bei den Christen auf den Sonntag verlegt wurde, wie der Freitag der Mohammedaner zustande kam, was man zu den verschiedenen Epochen unter „Arbeit" verstand. Nachdem Herr Lipmann das vierte Gebot des Dekalogs zitierte, wie er an Hand mitgebrachter Katechismen der katholischen und protestantischen Religion den Unterschied im Wortlaut nach betonte, wie sich im Christentum im Anhören der Messe der Sonntag erschöpfe und auf Erlaubnis hin man arbeiten dürfe. Der „repos hebdomadaire" und das französische Gesetz bezüglich desselben sei para-' dox und repräsentiere den imitierten Schabbos. Wenn so der Redner im ersten Teile seines Vortrages über den „Sabbat der Zehngebote", wenn ich so sagen darf, sprach, so wäre es zum mindesten interessant gewesen, wenn er auch auf die Verschiedenheiten im Texte der ersten „Zehngebote" im Exodus und der zweiten im Deuteronomium hingewiesen hätte. Die ersteren „Zehn Gebote" haben den Wortlaut und die Fassung, wodurch sie für Israel und die Gesamtmenschheit gemeinsam gültig sind. Darum sind auch die ersteren unter mächtigen, die ganze Welt durchschallenden Donnerstimmen gegeben, das Ereignis, welches für die ganze Menschheit wichtig blieb, sollte auch der Menschheit bekannt werden. Erst lange nachdem die ungeteilte Annahme derselben nur von Israel erfolgt war, trug Mosche die zweiten ohne welterschütterndes Gepränge vor, da er sich jetzt nur an Israel allein wandte. Daher „Gedenke" — „Beobachte"! Die Beobachtung, die strenge Enthaltung von aller Arbeit wurde aber nur von Israel und nicht von den andern Völkern verlangt, dagegen sollen sie gemeinsam mit Israel des Ruhetages gedenken, um den Glauben an das Dasein Gottes, der eine allgemeine Pflicht der Menschheit ist, im Herzen zu befestigen. Daher wird der Schabbos im zweiten Dekalog auch ganz anders begründet wie im ersten. jro iistf c^iyn pisik'? jm ~o pr» n iek Dieses Zusammenfallen der “PDT und nTW ist der feierliche Protest gegen jeden, Gott und sein Gesetz höhnenden Versuch, den jüdischen Sabbat in ein bloß „geistiges Gedenken", p-ppf <3U verflüchten, und ihm seinen wesentlichen Inhalt, die die Enthaltung von Werktätigkeit, somit die wonach er heißt,der sein Wesen und seinen Namen bildet, zu rauben. Mit der ersten Einsetzung des Sabbats für die Menschheit, war er nur als geistiges Denkmal für die „Erinnerung", das „Gedenken im Geiste" gestiftet. Als solches ging er aber der Menschheit verloren. Zur Wiederbringung und Erhaltung des Sabbats ward Israel die die konkrete, sinnlich wahrnehmbare, symbolische Betätigung des geistigen Inhalts des Sabbatdenkmals geboten, und eben diese ““l'p&b nicht die n"VDT, die bereits Gemeingut der Menschheit hätte sein sollen, ist das speziell jüdische S a b b a t g e s e tz, von dem ich gerne mehr aus dem Munde des Referenten gehört hätte. Wer daher unserm Schabbos die nimmt und sich mit der j-ppf begnügen zu können vermeint, vernichtet den ganzen jüdischen Sabbat, zerstört die ganze Institution, die Gott zur Sicherung des Sabbats für die Menschheit in Israel gestiftet." heißt bewahren, den Schabbos in die Woche hinübergreifen lassen, Sp hy PDTO Mögen sich

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