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Das jüdische Blatt · 1914-05-01 · 18 (1.5.1914) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
18 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18. Das jüdische Klatt 7 Auf Grund dieser Tatsachen fragen die Interpellanten bei dem Ministerpräsidenten und dem Minister des Innern an, „welche Maßnahmen sie zu ergreifen gedenken, um das Leben, d e Sicherheit und das Gut der jüdischen Bevölkerung vor den böswilligen Attentaten der Schwarzen Hunderte zu schützen". Lodz. In der Nähe von Dobrzin drangen, wie die Retsch meldet, drei Polen in das Haus eines Juden und verwundeten durch Revolverschüsse dessen Frau. Die Verbrecher sind verhaltet worden. Korrespondenzen. - Glsatz-Kothvmaen. Slraßburg. Prof. A s ch, der bekannte Spezialarzt für Harnleiden, wurde auf Vorschlag des Deutschen Landeskomitees zum Mitglied der internationalen urologischen Gesellschaft ernannt. Colmar. Merkwürdige Dinge kommen hier vor, aber man darf sich über nichts mehr wundern. Nach dem Religionsgesetze ist es bekanntlich einer kinderlosen Witwe, die Schwäger hat, verboten, ohne Chaliza zu heiraten. Eine solche vom Religionsgesetze verbotene Trauung wurde hier vorgenommen. Kommentar überflüssig. Colmar. Schwer heimgesucht wurde die hier allgemein geachtete und hochgeschätzte Frau Lucien Wormser, Gattin des Konsistorialmitglieds L. Wormser. Nach langer Krankheit verlor sie am 21. April ihren über alles geliebten Vater, Nephtali Levy, Rentner in Belfort. Wer Frau Lucien Wormser näher kennt, weiß, mit welcher Achtung und Pietät sie ihren Vater verehrte, ja vergötterte. Nicht Mühe, noch Zeit, noch Wetter scheuend, ergriff sie jede Gelegenheit, um denselben zu besuchen. Bei dem letzten Wohltätigkeitsfeste wußte sie ihre Zeit so einzuteilen, daß sie ihre ganze Kraft sowie auch die ihrer unermüdlichen Kinder in den Dienst der Vorbereitungen stellte und so zum Gelingen des Festes beitrug, während sie auf der andern Seite keinen Besuch in Belfort versäumte. Glücklich war sie, als sie dem Vater den schönen Erfolg des Festes mitteilen konnte. Rühmend müssen wir anerkennen, wie H. Wormser seiner Gattin volle Freiheit gewährte, um ihre kindliche Liebe zu beweisen. Der Vater war stolz auf seine Kinder und sie auf ihn. Er sah in ihnen die edlen Eigenschaften verkörpert, die ihn selbst als einen Mann „«uns peur et saus reproclie" kennzeichneten. Bei all' dem war Herr Levy ein sehr einfacher, aber überzeugungsvoller Jude im besten Sinne des Wortes. Hoch hielt er die Fahne der Religion und der Tradition und keine moderne Lockung konnte ihn vom Pfade des Glaubens ablenken. Regen Anteil nahm er an dem israel. Gemeindeleben in Belfort. Ueber 30 Jahre lang war er im Vorstande. Nie vergaß sein gutes Herz die Armen. Ohne erst angesprochen zu werden, trat er da ein, wo es die Not verlangte. Unzählig sind die Wohltaten, die er so ausübte. Ein beredtes Zeugnis der großen Beliebtheit, dessen sich Herr N. Levy erfreute, war sein Leichenbegängnis. Ueber 1500 Herren folgten dem Sarge, wovon über 1000 bis auf den Friedhof gingen. In dem Zuge bemerkten wir den Präfekten, Unterpräfekten, den Gemeinderat, den Bezirksrat, Abgeordnete,- viele höhere Offiziere und die Notabeln der Industrie und des Handels. (Herr Levy stammt aus Hirsingen bei Altkirch und war nahezu 60 Jahre Manufakturist in Belfort.) Auch viele Damen begleiteten den lieben Verstorbenen zur letzten Ruhestätte, darunter Madame Engel-Dollfuß. Schon eine halbe Stunde vor Beginn des Begräbnisses erschien sie mit mehreren Damen im Trauerhause, begleitete den Toten zu Fuß bis zum Friedhose, blieb fast als eine der letzten und drückte vor ihrem Weggange noch einmal den Familienangehörigen ihr innigstes Beileid aus. (Frau Engel verlor vor einem Jahre bei dem Untergange des Torpedobootes „Pluviöse" ihren einzigen Sohn.) Herr Nephtali Levy hinterläßt eine trauernde Witwe, eine gute, fromme Gattin, die während 47 Jahren in mustergültiger Ehe mit ihm gelebt, nebst zwei Töchtern und einen Sohn, Herrn Jules Levy, der als Arzt eine sehr geachtete Stellung einnimmt und allgemein geschätzt wird. Mit welcher Liebe, mit welcher nie ermüdenden Sorgsalt er seinen kranken Vater behandelte, läßt sich mit Worten nicht beschreiben. Gleich ihm tritt er in die Schranken, wenn es gilt, die Interessen des Judentums zu verteidigen. Zur Zeit der Dreyfusaffäre hielt er einen Vortrag in Belfort und zitierte seinen Vater, der ein getreuer Jude und dabei ein Beispiel des Mutes und der Tapferkeit sei. Herr Nephtali Levy war nämlich einer der Verteidiger während der Belagerung der Stadt Belfort von 1870/71. Er wurde zweimal dekoriert. Der Sohn ist Präsident der „Ligue des droits de l'homme" und „medecin en chef de l'hopital civil de Belfort". Wenn er die Armen behandelt, existiert für sie keine Taxe. — Wie tief die Eltern ihren Kindern die Religiosität eingepflanzt haben, möchten wir noch an einem eklatanten Beispiel zeigen. Eines Abends statteten wir Frau Lucien Wormser einen Besuch ab. Die Zeit nahte, wo die Kinder zu Bette gehen mußten. Da nahm jedes seine Tefilloh und verrichtete sein Abendgebet. Jemand machte eine ironische Bemerkung. Frau Wormser aber erwiderte: „So wie meine Eltern mich erzogen haben, werde ich wieder meine Kinder erziehen!" Wollte Gott, alle Mütter in unserer Gegend würden so sprechen und handeln, sie könnten mit dem selben Stolze auf ihre Kinder blicken, wie dieser edle Jude in Belfort! Herr Rabbiner Wolfs aus Belfort rief in tiefdurchdachten, zu Herzen gehenden Worten auf dem Friedhofe dem lieben Toten den Abschied nach. Messieurs, Nous remplissons im devoir d’amitio non moins que de religion, en adressant un supreme salut ä notre veuere fröre Nephtalie Levy et nn mot d’affectueuse condoleance ä eeux qni le pleurent. II ne nous est pas possible, malgre le voisinage du mois pascal qui interdit tonte Manifestation de deuil, de laisser partir un des membres los plus an eien s de notre connnunaute, un israelite eprouve, un komme de bien, sans lui dire une parole de regret et d'adieu sans temoigner notre cordialo estime a sa famille, ä son fils ä qui nous apportons, dans ces douloureuses circonstances, Fexpression emue des sympathies publiques. Notre regrette fröre, Nephtalie Levy, etait un de ces israelites des vieux temps, dont le type helas! devient de plus en plus rare parmi nous. qui etaient attaches de toutes les fihres de leur äme a la religion de leurs ancetres, en observant, avec la plus grande simplicite, mais avec une rigueur scrupuleuse, toutes les prescriptions, qui puisaient dans ce ferme attachement aux pieux traditions du passe une force peu commune pour remplir leurs devoirs, un puissant amour de leur famille, une loyaute, une droiture, une honnetete sans defaillance et par-dessus tout une prüfende et active Sympathie pour toutes les souffrances et toutes les unseres. Nos Sages, messieurs, ont en innere quelque part les differents merites, les differents actos, qui form ent, par leur ensemble, ce qu’il appellent de ce beau nom de ich guemilouth haqadim, „d’honnne qui a le sens de la sociabilite“: Consoler les malheureux, apporter des paroles d'encouragement et (Fespoir a ceux qui sont etendus

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