Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 18 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18. Das jüdische Statt 5 Es brachten Grüße Herr Justizrat Held als Vertreter der Kultusgemeinde sowie wie auch im Namen des D.-J. G.-B., betonte die gemeinsamen Interessen des D. C.-B. und des jüdischen Gemeindewesens und wünschte den Beratungen den besten Erfolg. — Im gleichen Sinne dankten für die freundliche Einladung und begrüßten den D. C.-V. die Herren Rabbiner Dr. Freud e n t h a l im Namen des Rabbinerverbandes und des „Verbandes der deutschen Juden", Dr. H e i l b r o n n als Vertreter der „Maimonides-Loge" und des „Jugendvereins Esra", Grünebaum als Vertreter der Adas-Iisroel-Gemeinde Nürnberg. Die spontane Herzlichkeit und Wärme mit der alle Herren Redner namens der von ihnen vertretenen Verbände sich ihres Mandates erledigten, erweckte herzlichen Widerhall bei den anwesenden Kollegen. Nachdem noch Kollege N u ß b a u m - Wiesbaden die „Standarte" des Vereins den Nürnbergern übergab, sie dabei in guten Händen wissend und seinerseits die Grüße der Gemeinde und des Synagogenchores und auch namens des Lehrerverbandes überbracht hatte, dankte Herr Vorsitzender H e n l e sämtlichen Rednern und verlas eingelaufene Begrüßungsschreiben von den Gemeindeverwaltungen Frankfurt a. M., Hannover, von Lion Wolf-Tempelburg usw. und trat in die eigentliche Tagesordnung ein. Kollege F a b i s ch - Göttingen erstattete den Tätigkeitsbericht, der sich im großen und ganzen an den bereits in den Mitteilungen gedruckten anlehnt. Einen breiten Raum in der über diesen Punkt eröffneten Diskussion nahm die „Ausländerfrage" ein. Den Kernpunkt in dieser Sache trafen wohl die markigen Ausführungen Davidsohns -Berlin, der ein für allemal festgestellt wissen wollte, daß eine Ausländerfrage für den A. D. K. nur insofern existiere, als es sich um unwürdige und unfähige Elemente handelt, welche den Anforderungen hinsichtlich der fachwissenschaftlichen und künstlerischen Ausbildung sowie in Punkto Charakterbildung, in keiner Weise gewachsen sind. Der A. D. K. als die allein anerkannte Vertretung des deutschen Kantorenstandes, eines Standes, der seine Mitglieder in genannter Beziehung auf die möglichst höchste Stufe bringen will, kann wohl mit Fug und Recht verlangen, daß unser hoher Beruf durch unwürdige und unfähige Elemente, und nur um solche allein handelt es sich, nicht beschmutzt wird. Persönlich gibt es für uns keine Ausländer. Aehnliches führte Schatzmeister Zivi- Elberfeld aus. Kollege I. B. Leoy verdichtete diese Frage zu einer Resolution, welche nach vollzogener Redigierung bekannt gegeben wrden wird. (Auf die sehr interessante Debatte kommen wir noch zurück.) Daran reihte sich nachmittags eine nochmalige Besprechung und Wiedereröffnung der Debatte, bis endlich die Fassung der Resolution mit verschiedenen Aenderungen zustande kam, wonach die Wahl des Ausschusses erfolgte, die dieselbe Zusammensetzung wie bisher ergab, mit dem Neuzugange von Davidsohn-Berlin. Bei „Verschiedenes" war es recht wesentlich zu erfahren, daß der A. D. K.-V. nunmehr auch der Unterstützungskasse der Lehrervereine im Deutschen Reiche angehört, was bedeutende materielle Vorteile bringen wird. Näheres hierüber gelangt erst später zur Publikation. Die hochbedeutsame Versammlung wurde um 4^ Uhr geschlossen, nachdem noch vorher mancherlei kernige Worte über Leistungen des Vorstandes und der Verwaltung gesprochen worden waren und allen jenen gedacht ward, die sich um den hübschen und gemütlichen Verlauf des Festes verdient machten. Der Bericht kann und will natürlich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit beanspruchen, da überhaupt offizielles seitens der nächstbeteiligten Kreise nichts in die Oeffentlichkeit gegeben wird. Nachdem sich noch ein kleiner Bummel durch die Stadt angereiht hatte, fand man sich abends 7 Uhr zu gemeinsamer Mahlzeit ein, die der Restauration Plaut alle Ehre bereitete. Bei dieser Gelegenheit wechselten ernste und heitere Reden und Gedichte innig und sinnig mit einander ab, und das von Herrn H e y m a n n - Straßburg angestimmte Benschen dröhnte wie ein gewaltiger Schlußakkord mächtig durch die wohlbesetzten Räume. Hernach kam noch die Fidelität zu ihrem Rechte, ein bis in alle Details durchgeführter Kommers mit Liedern und musikalischen Dreingaben, welche Freude bis in die frühesten Morgenstunden währte. Am Dienstag geleitete Herrn Kantor F r ä n k e l als Führer den kleinen Rest der noch zurückgebliebenen Gäste durch die Stadt zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten. So endete die Generalversammlung des A. D. K.-V. in allen Teilen großzügig vom Anfänge bis zum Ende und bildete eine denkwürdige Erinnerung sowohl in der Geschichte des Vereins, wie der opferfreudigen Kultusgemeinde Nürnberg. O. S. Ahlwardt. Ahlwardt, der Antisemit, ist vor einigen Tagen im Krankenhaus in Leipzig gestorben. Bei einem Spaziergang wurde er auf der Straße von einem Automobil überfahren, erlitt eine lebensgefährliche Verwundung und starb unter großen Schmerzen. Politisch tot ist er schon lange. Es gab aber eine Zeit, wo er der Führer der Antisemiten war, wo er ein Abgeordnetenmandat im Reichstag hatte und den Namen „Rektor aller Deutschen" trug.' Er war ein Schwindler und Erpresser. Die Antisemiten haben dies gewußt und haben in ihm den passenden Mann gefunden, ihr Führer zu sein. Sogar die Konservativen haben ihn lange gehalten, sonst wäre er nicht mehrmals in den Reichstag gewählt worden. „Besser zehn Ahlwardt als ein Freisinniger", erklärten die Konservativen bei den Wahlen. Er ging aber an seiner eigenen Maßlosigkeit im Schwindel und im Verleumden zugrunde. Schließlich beschuldigte er die Regierung selber, daß sie im Dienste der Juden stehe, und blamierte sich durch seine Verleumdungen und Erpressungen in der Oeffentlichkeit so, daß ihn sogar seine nicht gerade wählerische Partei abschüttelte. 1903 fiel er bei den Wahlen endgültig durch. Man hat genug von ihm gesagt, wenn man daran erinnert, daß sich sogar eine mit so gemeinen Mitteln arbeitende Partei wie die antisemitische durch Ahlwardt kompromittiert fand. Als er im Antisemitismus keine Geschäfte mehr machen konnte, wandte er sich einem neuen Artikel zu, den Jesuiten. Er hielt Vorträge gegen die Jesuiten, die seiner Ansicht nach Deutschland beherrschen. Sie vermögen nach ihm Milliarden, das sehe man in Amerika. Woher kommen denn in Amerika die ungeheuren Milliarden-Vermögen wenn nicht von den Jesuiten? Die Jesuiten stehen hinter den gewaltigen amerikanischen Trusts mit ihren Milliarden-Vermögen, sie sind daran, die ganze Welt zu erobern. Daher müsse er, Ahlwardt, sein Vaterland von der Herrschaft der Jesuiten retten. Das war schon die Art eines pathologisch veranlagten Menschen. Daß seine Vorträge noch immer Hörer fanden, beweist nur, daß die Gesellschaft, in der ein solcher Mensch eine Rolle spielen kann, ebenfalls anormal veranlagt ist. Oesterreich-Ungarn. Boykottierung der Juden in Galizien. In Krakau hat am 20. April unter dem Vorsitze des Präsidenten, Fürsten R a d z i w i l l, eine Versammlung der „Vereinigung zur Polonisierung der galizischen Städte" stattgesunden. Nach einer von gehässigen Ausfällen gegen die Juden gespickten Diskussion gelangten folgende Beschlüsse zur Annahme. 1. Die Versammlung lenkt die Aufmerksamkeit der gesamten polnischen Nation daraus, daß ihre ehemalige Hauptstadt Krakau binnen kurzem vielleicht aufhören wird, ihr geistiges Eigentum zu sein, denn schon sind zum großen Teil seine materiellen Grundlagen zerstört worden. Speziell befinden sich von der allgemeinen