Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 18 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 18. Das jüdische glatt meine einzige Pflicht und Aufgabe ist, den wahren Mörder des jungen Mädchens ausfindig zu machen, wer es auch immer fein mag. So habe ich meine Untersuchung begonnen und schon nach einigen Stunden meines Aufenthaltes in Atlanta gewußt, daß das Geheimnis kein Geheimnis ist. . . . Die Person des Mörders ist mir bereits vollkommen bekannt, daran ist nicht mehr der allergeringste Zweifel. In dem ganzen Fall Frank hat es überhaupt kein Geheimnis gegeben. Man hätte bloß ein wenig die Spuren verfolgen sollen, dann hätte man gleich die richtige finden müssen. Der Mörder ist ein Mann in Atlanta, der bereits von sicheren Personen bewacht wird, und der seinem Schicksale und seiner Verurteilung nicht mehr wird entgehen können. . . . Ueber die Schuld oder Unschuld Leo Franks will ich kein Wort sprechen. Ich will eher nicht die Resultate meiner Nachforschungen veröffentlichen, bevor mein vollständiger Bericht nicht in den Händen der Polizei ist. Meiner Meinung nach kann Frank am 17. April nicht hingerichtet werden. . . . Der Mord an Mary Phagan gehört nicht zu den gewöhnlichen Verbrechen. Die Ursachen dieses Mordes liegen für mich klar zutage, und darauf basiert auch meine ganze Untersuchung. . . . Liebe und Haß, Rache oder Wahnsinn haben mit unserem Falle gar nichts zu tun. Ein Mann begeht einen Mord mit voller Ueberlegung oder in einem Momente der Leidenschaft. Das sehen wir aber im vorliegenden Falle nicht. Und so bin ich zu dem Schlüsse gekommen, daß dieser Mord eine anormale, unnatürliche Ursache hat. . . . Als das für mich feststand, begab ich mich auf die Suche nach dem Mörder. . . . Und ich habe ihn gefunden. Ich bin ihm auf Schritt und Tritt nachgegangen, seit dem Tage, als der Mord begangen wurde und bin zu der Ueberzeugung gekommen, daß diese Person bestimmt der Mörder ist. Meine vorgefaßte Meinung suchte ich dann durch Tatsachen zu beweisen und jetzt bin ich auch im Besitze dieser Fakten.... Es war nämlich für mich nicht allzu schwer, jene Personen ausfindig zu machen, die anormale Veranlagung haben. Denn sie können diese nicht verleugnen und verraten sich selbst durch ihr Benehmen, ohne Unterschied, ob sie Millionäre, Arbeiter, Rechtsgelehrte oder Kaufleute find. Nachdem ich über die Klasse des Mörders im klaren war, habe ich die Person des Mörders selbst gefunden/und meine weitere Untersuchung bestätigt vollständig meine Theorien. Der Mann kann mir nicht entwischen... Die Bevölkerung Atlantas wird ihr schreckliches Unrecht einfehen, wenn ich sie mit meinen Beweismitteln von der Unschuld Franks überzeugen werde. Im Polizeidepardement wird allerdings daraufhin eine große Umwälzung erfolgen. ... Den Fehler, der hier begangen worden ist im Falle Frank, wird man verzeihen können, weil die Bevölkerung Atlantas die Verurteilung Franks gefordert hatte. Es wurden ja furchtbare Gerüchte über seinen Lebenswandel in Umlauf gesetzt. Es war daher meine erste Pflicht, diese Gerüchte zu widerlegen, zu beweisen, daß er keinen schlechten Charakter habe. Die Polizei und der Distriktsattorney haben zwar die Untersuchung im Anfang richtig geführt, später sind sie aber einen falschen Weg gegangen. ..." Burns schloß seine Mitteilungen mit den Worten: „In dem ganzen Fall besteht kein Geheimnis mehr für mich. Der Fall liegt hier ganz klar und alles weist auf den wirklichen Mörder hin." Die Neger über den Fall Frank. Das Wochenblatt „Independent", das in Atlanta für und von Negern herausgegeben wird, veröffentlichte am Samstag den 21. März einen Artikel mit der Ueberschrift: „Fand gegen Frank ein ordnungsgemäßes Verfahren stakt?" Der Fragesteller verneint dies gleich im Anfänge seines Artikels. Er meint, daß gegen den armen Frank eine unerhörte Stimmungsmacherei inszeniert worden sei und man von der Jury einfach verlangt habe, den Juden für schuldig zu befinden. Der Verfasser erklärt es für seine feste Ueberzeugung, daß ein solcher Prozeß ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, wenn es sich um einen Christen gehandelt hätte. „Man konnte zur Zeit der Abwicklung des Frank-Prozesses", so heißt es in diesem Artikel, „wenn man durch die Stadt ging, sehr häufig die Worte hören: „Der Jude ist schuldig!" Nicht Frank, der Jude war schuldig.... Nicht weil er ein Verbrechen begangen habe, sondern weil er Jude ist: deshalb mußte er verurteilt werden." ... Die Negerzeitung befaßt sich im weiteren Verlaufe dieses Artikels auch mit dem des Mordes verdächtigen Neger Jim K o n l e y. Ueber ihn hat auch diese Zeitung keine gute Meinung, wenn sie rückhaltlos sagt: „Unter gewöhnlichen Umständen würden die Geschworenen niemals einen Weißen nur auf die Aussagen eines Schwarzen hin verurteilen. Ein Christ würde auch nie auf die Depositionen eines Schwarzen von der Sorte Konleys verurteilt worden sein. Wir sind der Meinung, daß man Jim Konley nicht glauben darf. Wir wollen nicht die Frage aufwerfen, ob Konley in diesem Prozeß die Wahrheit gesagt hat oder nicht. Der größte Lügner kann auch einmal die Wahrheit sagen. Aber einen Menschen auf die alleinige Beschuldigung eines Jim Konley hängen — das darf nie und nimmer geschehen. Unter solchen Voraussetzungen ist noch nie ein Weißer verurteilt worden.... Frank erklärt sich für unschuldig, und wer behauptet seine Schuld? Ein Mensch, der dreimal einen Meineid geschworen hat, der Aussagen ablegte, die er später selbst als Lügen bezeichnete — Jim Konley.... Rassenhaß ist an und für sich ein Verbrechen. Und wo er herrscht, gibt es eben keine Gerechtigkeit, kann man kein objektives Urteil erwarten. Zur Zeit des Prozesses hörte man immer, daß Mary Phagan entweder von dem Juden oder von dem Neger ermordet worden ist. Und ein Jude ist auch nicht mehr als ein Neger, nein, sogar weniger — wie die Verurteilung manifestiert.... Also, warum und worin ist Frank schuldig? Darin, daß er ein Jude ist. Wir schließen uns dem „Atlanta Journal", jenen Geistlichen und anderen gebildeten Menschen an, die ein neues Strafverfahren für Frank fordern. Wir verlangen dies, weil er ein Amerikaner, und weil er ein Mensch ist.... Frank war es leider nicht möglich, seine Unschuld zu beweisen. Die Folge seines Freispruches wäre ein Pogrom gewesen, denn die Massen, der Mob, war so fanatisiert und aufgehetzt worden, daß ein anderes Verdikt als „Schuldig" gar nicht möglich gewesen wäre...." Die Neger von Atlanta sind also, obwohl doch eigentlich Jim Konley zu ihnen gehört, überzeugt, daß e r der Mörder Mary Phagans ist, und sie stehen auch nicht an, es öffentlich zu erklären.... Vom Hilfsverein der Deutschen Juden. Berlin. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hielt Sonntag seine diesjährige stark besuchte Hauptversammlung ab. Nach dem von Tr. James Simon erstatteten Bericht über die Tätigkeit des Hilfsvereins im Jahre 1913 war der Hilfsverein im weiteren Aufsteigen begriffen. Die Mitgliederzahl hat sich erhöht. Die Jahresbeiträge beliefen sich mit derr Neuanmeldungen für 1914 bereits auf 185 000 ctl. Zu diesen regelmäßigen Jahresbeiträgen kamen eine Reihe von Schenkungen und Zuwendungen, die 1913 200 000 dt betrugen. Die regelmäßige Tätigkeit des Hilfsvereins, die Unterhaltung und der notwendige Ausbau des Schulwerks in den Ländern des Balkans und des Orients und das Hilfswerk für die armen Juden im Osten und für die Auswanderung, erforderte allein eine halbe Million Mark. Im Jahre 1913, wo das Balkanhilfswerk besondere Anforderungen stellte, erreichten die Ausgaben die Höhe von rund einer Million Mark. Das Schulwerk des Hilfsvereins umfaßt gegenwärtig 44 Anstalten mit insgesamt rund 7000 Schülern. Gegen Schluß des Jahres sei in .4 ... .... <(