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Das jüdische Blatt · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · p. Seite 12

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Das Mische Matt. Nr. 17 erzählt, so schimmert selbst durch seine Zukunftspläne und Zukunftshoffnung die Vergangenheit, die frohe, glückliche durch, er wünscht, daß sie immer, auch in ferner Zukunft ihn begleite: HM (hojo) die Vergangenheit, die durch das Waw zur Zukunft gebildet wird. Also in dem unscheinbaren „es war und „es wird sein", welch tiefe Mythologische Gedanken! Ähnlich könnte man vielleicht auch zwei andere Stellen der Tora durch ihre grammatikalische Ausnahmestellung erklären. Während nämlich nach dem Ile hascliaaloh — dem U welches einer Frage vorgesetzt wird und welches die Frage bezeichnet — der nachfolgende Buchstabe ohne Dagesch (Verstärkungspunkte) geschrieben wird, findet eine Ausnahme von dieser Regel statt bei °-p3 ruron, bei der Frage, die Jacobs Söhne an ihren Vater zu richten: „Ist dies der Rock deines Sohnes?", ferner bei EnEEEE DK DEHSEn und illEETl, bei dem Aufträge, den Mosche den Kundschaftern gab, „sehet nach, ob das Land fett ist, und ob das Volk in festen Städten wohnt." Es wag sein, daß diese Fragen, da sie doch nicht unbedingt als solche aufzufassen sind, deshalb eine Ausnahme bilden. Die Brüder Josefs wußten ja, daß dies der Rock ihres unglücklichen Bruders sei und stellten die Frage blos, uin ihren Vater 311 täuschen. Ebenso wußte ja Mosche von der Bodenbeschaffenheit des Landes, welches als EGH1 E^H PET bezeichnet wird und von den befestigten Städten der Bewohner - desselben EGJ? P1H1EE1 P?i“j. Er ließ die Kundschafter nur ziehen, um einem von ihm mißbilligten Verlangen des Volkes nachzugeben. Dies deutet die Tora an, indem sie einer grammatikalischen Regel bei Fragen eine Ausnahme gestattet. Wir sehen also, wie wichtig und bedeutungsvoll die vollständige Kenntnis der heiligen Sprache beim Studium der Tora ist, uni diese genau verstehen zu können. Ohne diese Kenntnis ist es unmöglich, die Tiefe des Gedankenreichtums der heiligen Schrift auch nur beiläufig erforschen zu können. Aber anberfeits bedarf es hierzu mehr als bloßes Hebräisch-Spre.t en, als bloße Kenntnis der grammatikalischen Regeln. Vertiefen in den Geist der Tora ist Vorbedingung. Fühlen, wie ein Jude fühlen muß, fühlen soll, jüdisch, toragemäß denken und fühlen und dann erst hebräisch sprechen. — Denn wieviel hat doch die Bibel der Welt geschenkt, von ihr aus kam das ethische Bewußtsein zu den Menschen. Und wieviele Redewendungen und Sprich- und Wahrwörter sind heute im Kreise der Menschen i n Laufe, welche der Bibel entnommen worden sind! Wie oft hören wir z. B. sprechen, „daß einem die Haare zu Berge stehen" und ahnen nicht, daß dieses Bild aus stammt, wo im 4. Kapitel der Freund Jjobs, Elisas von einer mächtigen Erscheinung spucht: 'HEG PTH^Ef HEDP/ es sträubten sich meine Haare, Oder ist nicht das deutsche Sprichwort: „Wer einem andern eine'Grube gräbt fällt selbst hinein" die wörtliche Übersetzung eines Verses im Kapitel 7 Thillims? Dort heißt es: pHE HG V'El IPPHCnH, „Eine Grube gräbt man, höhlt sie aus, und hinein fällt, der sie gemacht". Der Ausdruck „Verbrieft und versiegelt" stammt aus Jirmijohus Erzählung von dem Kaufe des Feldes seines Verwandten. „Der Prediger in der Wüste" und „Tauben Ohren predigen" sind aus Jesaja übernommen. HEH.EE NHlp Plp und pjypj HEEP HjTNH PTP DJ/m E^. Allgemein bekannt ist, daß die Redewendung „seine Hände in Unschuld waschen" aus Thillim 26 GE JV’pjE jTIHN entnommen ist. Jugendsünden entsprechen dem >H1>E PINTE P in Tillim 25. Wenn wir von einem „Koloß auf tönernen Füßen" sprechen, so bedienen wir uns eines Bildes aus dem Traume Rebukadnezars (Daniel 2). „Hi-vmel und Erde in Bewegung setzen" stammt aus Chaggai 2, 6 pNPI EGOT EPyHE ENI. Allgemein bekannt ist doch, woher „das Salamonische Urteil" entnommen ist. Aus der Tora selbst: „Zum Himmel schreien" GH ^Hp EHpyiE ”pPN oder ein „Kainszeichen" eine „babylonische Verwirrung", „Der Tanz ums goldene Kalb", „Zur Salzsäule werden". Diese Beispiele lassen sich noch in großer Zahl fortsetzen. Man sieht jedoch schon aus diesen wenigen, wie z. B. im deutschert Sprachgebrauche, viele Redewendungen der Bibel entnommen sind. ItnJb diese Tatsache bedeutet, daß der Gedankengang derselben rnitbestimmt den des modernen Menschen, denn eine Redewendung oder ein Spri l.wort kann nur dann gebraucht werden, wenn wir selbst uns diesen Gedanken zu eigen gemacht haben. Dieser kostbare Schatz, die Tora und ihre Sprache, welchen wir durch die Jahrtausende herübergerettet haben, hat uns selbst durch die Jahrtarrsende währende Golusdunkelheit gerettet. Und unsere erste und vornehmste Pflicht ist, nicht sie, die Tora und ihre Sprache anderen aufzudrängen, sondern uns selbst in ihrem Geiste zu vervollkommnen, die Völker und Nationen werden den Schatz schon selbst finden. 117 h *oy b2 nyn lyob Dy rrm H2bD: Daß die Crdenbewohner zur Erkenntnis gelangen, daß Gott allein und niemand außer ihm Herr ist — habet ihr zu wirken: „Daß Euer Herz vollkommen ist mit Gott". Also nicht bloß „hebräische Sprache" sondern die „Sprache der Tora" sei es, die unsere Sprache werde, Torageist, Torafühlen eignen wir uns an, Knipp jGp, heilige Spra l e werde sie, sei sie uns, und dies wird uns weiter tragen, weiter retten: IpT GE iHEE’P NP G, denn so wie die Wahrheit ewig ist, dauert Ihr dann ewiglich. Mutter und Soli». Die Geschichte einer Ehe. — Von Earoline Deutsch-Weiß. I. Das Städtchen B. lag an der ungarisch-mährischen Grenze zwischen bewaldeten, mäßig hohen Bergzügen wie eingebettet. Es lag so warm, so sicher und behütet da, als könnten ihm weder die Stürme, die offenes Land durchziehen, noch Leid und Leidenschaften, die sich in breiten, großen Straßen und hohen, glänzenden Häusern festsetzen, was anhaben. . . . Die Straßen waren schmal, die Häuser mit wenigen Ausnahmen niedrig. Auch auf dem Marktplatz standen ein paar ein- und zweistöckige Häuser, und vor der Kirche und dem Amtsgebäude war schlechte Pflasterung angebracht, wo im Sommer zwischen den Steinfugen Gras sproßte und im Winter bei Tauwetter die Schneelachen sich sammelten. . . . Eisik Rosenberger stand auf dem Markte in einer Gruppe seiner Glaubensgenossen und erörterte seine Ansichten. Aus seinen lebhaften Gebärden und den heftigen Gestikulationen seiner kurzen, dicken Arme war zu ersehen, daß ihn der Gegenstand sehr erregte. Die Schlußworte seiner Rede waren: „So etwas ist unerhört, ist noch nicht dagewesen!" Seine Zuhörer schienen ebenso aufgeregt und derselben Meinung zu sein, wie aus verschiedenen Zeichen ihres Benehmens hervorging. Mehrere Stimmen riefen: „Ja, ja, so etwas ist unerhört!" Aber nicht nur auf dem Markte, wo sich heute zwei Menschen trafen, wurde der Gegenstand besprochen, im Hause, auf der Straße, am lebhaftesten bei der Andacht in der Synagoge. Und bei allen war das verwunderte Kopfschütteln, welches Eisik Rosenbergers Ansicht bestätigte, daß so etwas noch nicht dagewesen sei. Die Aufregung wäre erklärlich gewesen, wenn irgendein allgemeines Unheil das Städtchen bedroht oder die Behörde irgendwelche scharfe Maßregeln direkt gegen die kleine Ge-

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