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Das jüdische Blatt · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · p. Seite 13

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17. 13 Das Mische Matt. meinde gerichtet hätte: eine neue Militäraushebung, eine nachmalige Steuererhebung. . . . Aber nichts von alledem war zu befürchten. Es handelte sich einfach um eine Privatsache, und die betraf zwei junge Menschenkinder: Der reichste, angesehenste junge Mann des Städtchens hatte sich mit dem ärmsten, gesellschaftlich tiefstehenden Mädchen verlobt. Eisik Rosenberger konnte schwerer als jeder andere über diese Tatsache hinwegkommen, und das mit gutem Grund. Er war der gesuchteste Heiratsvermittler in der ganzen Umgegend, und zahllos waren die Partien, die er schon zusammengebracht hatte. Die Entwicklung dieses Josef Schlesinger hatte er von jeher mit demselben Interesse betrachtet, wie etwa ein Landwirt ein wachsendes Getreidefeld, indem er im voraus den Nutzen berechnet, den es Ihm bringen wird. Er glaubte, eine Art Eigentumsrecht auf diesen jungen Mann zu besitzen, da seine Gedanken stets derart mit ihm beschäftigt waren. Josef hatte sich zwar seinen Anträgen gegenüber ablehnend verhalten, Eisik aber dachte: Es ist ihm noch nicht Geld genug. Und er hat recht; er verdient mehr! -Er wollte sich auch alle erdenkliche Mühe geben, um ihm etwas besonders Gutes zu verschaffen. Und nun hatte er ihm einen solchen Streich gespielt und sich mit Regi, der Tochter des Schammes Jäckel Müller, verlobt! Die Schlesinger'sche Familie war die reichste und angesehenste im Orte. Der Vater, der vor vier Jahren starb, war lange Jahre Vorsteher der Gemeinde. Mehr Gelehrter als Kaufmann, hegte er den Wunsch, daß sein Sohn, der einzig gebliebene von sieben Kindern, Rabbiner würde. Josef besuchte bis zum einundzwanzigsten Jahre die Rabbinerschule in Preßburg und eignete sich auch heimlich etwas deutsches Wissen all, da dasselbe öffentlich zu betreiben Anfang der achtziger Jahre bei den Talmudschülern noch etwas verpönt war. Nach dem Tode des Vaters gab er auf Wunsch der Mutter seine Studien auf und trat in das weitverzweigte Geschäft seines Hauses ein. Es war ein stattliches, einstöckiges Gebäude und nahm fast eine Seite des Marktes ein; denn die Stärkefabrik mit dem großen Hof, das Ladengeschäft, eine Art Warenhaus, welches mit allem zum Leben Nötigen das Städtchen versorgte, und die ausgedehnten Wohnräume, alles lag der Straße zu. Was die Leute am meisten bei diesem ganz ungewöhnlichen Falle wunderte, war, daß die stolze, selbstbewußte Frau Schlesinger/die sich als Erste im Städtchen fühlte und auch als solche galt, die Partie zugegeben hatte. II. In einem schmalen Seitengäßchen befand sich das kleine, niedrige Häuschen, in dem Jäckel Müller wohnte. Es bestand aus zwei Zimmern, einer Kammer und Küche. So unscheinbar und gedrückt es inmitten all' der anderen ärmlichen Wohnungen dalag, gab es doch eine Art Verbindung zwischen dem kleinen Häuschen in der Seitengasse und dem stattlichen am Markte: die Hintergebäude stießen zusammen; der große - und der kleine Garten waren nur durch einen niedrigen Zaun getrennt. Der alte Schammes Jäckel! So nannte man ihn feit Jahren, denn seit langen Jahren war sein Haar ergraut; jetzt war es schneeweiß, und er zählte achtzig Jahre. (Fortsetzung folgt.) Mk" Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich, inskefondere nicht hinstchtlich des rituellen Charakters der empfohlenen Maren. Gesucht energischer, seminaristisch gebildeter Lehrer streng orthodox, welcher in der Lage nnd gewillt ist, die Verwaltung des Hauses und die Verpflegung der Zöglinge mit zu übernehmen. Gehalt nach Übereinkunft. Meldungen mit Zeugnisabschriften an Tlllm«d-Th>ml-Inßitnt Sdjwabttdj C. U. * Der Vorsitzende: A. Grünbaum, Nürnberg, Krausstraße. 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