Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17: Das jüdische Klatt. 7 zwei Söhne, von denen der eine Notar in Molsheim, der andere Apotheker in Straßburg ist. Straßburg. Herr Oberrabbiner U r y gab am ersten Abend Jomtes den Seder im israel. Mädchenwaisenhaus zur Freude und Erbauung der Zöglinge. Neben dem Vorlesen der Agadah bekamen die Kinder Erklärungen und kleine Erzählungen zu hören. Straßburg. Wie uns von wohlunterrichteter Seite mitgeteilt wird, wurde Sonntag, den 29. März in Straßburg in Anwesenheit verschiedener religiös gesinnter junger Leute aus Elsaß-Lothringen eine Els.-Lothr. Agudas Jisroel-Jugendgruppe gegründet. Zweck derselben ist der Zusammenschluß aller religiös gesinnter Leute, um die Jugend zu positiven Juden heranzuziehen. Es wurde ein provisorisches Komitee ernannt und gehören demselben die Herren I. Bickardt, Straßburg, Steinring 14, 1. Vorsitzender; Dav. Bloch, Oberehnheim, 2. Vorsitzender; Theo. Ackermann, Straßburg, Kassierer; Andr6 Meyer, Mülhausen, 1. Schriftführer; M. Weil, Buchsweiler, 2. Schriftführer an und sind die Herren gerne bereit, jede gewünschte Auskunft zu erteilen. Es erhielten sämtliche Rabbiner Elsaß-Lothringens Mitteilung von der Gründung und haben schon verschiedene ihre Mitarbeit zugesichert. Bergheim. Eres Pesach wurde in Colmar Herr Simon B i ck a r t, der mehrere Jahre hier Gemeindevorsteher war, begraben. Der Verstorbene, der das Alter von 75 Jahren erreicht hatte, war vor zwei Jahren zu seinem Sohne nach Colmar übergesiedelt. Er war ein strenggläubiger Jehudi und als er vor wenigen Tagen sich einer Operation unterziehen mußte, sah er ohne Furcht noch Zagen dem herannahenden Tode ins Auge. Der große Leichenzug bezeugte, wie beliebt und geachtet der Verstorbene war. Vuchsweiler. Nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenen Leiden verstarb hier am zweiten Pesachtage in ihrem 53. Lebensjahre Frau G. Levy. Eine zahlreiche Menge gab ihr das letzte Geleite, ein Beweis der Teilnahme an dem Schmerze der Familie und ein Zeichen der Anerkennung der Tugenden der Verstorbenen. Colmar. Anläßlich der Verlobung der Tochter des Herrn Alfonse Bloch wurde das Bensch en versteigert und zwar zu 40 dl. Dieser Betrag wurde verteilt unter die Sociöte des Enfants de Sion in Colmar und das Jfr. Knaben-Waifenhaus von Hagenau. Colmar. Zur großen Armee abberufen wurde dieser Tage ein alter Kriegsveteran, Herr L. Ducas, der auf den Schlachtfeldern in Rußland gekämpft und die Erstürmung Sebaftopols 1855 mitgemacht hatte. Der Verstorbene, der einer längen und schmerzhaften Krankheit erlegen ist, die vor zwei Monaten noch die Amputation eines Beines nötig machte, erinnerte sich mit Stolz daran, wie ihm im Lazarett von Napoleon selbst die Medaille angeheftet wurde. Dambach. Im Alter von 49 Jahren ist Frl. Mathilde Bloch gestorben. Eine fromme Dulderin, der das Leben nie gelächelt, ist mit ihr dahingegangen. Ihrer greisen Mutter war sie eine zärtliche Genossin, ihrer Familie eine liebende Verwandte, vielen Freunden eine treue Freundin. Da ihre Bestattung am Chol-Hamoüd stattfand, konnte ihr ein Nachruf nicht gehalten werden. Es hüte sonst ihr Leben gepriesen werden müssen als Beispiel für Seelenstärke bei aller Ungunst des Geschicks, geschöpft aus inniger Gottesfurcht und Frömmigkeit. Möge ihr Andenken segensreich weiterwirken! kolbsheim. Der hiesige Kantor, Herr H a l p e r n, ist nach Finstingen ernannt worden und hat an den Halbfeiertagen seine neue Stelle angetreten. Lingolsheim. Das vom Jüd. Jugendbund auf Samstag, den 14. März anberaumte Konzert mit nachfolgendem Ball, findet infolge eingetretenen Trauerfalles erst nächsten Samstag, den 25. d. Mts., abends 9 Uhr im Saale zum „Roten Löwen" statt. Mülhausen. Die Verwaltung des Israel. Hospiz- Hospitals teilt in dem soeben erschienenen Rechenschaftsbericht 1913 unter anderem mit: Die Anstalt hatte 31 Pensionäre (1912: 35) im mittleren Alter von 64 Jahren. 8 starben, 2 schieden aus und 2 waren vorübergehend krank. Die Lage der Anstalt darf als günstig angesehen werden. 26 681,33 dl Einnahmen standen 22 464,21 dl Ausgaben gegenüber. Die gezahlten Pensionsbeträge beliefen sich auf 8660,79 dl, die vereinnahmten Zinsen auf 10 307,76 dl, die jährlichen Beiträge auf 4023 und die freiwilligen Beiträge auf 2109,78 dl. Die Zahl der jährlichen Beiträge hat gegen das Vorjahr etwas abgenommen. Die Verwaltung ersucht alle ihre Freunde und Gönner in und außerhalb Mülhausens um ihre treue Unterstützung. Mülhausen. Das Wohltätigkeitsbureau der Israelitischen Gemeinde Mülhausen veröffentlicht seinen Bericht über das Rechnungsjahr 1913. Wir entnehmen ihm das Folgende: „Um einen Einblick in unsere vielseitige Tätigkeit zu gewähren, wollen wir in Kürze nur folgendes ausführen: Zwei große Gruppen sind es, die in der Armenpflege unsere Fürsorge erfordern, nämlich die „Einheimischen Ortsarmen" und die „Fremden Wanderarmen". Zu den ersteren gehören die alten, alleinstehenden, schwach und siech gewordenen Männer und Frauen, die den Unterhalt des Lebens nicht mehr verdienen können, die kinderreichen Familien, die bei allem Kämpfen ums Dasein die bitteren Sorgen nicht bannen können, die Familien, die der unerbittliche Tod des Ernährers beraubte, so daß sie nun bei Mangel und Entbehrung noch ohne Halt und Stütze im Leben stehen, sowie die armen Kleinen, die vater- und mutterlos gewordenen Waisen. Bei uns suchen alle Hilfe, die die Schicksalsschläge des Lebens arm und kraftlos gemacht, die Kranken und Leidenden, denen wir Heilmittel und ärztlichen Rat verschaffen, die Unglücklichen, denen wir es ermöglichen, in einer entsprechenden Anstalt wenigstens noch ein menschenwürdiges -Dasein zu führen. Ja, so manchem sind wir auch beigesprungen, um ihm eine neue Existenz zu gründen, einen neuen Beruf ergreifen zu lassen, damit er aufs neue den Kampf mit dem Leben aufnehme und mit Gottes Hilfe von selber vorwärts komme. Die zweite Gruppe ist das große Heer der „Fremden Wanderarmen", die tagtäglich an unsere Kasse kommen und uns die größte Arbeit machen. Im abgelaufenen Jahre haben wir derer nicht weniger als 1620 abgefertigt und mit 2116,05 dl unterstützt." Das Budget 1913 schließt mit einer Bilanz von 9214,24 dl und einem Kassenbestand von 136,25 dl. Die jährlichen Beiträge betrugen 4413,80 dl, die freiwilligen Gaben 3317,70 dl. All Ortsarme wurden ausbezahlt 4584,20, an Durchreisende 2116,05 dl. Das Bureau ersucht die noch Fernstehenden, seine Bestrebungen zu unterstützen, um in höherem Maße den Unterstützungsuchenden gerecht werden zu können. Bayern. Fürth. Am 5. März fand hier eine Generalversammlung des allgemeinen Jugendfürsorgeverbands statt. Bei dieser hielt der 1. Schriftführer, Herr Oberlehrer Karl Hiller, einen überaus lehrreichen ilnd interessanten Vortrag über: „Die Unterbringung Jugendlicher in Anstalten". Nach einer ausführlichen und eingehenden Behandlung der hiefür bestehenden Wohlfahrtsinstitute,