Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Nr. 17 Das jüdische Matt. 1)6 Irl aussi toutes ces magnifiques lois de purete, dont la sidrah ne forme qii’un cliapitre a la conclusion bien claire: «Carmoi l’Eternel, je suis votre Dieu; vous devez «donc vous sanctifier, et rester saints parce que je suis «saiut, et ne point contaminer vos personnes par tous «ces reptiles qui se meuvent sur la terre. Car je suis * l’Eternel qui vous ai tires du pays d’Egypte pour etre «votre Dieu; et vous serez saints parce que je suis saint. EHp CTSSHp cn^ni» (Devitique XI, 44, 45). Voila le corps et Tarne, selon le judai'sme. CommC A. Lipman. -^- Aie sympaliiische Stellung Spaniens zu den Juden. Die spanischen Regierungssphären legen, wie es heißt, einen großen Wert darauf, die jüdischen Kreise günstig für sie zu beeinflussen. Der frühere Unterstaatssekretär des Aeußeren Gonzales Hontoria verbreitet in der deutschen Presse einen Artikel, der als übereinstimmend mit der Auffassung amtlicher Kreise gelten darf und der übrigens schon deshalb Beachtung verdient, weil der Verfasser zweifellos noch dazu berufen ist, seine Ideen zu verwirklichen. Er geht von dem Buche des Senator Anzel P u l i d o aus, der zuerst unter den Spaniern die Idee vertrat, die Sephardim (Spaniolische Juden, die in Afrika, in der Türkei und in der Levante verbreitet sind), die 1492 aus Spanien vertrieben worden find, wieder für Spanien zu gewinnen. Herr Hontoria betrachtet nun die verschiedenen Wege, die zur Verwirklichung der Annäherung der Spaniolen an Spanien führen können: Der einfachste. war natürlich der einer organisierten Einwanderung, der jedoch unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen Spaniens kaum gangbar erschien. Blieb also die Erwägung von Maßregeln, die geeignet wären, die Spaniolen an Ort und Stelle in mehr oder weniger rechtsverbindliche Beziehungen zur Heimat ihrer Vorfahren zu bringen. Die naheliegende Gründung von Schulen, die namentlich die Aufgabe gehabt hätten, das durch mehr als vierhundertjährige Verbannung mit fremden Elementen durchsetzte Spanisch der Sepharditen zu korrigieren, muhte aus finanziellen Gründen unterbleiben. Dagegen schien es möglich, die Verbindung mit den Sepharditen durch Gewährung des spanischen Bürgerrechts oder sonstigen diplomatischen Schutzes herzustellen, und in diesem Sinne wurden die spanischen Konsulate im Orient, vor allem in Salonik, in vergangenem Jahr angewiesen, den an sie herantretenden Spaniolen das weitestgehende Wohlwollen entgegenzubringen.'*' Auch der kürzliche Empfang des Vorstands der „Jüdisch-Spanischen Vereinigung" (Asociacion hispano hebrea) von Tanger durch den König und mehr verglichen Sympathiebeweise sind hier zu nennen. Ferner aber erwog man, daß einem Volke gegenüber, dessen Einheit wesentlich auf geistiger Grundlage ruht, gerade auch Veranstaltungen geistiger, d. h. wissenschaftlicher Art sich besonders eindrucksvoll erweisen dürften. Aus dieser Erwägung namentlich ist die vom Ministerium des Aeußeren veranlaßte, als Vorstufe zur Gründung eines jüdisch-wissenschaftlichen Lehrstuhls an der Madrider Universität gedachte Einrichtung heroorgegangen, die (wie schon gemeldet wurde) am 24. März mit den Vorlesungen des aus Berlin berufenen Orientalisten Pahuda über jüdische Zivilisation in Spanien und gegenwärtige Lage der Sepharditen" ins Dasein trat. Herr Hontoria sieht den Zweck dieser Vorträge schon dadurch erreicht, daß es gelingt, „den Juden aller Länder den Irrtum darzutun, in dem sie befangen sind, wenn sie glauben, daß im spanischen Volk trotz der gesetzlich garantierten Gewissensfreiheit der Geist der Verfolgung noch lebendig und feine Ausbrüche beständig zu befürchten feien". Auch wenn man die Hoffnung des Herrn Gonsales-Hontona nicht teilt, daß gerade die Vorträge des Herrn Yahuda das erwünschte Kulturzentrum bilden werden, von dem eine nachhaltige Wirkung auf die Gesinnung der Juden gegenüber. Spanien ausgehen wird, so verdient doch das ernste Streben der spanischen Regierung, die Juden anzuziehen, nur die höchste Anerkennung. Die spanische Regierung glaubt ein gewisses Widerstreben der spaniolischen Juden gegen Spanien zu bemerken und gibt sich alle Mühe, die etwa noch bestehenden Bedenken zu zerstreuen. Es gibt zwar in Sevilla eine kleine Gemeinde marokkanischer Juden, die ihren eigenen Religionsdiener hat. Aber die marokkanischen Juden zeigen wenig Lust, dieses Beispiel nachzuahmen und sich in Spanien anzusiedeln. Die Furcht vor dem Cherem hält sie zurück, der 1492 ausgesprochen wurde und der es den Juden verbietet, sich in Spanien niederzulassen. Obgleich übrigens bis jetzt alle Kreise der Regierung, der junge König voran, den Juden in Spanien fortdauernd Sympathiebeweise geben, worin auch die Geistlichkeit nicht zurücksteht, ist es der jüdischen Gemeinde bis jetzt nur gestattet, sich als Verein zu gründen. Jedoch gestattet das spanische Gesetz nicht, sie als Religionsgemeinde anzuerkennen. Es sind also trotz der offiziellen Freundlichkeiten die gesetzlichen Vorbedingungen für eine ungehinderte Entfaltung jüdischer Kräfte in Spanien nicht gegeben. Nichtsdestoweniger muß man zugeben, daß die spanische Regierung vom ernsten Willen erfüllt ist, die Juden durch Gewährung von Recht und Schutz ihren Interessen dienstbar zu machen. Sie hat rasch eingesehen, ein wie wertvolles Kulturelement die Juden (20—25 000) im spanischen Marokko für sie sind. Mag auch das Staatsinteresse für diese Judenpolitik maßgebend sein, so gewinnt diese doch Bedeutung und Schätzung, wenn man sie mit der Politik vergleicht, die Griechenland gegenüber den Juden in Salonik anschlägt, und mit der zweifelhaften doppelsinnigen Haltung der rumänischen Regierung gegenüber den Juden der jetzt annektierten Dobrudscha, die früher Bulgaren waren. Man weiß heute noch nicht, ob die rumänische Regierung diesen Juden der Dobrudscha, die vor dem Balkankriege unter bulgarischer Herrschaft Vollbürger waren, das rumänische Bürgerrecht gewähren wird. Wie vorteilhaft sticht davon das staatskluge Verfahren Spaniens in Marokko ab! Das Ministerium des Aeußeren in Madrid hat die ihm unterstellte „Gesellschaft für das Unterrichtswesen in Marokko" (Junta de Ensenanza en Marruccos) beauftragt, „die etwaigen Lücken auszufüllen, die sich hinsichtlich der Spezialstudien über das jüdische Volk im offieziellen Unterrichtsprogramm bemerkbar machen". Und auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens hat die Regierung das Verlangen, die geschäftlichen Unternehmungen der marokkanischen Juden zu fördern und das möglichste zu tun, um sie als 'Werkzeuge zur Hebung und Stärkung der spanischen Vormacht in Marokko zu benutzen. Mag nun auch der spanische Staat mit diesen Plänen eine Jnteressenpolitik betreiben, so kann sich diese Geschäftsklugheit der spanischen Regierenden sich mit den Interessen der marokkanischen Juden sehr wohl vertragen und vermählen und für beide Teile günstige Resultate zeitigen. Angesichts der schmählichen Judenunterdrückung in anderen Staaten auf Kosten der Landesinteressen ist dieses Symptom des Wiedererwachens der politischen Vernunft mit Genugtuung zu begrüßen. Eine Ironie der Geschichte bleibt es immerhin, daß dieses katholische Spanien sich jetzt gedrungen fühlt, durch mehrere staatspolitische