Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Das jüdische Klatt 7 schlossen, daß in unserem neu herauszugebenden Verzeichnis jemand Aufnahme finden könnte, der kein „wahrer Jehudi" ist. — In den Vorstand des Vereins zur Förderung rit. Sp. sind seitens unserer Vereinigung delegiert Herr Hotelier Hugo Levy- Bremen unter Aufsicht des Herrn Rabb. Dr. Rofenack-Bremen. und ich, der Unterzeichnete, seit 28 Jahren unter Aufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Carlebach in Lübeck stehend. Wir haben beide keinen Schäumer! Wenn wir auch von Ihnen, Herr Weißkopf, kein Attest über das einwandsfreie Kaschrus in den Betrieben unserer Mitglieder verlangen, so verbitten wir uns ganz energisch, in der breiten Öffentlichkeit unsere diesbezügliche Zuverlässigkeit in Zweifel zu ziehen. Vereinigung der jüdischen Hoteliers und Restaurateure. I. A.: Jos. Gold schm itt, Vorsitzender. Erwiderung auf den offenen Brief des Herrn Goldfchmidt, Vorsitzender der neuen Vereinigung der jüdischen Hoteliers und Restaurateure. Ich werde mich des Platzmangels wegen kurz fassen. — Die besten Beweise, daß ich mit meinem Artikel in Nr. 12 1 den Nagel a u f den Kopf getroffen habe, sind sowohl die vielen Zustimmungen, die ich erhalten, als die Angriffe gegen mich seitens des Herrn Goldschmidt. Doch diese prallen ab, da ich solche einfach ignoriere. Deren Verteidigung beweist nur zu deutlich die Wahrheit meiner Behauptungen. Ich beschränke mich daher auf Widerlegung der wichtigsten Punkte in G.'s Ausführungen, welche zu deutlich dafür sprechen, daß ich recht hatte.- 1. Tatsache ist, daß Herr Goldschmidt seinen eigenen Stand desavouiert, wenn er angibt, daß es jüdische Restaurationen gibt (und zwar im Verzeichnis viele!), die er nicht als Restaurationen anerkennt. Für uns sind sie es, da sie streng Koscher haben. H. G. beleidigt hierdurch die Mitglieder seines eigenen Standes und diesen s e l b st. — 2. Tatsache ist, daß sich eben manche große Restauration nicht den Satzungen des Hamb. Vereins, der für den reisenden Jehudi als Richtschnur gilt, fügen wollte, dadurch sind die kleinen Restaurationen entstanden, damit man wirklich koscher essen kann. — 3. Tatsache ist, daß es hieße „den Bock zum Gärtner machen", wollte man dem neuen Vereine die „Schmiro" überlassen, selbst wenn er Rabbinatsatteste als Unterlage hätte, da bekanntlich das Attest von einem Rabbiner z. B., der die heilige Thora als eine Geschichtsschreibung und Gesetzgebung Moses, und nicht von einem höheren Wesen kommend hinstellt, für den ortho-' doxen Jehudi nicht maßgebend sein kann, in welchem Falle für den Verein der fromme Schochat, Schäumer und selbst Kaufmann maßgebender ist als ein derartiger Rabbiner. 4. Tatsache ist, daß die 5-Pfennig-Erhebung nicht aus den Taschen der Restaurateure geschehen soll, sondern d u r ch d e r e n Vermittelung von den Gästen. 5. Tatsache ist: Würden die Restaurateure sich nicht gegen die 5-Pfennig-Erhebung gewehrt haben, würde sich kein Gast darüber aufgehalten haben. Wenn z. B. ein Gast mit drei Freunden kommt und auch für diese mitbezahlt, also eine Rechnung anstatt von 8,60 Mark mit 8,65 Mark zahlen soll. — In Süddeutschland ist man noch kleinlicher, und zwar in allen, auch christlichen Restaurants, und berechnet noch 3 Pfg. bzw. 6 Pfg. für Brot extra. — 6. Tatsache ist, daß ich in mindestens ebenso reinlichen Restaurationen verkehre, wie die Herren Goldschmidt und andere. Auch das ist eine Desavouierung seines eigenen Standes. Denn gerade z. B. die Schweiz, sowie Straßburg, Karlsruhe, Stuttgart weisen sehr reinliche jüdische Restaurationen auf. — 7. Tatsache ist, daß ich mit meinem Artikel nicht das jüdische Wirtschaftsgewerbe im ganzen gemeint habe, sondern bei Gelegenheit der Besprechung der Gründung einer Vereinigung nur die Schattenseiten angeführt habe, welche sich da und dort im jüdischen Wirtsgewerbe zeigen, damit der Verein feine Ziele "auf Beseitigung dieser Schattenseiten richtet. 8. Die mit dem Hamburger Verein unzufriedenen Restaurateure haben doch den besten Ausweg, anstatt mit Angriffen gegen diesen zu kommen, einfach auf Mitführung ihrer Adresse im Vereinsverzeichnis Verzicht zu leisten. Der beste Beweis, daß ich in meinem Urteile nur gerecht bin, zeigt die Anführung der Beispiele in Nr. 6 dieses Berichtes. —■ I. L. Weiskopf, Fürth. Eöln. Die Idee der Agudas Jisroel beginnt, wenn auch etwas spät, so doch nicht minder kräftig als anderwärts auch in den hiesigen gesetzestreuen Kreisen ihre werbende Macht zu entfalten. Infolge einer begeisterten Predigt, die Herr Rabbiner Dr. Carlebach vor kurzem in der Synagoge der Gemeinde Adaß Jeschurun hielt, wurde der Gedanke, auch hier eine Ortsgruppe zu begründen, zu neuem Leben erweckt. Zahlreiche Beitrittserklärungen erfolgten sofort, und ein daraufhin zusammengetretenes provisorisches Komite hat bereits die vorberatenden Arbeiten zu einer in allernächster Zeit stattfindenden größeren Gründungsoersammlung erledigt. Saarbrücken. Am 22. März feierte Herr Jakob Alexander- Marx, Viehhändler in Saarbrücken, in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag, aus welchem Anlaß ihm von vielen Seiten reiche Ehrungen zuteil wurden. Der Jubilar gehört zu den Veteranen der Kriegsjahre 1866 und 1870, hatte sich manches Ehrenzeichen erworben. Er erfreut sich einer ausgezeichneten Gesundheit und Rüstigkeit und geht selbst noch seinen Geschäften nach. Im Kreise seiner Frau, Kinder und Enkel, geehrt von vielen Freunden und Bekannten, wurde er bei diesem Feste entsprechend gefeiert. Samler. Herr Rabbiner Dr. Leopold Wrefchner feierte am 15. März fein 25jähriges Dienstjubiläum als Rabbiner der Gemeinde Samter. Rabbiner Dr. Cohn aus Rawisch hielt die Festrede. Dr. Wreschner hat sich in den 25 Jahren, in denen er in Samter gewirkt hat, nicht nur um die Ausbreitung von Gottesfurcht und Thorawissen über die Kreise seiner Gemeinde hinaus verdient gemacht, sondern er hat sich und dadurch dem jüdischen Namen bei den Behörden und bei den Körperschaften anderer Religionsbekenntnisse Ansehen erworben. , Kaden. Zu den badischen Synode-Wahlen. Wir geben nachstehend eine vergleichende U ebersich l der Wahlberechtigten zur Synode in den Jahren 1898, 1911 und 1914, woraus die rapide Abnahme der israelitischen Landbevölkerung deutlich in die Erscheinung tritt. Wahlberechtigt sind in d e r H a u p t s a ch e alle über 25 Jahre alten jüdischen Einwohner. 1898 1911 1914 1. Wahlbezirk (Konstanz) ..... . 187 212 195 2. „ (Gailingen-Randegg) . . . 200 169 162 3. „ (Müllhcim-Sulzburg) . 190 161 147 4. „ (Stadt Freiburg) ... . . 189 319 326 5. „ (Emmendingen-Breisach) . 272 290 281 6. „ (Offenburg) . ... . 399 348 344 7. „ (Bühl-Baden-Baden) . . 307 372 348 8. „ (Karlsruhe-Pforzheim) . . 498 — — 8. „ (Stadt Karlsruhe) . . . — 586 590