Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. 6 Das Mische Kiatt. Guntz ein dreimaliges Hoch auf unseren Allerhöchsten Landesherrn aus, in das alle Anwesenden kräftig einstimmten. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß Herr Dreyfuß sich im ganzen Tale ber größten Achtung und Beliebtheit erfreut, sodaß alle seine Mitbürger freudigen Anteil an seiner Auszeichnung nehmen. Winzenheim (O.-Els.). Nach langer, mit unendlicher Geduld ertragener Krankheit ist Frau Leon M u l l e r in ein besseres Jenseits abberufen worden. Sie war eine aufrichtig fromme Frau von hervorragender Herzensgute. In vorbildlicher Weise hat sie alle religiösen Gebote mit peinlicher Gewissenhaftigkeit beobachtet und auch ihre Kinder in Frömmigkeit und Gottesfurcht erzogen. Die Armen beweinen in ihr eine stets hilfsbereite, aufrichtige Wohltäterin. Zu jeder Zeit fanden sie bei ihr freundliche, gastliche Aufnahme, soviele auch kommen mochten, der Tisch war immer für sie gedeckt; gestärkt und gelabt verließen alle ihr frommes, gastfreies Haus. Das große Trauergefolge, welches sie zur letzten Ruhe geleitete, legte Zeugnis ab von der großen Verehrung, welche sie allenthalben genoß. Möge der Allgütige dem tiefgebeugten Gatten und den trauernden Kindern reichen Trost spenden. Bayern. Bamberg. Im hiesigen Literaturverein hielt unser Vorstand, Herr Justizrat Dr. Werner, einen klaren, eingehenden Vortrag über die Revisionsfrage; der Referent sprach sich entschieden gegen Austrittsmöglichkeit, Proportionalwahlrecht und Zentralkasse aus. Dem Redner wurde großer Beifall zuteil seitens der außerordentlich gut besuchten Versammlung. Preußen. Herrn H. Weißkopf aus Fürth die Antwort auf feine Polemik gegen die Vereinigung der jüdischen Hoteliers und Restaurateure. Verehrter Herr Weißkopf, Sie haben eine ganze Anzahl von Behauptungen aufgestellt, welche Sie nimmer zu beweisen in der Lage sind. Den Kernpunkt der ganzen Sache haben Sie gar nicht erfaßt. Nicht gegen den Verein richtet sich unser Angriff, sondern gegen die Vereins leitu n g. Diese hat die Pflicht der striktesten Jnnehaltung der Satzungen. Das ist nicht geschehen! Und wenn nur e i n Mitglied unserer neu begründeten Vereinigung beitragzahlendes Mitglied des Vereins z. F. r. Sp. wäre, so hat dieses volle Berechtigung, Lärm zu schlagen, wenn die Vereinsleitung die satzungsgemäßen Bestimmungen nach irgend einer Richtung hin verletzt. — Aber es sind eine ganze Anzahl unserer Restaurateure und Hoteliers Mitglieder des Vereins, und wir alle wollten, außer vielem anderen, durch diese Gründung Protest einzulegen versuchen dagegen, daß 1. wir uns als erfahrene Männer keinerlei Diktatur gefallen lassen wollen, daß wir das Regiment in unseren 4 Pfählen selbst ausüben; 2. soll unsere Vereinigung verhindern, daß die Vereinsleitung, wie dies geschehen, unsere Herren Rabbiner zurücksetzt, sich selbst mit der Gestellung vom Schomrim beschäftigt, sich dadurch in den scharf umrissenen Kreis der Rabbiner stellt, denen einzig und allein das Recht zusteht, darüber zu befinden, auf welcher Grundlage dem betreffenden Restaurateur das Neemonus zuzubilligen ist. Außerdem aber sind diese dem zuständigen Rabbiner bekannter, als dem Vorstande des Vereins z. F. r. Sp. Durch derartige Eingriffe in die Rechte der Herren Rabbiner hat die Vereinsleitung eine Kritik über den Verein heraufbeschworen, welche diesem verhängnisvoll werden mußte, und er ist nahe daran, seinen Nymbus zu verlieren. Das aber wollten wir verhindern! Und aus diesem und noch anderen Gründen (Ihnen diese alle auseinanderzusetzen, ist der Rahmen einer Zeitungspolemik zu eng begrenzt) haben wir unsere Bedingungen an den Verein gestellt, von deren Erfüllung es abhängt, ob wir mit dem Verein in Harmonie zusammen arbeiten können oder nicht. Dieser Verein ist ins Leben gerufen worden, die rituellen Speisehäuser zu stützen und zu fördern. Es läge also im Vereinsbereich, wenn die Vereinsleitung unseren Wunsch erfüllt hätte, ja noch mehr, es wäre sogar diplomatisch klug gewesen, da doch der Verein mit unserer Vereinigung in gewissem organischem Zusammenhänge steht, unser Vereinsmitglied zu werden, um dadurch zu dokumentieren, daß die Interessenvertretung unseres Standes auch für den Verein von großem Werte ist. Aber die Vereinsleitung hat uns links liegen lassen, sie geht um uns herum, wie die Katze um den heißen Brei, ein definitives Resultat ist bis heute nicht gezeitigt. Herr Weihkopf, sehen Sie sich das Verzeichnis des Tiereins doch einmal genauer an, der größere Teil sind Garküchen und kleine Speisehäuser, von denen Sie nicht auf unsere größeren und besseren Betriebe in unserer Vereinigung schließen können, denn wir stehen nicht auf gleicher Stufe. Daß Sie diese Leute, die die 5-Pfg.-Blocks ausgeben, „ehrliche", „echt jüdische" im Gegensätze zu uns nennen, darüber, mein verehrter Herr Weißkopf, mit Ihnen zu rechten, erübrigt sich. Ein jeder schreibt und spricht so, wie er es versteht. Aber gerade Sie, der über ein Vierteljahrhundert reist, dem die Beobachtungsgabe mit den Jahren gewachsen sein müßte, gerade Sie sollten uns doch etwas höher einschätzen, Sie sollten auf die Wirte nicht so losfuhrwerken. Wissen Sie denn nicht, daß kein Mensch auf der ganzen Welt sich freiwillig einem Zwange unterwirft, wissen Sie denn nicht, daß niemand sich zwangsweise besteuern läßt. Wir in unseren größeren Betrieben, welche an die Arbeitskraft und die Arbeitsleistung des Einzelnen diese hochgespannten Anforderungen stellen, wir sind nicht dazu da, den Aerger der Gäste und deren Unwillen über die durch keine Vernunftsgründe zu rechtfertigende Art der Besteuerung über uns ergehen zu lassen. — Ihre Behauptung, daß wir Restaurateure in bezug auf Reinlichkeit, Verpflegung und Bedienung diejenigen, welche nicht auf koscher reflektieren, in die christlichen Restaurants hineintreiben, gibt den Beweis, daß Sie, verehrter Herr, nicht in anständig geleiteten Betrieben verkehren, noch verkehrt haben und alles über einen Kamm scheren, die Hauptsache bei Ihnen ist: „Nur was zu essen!" — Seit Jahren sind wir bemüht, es in jeder Beziehung den erstklassigen christlichen Wirten nach jeder Richtung hin gleichzutun, sie uns hinsichtlich einwandsfreier fachmännischer Führung zum Vorbild zu nehmen. Das Ziel des Strebens unserer neubegründeten Vereinigung ist darauf gerichtet, in dieser die gemachten Erfahrungen auf gastronomischem Gebiet gegenseitig auszutauschen, damit diese Gemeingut aller Mitglieder werden können. Ob dies nun mit oder ohne Vermittlung des Hamburger Vereins geschieht, kann uns vollständig gleich sein. Der Verein hat unsere sich ihm entgegenstreckende Hand bis jetzt noch nicht ergriffen, demzufolge sind wir gezwungen, unseren Weg alleine uns zu suchen, Am Schlüsse Ihrer Polemik sagen Sie etwas, was Sie als frommer Jehudi nicht sagen durften: „Wenn wahre Jehudim dem Hamburger Verein zur Aufnahme in dessen Verwaltung vorgeschlagen werden, so zweifle ich nicht daran, daß er sich bereit erklärt, solche in die Verwaltung aufzunehmen!" Aus dieser Aeußerung erkennt man deutlich, wie wenig objektiv S i e sind, und darum muß ich als Vorsitzender unserer Vereinigung, der ich zu sein die Ehre habe, ihre Voraussetzung : ganz entschieden zurückweisen. Unser Verein besteht aus 60 Mitgliedern (es können auch inzwischen noch mehr geworden sein), alles Inhaber größerer Betriebe, welche ausnahmslos unter Aufsicht streng orthodoxer Rabbiner stehen. Es ist ganz ausge-