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Das jüdische Blatt · 1914-04-03 · 14 (3.4.1914) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das Mische Blatt Nr. 14. 9. Wahlbezirk (Stadt Bruchsal) . . . . 158 197 191 10. „ (Bruchsal-Land) .... . 238 212 185 11. „ (Stadt Heidelberg) . . . 117 225 246 12. (Heidelberg-Land) . . . . 276 291 190 13. (Stadt Mannheim) . . . . 1037 1402 1422 14. „ (Bretten-Eppingen) . . . 258 195 190 15. (Mosbach-Sinsheim) . 372 327 300 16. (Tauberbischofsheim-Wertheim). . .364 319 305 17. (Stadt Pforzheim) . . . — 192 200 Mannheim. Die antisemitischen Tendenzen im Wandervogel sind hier zum Tagesgespräch geworden und beschäftigen die hiesige politische Presse in spaltenlangen Artikeln. Anlaß gab dazu der Austritt des Prof. Schmidhenner aus der Gauleitung des Gau Baden im Wandervogel, der der Führer der hiesigen Mädchengruppe I gewesen und der öffentlich erklärte, daß der Antisemitismus ihm das Leben im Wandervogel zur Unmöglichkeit gemacht, nicht weil er Jude wäre, sondern weil er die Hetze gegen die jüdischen Kinder nicht mitmachen wollte. Es könne von ihm nicht gebilligt werden, wie es im Heft 2 der Wandervogelzeitung vom Februar 1914 stehe, daß nur deutsche Arier Mitglieder sein könnten; wurzele dieser Beschluß doch auf der bedauerlichen Behauptung, daß der Wandervogel aus deutschem Blut, aus deutscher Erde gewachsen sei und daher alle Juden ausschließen müsse. So tief ist die allgemeine Verstimmung über das bis jetzt nur wenig bekannte „Hinausekeln" der jüdischen Kinder sowohl in der Mädchenals auch in der Bubengruppe, daß sie Widerhall fand in der dieswöchentlichen Bürgerausschußsitzung; der demokratische Stadtverordnete Oberlehrer Ihrig kam auf die oben geschilderten Vorkommnisse zu sprechen und sprach sein und seiner Freunde tiefstes Bedauern aus. Was sonst im Bürgerausschuß nicht üblich, ihm wurde lautes Händeklatschen als Anerkennung von allen Seiten. Auch von anderer Seite wurde scharf gerügt, daß man in die Kinderseelen schon Haß von pädagogischer Seite säe. Nun beginnt auch in jüdischen Kreisen die Frage bejaht zu werden: Hat man Anlaß, jüdische Wandervogelvereine zu gründen, soll man überall warten, bis man hinausgeekelt wird oder sind die Separationsvereine in jüdischem Gesangs-, Turn-, Sport-, Studenten- und Wandervogelvereine zu verstehen? Dem hiesigen Blauweiß-Verein wird sicher manch neuer Freund erstehen. Schvn wandern jeden Sonntag drei Gruppen — trotz Wind und Regen. Es herrscht ein bewundernswerter Geist in ihnen; ganz dem Judentum früher fernstehende Jungen begeistern sich an den jüdischen Liedern; jüdische Mädchen fangen an hebräisch zu treiben; die Erwachsenen finden sich zudem in Heimabenden zusammen, beschäftigen sich daselbst mit jüdischen Fragen, studieren, ihre Marschlieder und freuen sich, wenn ein Ausländer sie die Jargonlieder lehrt; das Blauweiß-Liederbuch, in großer Auflage gekommen, ist schon ausverkauft und ein Sederabend beschlossene Sache. Der rührige Vorstand hat — das dürfte auch viele wanderlustige Leser interessieren — in Hemsbach an der Bergstraße ein Sommerheim gemietet mit Uebernachtungsgelegenheit für jeden, der hinkommt. Diejenigen Leser, welche die schöne Bergstraße kennen lernen wollen und mit dem Blau-Weiß sympathisieren, können daselbst einkehren; alles nähere unter der Adresse „Blau-Weiß", Briefablage Hotel Neu in Mannheim. (Wie wir im letzten Augenblick erfahren, hat sich die Miete des Heims in Hemsbach zerschlagen. Red.) Belgien. Antwerpen. Vergangenen Dienstag veranstaltete das provisorische Komitee der hiesigen Ortsgruppe der „Agudas Israel" die erste öffentliche Versammlung. Schon lange vor Beginn des Vortrags war der prunkvolle und sehr geräumige Saal des Diamantklubs „Fortuna" gefüllt. Viele Hunderte hatten der Einladung Folge geleistet. Wie der Erfolg zeigte, hatte das Komitee in der Wahl seines ersten Redners besonderes Glück. Herr Rabbiner Dr. Klein aus Nürnberg sprach „Ueber das Wesen der Agudas-Jsroel". In einer fast eineinhalbstündigen Rede gab der Referent ein klares und übersichtliches Bild von dem Ziele und Zwecke der Aguda. Mit seiner meisterhaften Beredsamkeit verstand der Vortragende die Zuhörer an seine Ausführungen, die von glänzenden homiletischen Gedanken durchwoben waren, zu fesseln. Tosender Beifall folgte den Ausführungen und die neue Ortsgruppe hatte an diesem Abend einen Zuwachs von z w e i Hunde r t f ü n f z i g Mitgliedern zu verzeichnen. Ein Erfolg, der wohl einzig dastehen wird. Den Ausführungen schloß sich eine lebhafte und mitunter sehrerregte Diskussion an, die von seiten zionistischer Gäste geführt wurde. Der Referent verstand es, in ruhiger und rein sachlicher Weise zu erwidern. Dem Komitee der hiesigen Ortsgruppe gehören folgende Herren an: Geldzähler M., Lehrer Grünspan, der Geschichtsforscher Wolf Jawetz, Kreupel B., Kreupel H., Lamun M., Lipschütz M., Ratzerdorfer Fredel, Spira Koppel, Steinfeld M., Ullmann Adolf, Dr. Wolfs. Es wurde beschlossen, eine Anzahl Kurse einzurichten. . Besonders freudig ist es zu begrüßen, daß der Altmeister der jüdischen Geschichte, Herr Wolf Jawetz, Vorlesungen über die jüdische Geschichte halten wird. Auch für die ^“10,3 Kurse sowie für Vorlesungen über jüdische Literatur und Philosophie sind bereits bewährte Kräfte gewonnen worden. Dr. A. Sa Wochenkalender. j 1914 | 5674! Sabbat 4. April 8. Nissan Sun nnü' .12 Sonntag 5. „ 9. „ Montag 6. * io. „ Dienstag 7. ,. 11. „ Mittwoch 8. „ 12. „ nsipn Donnerst. 9. „ 13. „ Freitag 10. „ 14. „ ncD my Gebelszeilen. (Freitagabend) (Sabbatausgang) Ansbach. 7 U. Bafel . -. 7 U. " Fürth . .. 7 U. 30 Mülhausen. 7 U. 40 Nürnberg: Synagoge Essenweinstraße . . 6 U. 30 7 11. 31 Stratzburg: Synagoge Kleberstaden . . . . 7 U. 00 7 U. 40 „ Kageneckerstraße . . 6 U. 3o 7 U. 40 . Stuttgart.. . . 7 u. 36 (Amtswoche: Stadtrabb. Dr. Kroner, Kirchenrat.) Wriefkasten. s. W. in I. Nur mit Schalen.

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