Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Das jüdische $l«tt und war zahlreich besucht. Der Realschüler R e n 6 Bloch von hier hielt einen Vortrag über das Leben Berthold Auerbachs. Der junge Redner schilderte die großen Verdienste des berühmten Schriftstellers und Dichters. Ren6 Bloch spricht sehrschön und deutlich und erntete einen reichen und verdienten Beifall. Im Laufe des Sommers werden zwei bis drei Ausflüge gemacht, und zwar, wenn möglich, in corpore. M. \V. s Horburg. Der hier geborene Emil Gabriel Bloch, Sous- Intendant 1. Klasse in der französischen Armee, wurde zum Intendant und Directeur du service de l'intendance des 6. Armeekorps zu Chalons für Marne ernannt. Diese Stelle entspricht dem Grad eines Brigade-Generals. Der Beförderte ist am 5. Februar 1857 geboren. Er besuchte die Schule von Saint-Cyr und trat im Jahre 1889 zur Intendance über. Metz. Den Schluhvortrag im Verein für Iüd. Geschichte und Literatur hielt Dr. I. Schneider aus Straßburg über Napoleon und die Juden. Der Vortrag selbst sowie die anschließende Diskussion waren sehr interessant. Der Literaturverein hat in diesem Jahre 4 deutsche und 2 französische Vorträge halten lassen, die alle sehr gut besucht waren. Metz. Ein schönes Fest feierte der Verein Bikur Cholim der hiesigen Ausländer. Letzten Donnerstag und Samstag wurde eine neue Sefer Thora eingeweiht. Die ganze Gemeinde beging diese Tage festlich. Am Donnerstag wurde die Thorarolle, die in Ungarn geschrieben wurde, aus dem Krankenhause in die Synagoge Adas Jeschurum in feierlichem Zuge gebracht. Der Herr Oberrabbiner, Verwaltungsmitglieder und viele Freunde waren der freundlichen Einladung gefolgt und erfüllten die seltene Mizwoh, die Sefer Thora zu Ende zu schreiben. Die hiesige Gemeinde der Ausländer hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt und zählt heute schon fast 100 Familien. Muhig. Die hiesige Schule, deren Aufhebung schon voriges Jahr geplant war, ist nun tatsächlich aufgehoben worden zum großen Bedauern der hiesigen Gemeinde. Die Schule zählte jedoch nur noch 11 Kinder, von denen 3 dem Lehrer Herrn Bär gehören, der nach Sulz u. W. versetzt ist, und Zuwachs ist nicht zu erwarten. Reubreisach. Hier wurde Herr Achilles Levy, Eisenhändler, einstimmig zum Vorsitzenden der Raiffaisen'schen Spar- und Darlehenskasse gewählt. , Saargemünd. Am 22. ds. Mts. fand im Oratorium der Konsistorialsynagoge in Straßburg eine außerordentliche Generalversammlung der Vorsänger Elsaß-Lothringens statt. Sie dürsten bereits im Besitze des Berichtes über den Verlauf der Sitzung fein. Es darf aber nicht mehr verschwiegen werden, welche Mißstimmung und Gärung sich der Kantoren seit einiger Zeit bemächtigt hat. Unter anderem hörte man folgende Auslassungen. Was ist bis heute erreicht worden? Welche Erfolge hat der Vorstand des Verbandes aufzuweisen? Was könnt Ihr durch das Konsistorium bezwecken? Was wissen die Gesetzgeber im Landtage, welche Rolle im religiösen Leben die Kantoren spielen? Wir sind ja ärmer als der kleinste Straßenwärter und jeder Hilfsbremfer! Wenn die Finanzreform kommt und die andern Kultusbeamten vorher bei der Regierung für sich selbst zu sorgen haben und es dann in zweiter Reihe an uns kommt, so wird sicher wieder die Bewilligungsmaschine versagen. Und was antwortet der Vorstand des Verbandes: Was zu tun war, ist geschehen, wir haben Schritte genug getan beim Konsistorium. Da? Konsistorium und seine Mitglieder interessieren sich um unser Los und um unsere Zukunft. Will man nicht zehn neue Stellen mit 720 Ji Jahresgehalt für Euch von der Regierung verlangen? Gibt es nicht Euch Gelegenheit auf leichte Art die Religionslehrer-Prüfung zu bestehen? Ja! In unserem Dörflein mit 20—30 Balbatim bin ich ja schon so sehr angesehen. Ich verkehre z. B. mit christlichen Schullehrern, ich war bei dem protestantischen Pastor eingeladen, der Herr Major hat mir an Kaisersgeburtstag eine Zigarre.geschenkt. Meine israelitischen Mitbürger haben mich lieber als den Rebbe und den stolzen Lehrer. Ich glaube keine bessere Stelle zu bekommen, wenn ich die Religionslehrerprüsung bestanden habe. In Elsaß-Lothringen will man einen guten Sänger und einen guten Chasen, das ersehn wir an denjenigen Herren, die die besten Stellen innehaben. Und da der Vorstand des Kantoren-Verbandes keinen materiellen Erfolg für den Augenblick aufzuweisen hatte — da murrte das ganze Volk. Der Ausschuß hätte müssen von Zeit zu Zeit in den beiden jüdischen Zeitschriften Berichte und Aufklärungen bringen über sein Tun und Lassen. Man verlangt Statistiken über Anstellungen und Einkommen sämtlicher Kantoren Elsaß-Lothringens. Man verlangt weiteste Verbreitung in der Oeffentlichkeit und insbesondere Aufklärung der Regierung und der Mitglieder beider Kammern. Die Verzagtheit und der Verdruß ist wohl erklärlich, aber noch dürfen die kleineren Kantoren die Flinte nicht ins Korn werfen. Das Konsistorium ist nicht imstande, im Momente mehr zu tun. Der K. B. bedarf einer strammen Führung. Wir müssen Männer haben die jetzt schon an die Arbeit gehen. Jawohl, die Regierung muh wissen was der Kantor alles tut und leistet für die jüdische Religion. Man orientiere die Regierung daß 75 % der Kantoren am Hungertuche nagen. Baboker jomar mi jitein erew, ouwoeref jomar mi jitein boker! Aber and) unsere Rabbiner und unsere Vorstände müssen uns helfen im Kampfe um das tägliche Brot. — Entweder es wird den elsaß-lothringischen Kantoren geholfen — indem für seine Gegenwart und Zukunft gesorgt wird — oder aber der elsaßlothringische Kantorenstand — der von Gott begnadete — ist in naher Zukunft dem Untergange geweiht. K. Sulz u. W. Nach 13jähriger Wirksamkeit hier hat am vergangenen Montag Herr Lehrer Samuel Bloch unfern Ort verlassen, um seine Stelle in Wolfisheim anzutreten. An feine Stelle wird Herr Lehrer Bär aus Mutzig hierherkommen. — Am Montag abend sollte ein Vortrag des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hier stattfinden. Die Versammlung ist aber wieder abgesagt worden. Weiler (Kr. Schlettstadt), 26. März. Dem Brandmeister der hiesigen Feuerwehr, Herrn Heinrich Dreyfuß, wurde von S. M. dem Kaiser das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Aus diesem Grunde war gestern nachmittag Herr Kreisdirektor Dr. Petri aus Schlettstadt in unserem Städtchen anwesend, um dem verdienten Manne die Auszeichnung persönlich zu überreichen. Hierzu hatte sich im Saale des Gemeindehauses der Gemeinderat und die Feuerwehrkompagnie, der Herr Dreyfuß 38 Jahre lang als treues Mitglied ununterbrochen angehört, versammelt, um der Ehrung beizuwohnen. Von der Feuerwehrkapellc wurde der Jubilar von seiner Wohnung abgeholt und mit klingendem Spiel zum Gemeindehaus geleitet, wo ihm der Vertreter der Regierung nach freundlicher Begrüßung und einer zu Herzen gehenden Ansprache das Ehrenzeichen an die Brust heftete. Hierauf ergriff der Feuerwehrhauptmann, Herr Guntz, das Wort, indem er die Verdienste des Dekorierten, noch ganz besonders hervorhob und im Rom an der aesomten Feuerwehr für die Ehrung dem Regrerunas. oretreter fernen herzlichen Dank aussprach. Sodann brachte Herr