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Das jüdische Blatt · 1914-04-03 · 14 (3.4.1914) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Das jüdische Klatt. Nr. 14. wurden durch Akklamation wiedergewählt. Ferner wurden in den Vorstand Herr Alex Asch und Herr Felix Levy (Goldne 21) als Inspektoren gewählt. Vivat, li great, erescat. Slraßburg. Die Gattin des Herrn Sigmund Roos ist letzten Montag nach kurzem Krankenlager im Alter von 58 Jahren verschieden. Herrn Roos, dem verdienstvollen Mitgliede des Verwaltungsrates des Mädchenwaisenhauses, der sich besonders um den Neubau des Waisenhauses verdient gemacht hat und auch sonst in der Gemeinde viel gutes gestiftet hat, wird umso mehr überall Teilnahme entgegengebracht, als er erst vor 2 Jahren den einzigen Sohn, der Gerichtsassessor, verloren. Möge der Himmel ihm Kraft verleihen, den herben Schicksalsschlag zu ertragen. Straßburg. Das Generalkommando des 15. Armeekorps hat an das ifrael. Konsistorium des Unter-Elsaß folgendes Schreiben gerichtet: Auf das Schreiben vom 19. März d. Js. No. 483 betreffend das israelitische O st e r f e st, teilt das Generalkommando mit, daß Beurlaubungen wie in früheren Jahren stattfinden werden, soweit nicht dienstliche Interessen entgegenstehen. Von seiten des Generalkommandos Der Chef des Generalstabes gz. Graf von Waldersen, Oberst. Colmar. In der „Neuen Zeitung von Straßburg" vom 27. März findet sich folgende Notiz: Schenkung an die c l säfft s ch cn M useen. Frau F. Langweil, eine in Paris lebende, aus Colmar gebürtige Dame, hat den Museen von Straszburg, Colmar und Mülhausen eine bedeutende Zahl ostasiatischer, chinesischer, japanischer und tibetanischer Kunstgegenstände zum Geschenk gemacht. Frau F. Langweil gehört zu den Spezialhändlern der ostasiatischen Kunst in Paris. Sie hatte mit einem bescheidenen Lädchen in einem Hinterhanse aus dem Boulevard des Italiens begonnen. In den Jahren, in denen der Geschnrack und alsbald auch die Sammlerleidenschast für China und Japan sich entwickelten, versah sie die Sammler mit jenen Meisterwerken einer technisch raffinierten Kleinkunst, die auch heute noch, nachdem sich der europäische Besitz an ostasiatischer Kunst ungeheuer vermehrt hat, ihren vollen Wert bewahrt haben. Bald übersiedelte sie aus dem zu eng gewordenen Raum in ein prächtiges Palais auf der Place Saint-Georges, wo sich nun die Herrlichkeiten Ostasiens, die chinesischer! Porzellane, die Bronzerr und Lackarbeiten Japans, die Malereien und Farbendrucke in ungeheurer Auswahl den zahlreichen Besucherrr darboten. In denn Augenblicke, da sich Frau F. Langweil zurückzieht, bietet sie den Museen ihrer Heinrat einige Proben der Kunst, die den Gegenstand ihrer Tätigkeit gebildet hat. In einigen Wochen werden in einem besonderen Raum der Groszen Metzig die Gegenstände vereinigt sein, die sie der Stadt Straszburg zugedacht hat: zahlreiche Kakemorws, Skizzenbüchcr von japanischen Malern, architektonische Keramik aus China,, Lackarbeiten und Schwertstichblätter aus Japan. Die Eröffnung dieses Raumes wird seinerzeit bekannt gegeben .werden. .. Frau Florette Langweil ist .hier keine unbekannte Persönlichkeit. - In ihren jungen Jahren wanderte sie nach Paris aus, wo sie ihr Glück suchte und auch fand. Mit ihrem Manne, einem Israeliten aus Aegypten, gründete sie ein Geschäft für Altertumsfachen und wurde sehr reich. Sie besitzt zwei prachtvolle Hotels, das eine in Paris, place St. Georges, gegenüber dem Hotel von -Thiers» das andere in vallee de la cheuvreuse, unweit Paris. — Vor vier Jahren besuchte ein Verwandter von mir von hier mit einem Freunde die alte Colmarerin. Sofort führte sie die beiden Landsleute in ihr Magazin, das mit chinesischen und japanischen Altertumsschätzen aufgehäuft war. Sie stellte den beiden Freunden frei, einen Gegenstand auszuwählen. Sie deuteten scherzend auf eine- Vase, die sie sofort herunternahm. Die beiden Herren ver- - weigerten jedoch die Annahme... Kurz darauf, verkaufte Frau F. Langweil dieselbe für 80 000 Fr. Mein Verwandter und sein Freund nahmen nur einen alten chinesischen Jatagan. Zur Strafe, daß jeder so einfach gewählt hatte, mußten sie ein Sous bezahlen. — Frau Langweil nimmt in der Pariser Gesellschaft eine hohe Stellung ein. Sie ist mit den ersten politischen und aristokratischen Kreisen in Verbindung. Als sie vor einigen Jahren in Colmar war, erhielt sie von Frau Scheurer-Kestner, der Gemahlin des berühmten Senators, der so heldenhaft den Kapitän Dreyfus verteidigte, folgende Einladung: J’aijappris votre passage a Colmar et j’espere que vous ne quitterez pas 1 Alsace sans venir ine voir. Trotz des großen Reichtums ist Frau Florette Langweil eine einfache jüdische Frau geblieben, die ihr gutes Herz besonders gegenüber ihrem Bruder zeigte. Derselbe hatte ein kleines Trödlergeschäft gegenüber dem Museum: Joseph Ebstein. Da er leidend war, scheute sie keine Mittel, um ihm Genesung zu verschaffen. Einst erfuhr sie, daß eine hocharistokratische Dame von Paris in ihrem Auto eine Reise nach Colmar unternahm, und beauftragte diese mit herzlichen Grüßen an ihren Bruder. Und siehe, eines Tages hielt ein prachtvolles Automobil vor dem kleinen Trödlergeschäft. Eine feine Dame entstieg ihm und überreichte dem Bruder die schwesterlichen Grüße. Frau Florette Langweil-Ebstein hat durch ihre Gabe an die Museen der drei großen elsässischen Städte ihre Liebe zur Heimat und ihren Wohltätigkeitssinn bewiesen. Colmar.*) Ein unendlicher Leichenzug gab Sonntag, den 22. März, einer in der Blüte der Jahre dahingerafften frommen Frau das letzte Geleite. An den Folgen einer Operation ist Frau Henri W e i l l, geb. Stern im Alter von nur 36 Jahren gestorben. Die Dahingeschiedene, die in Jerusalem geboren war, hat sich durch ihr freundliches und bescheidenes Wesen an allen Orten der Wirksamkeit ihres Gatten, der früher Lehrer in Dambach und Westhofen war, nur Freunde zu gewinnen gewußt. Ihrem Gatten war sie eine treubesorgte Gefährtin, ihrem einzigen Sohne die zärtlichste und hingebungsvollste Mutter. Dem tiefen Schmerz um ihren frühen Heimgang gab Herr Oberrabbiner W e i l l im Sterbehaus beredten Ausdruck; am Grabe rief ihr Rabbiner Dr. Bloch aus Barr, als Freund der Familie, noch ein Wort liebevollen Gedenkens nach. Die Anteilnahme an der Trauer der Familie ist allgemein, möge darin ein Trost für sie liegen! Dieuze. Nach langer Krankheit verstarb Frau Abraham von hier und wurde Sonntag zur letzten Ruhe gebracht. Herr Rabbiner H. Dreyfus, Mörchingen, gab in seinen Abschiedsworten ein schönes Bild der Verstorbenen, die eine fromme Frau gewesen und von allen Freunden und Bekannten beliebt und geachtet war. Großblittersdors. Auf die Notiz in der letzten Nummer von einer Spaltung der hiesigen Jung-Chewro sei erwidert, daß wegen der Verlegung (nicht Aufhebung) des Jomkippurkoton von 18 Mitgliedern ganze zwei ausgetreten sind. Auf .dies Minimum schrumpft die aufgebauschte Angelegenheit zusammen; von der Neugründung einer Chewro ist gar keine Rede. Die Chewro ist über die ganze Affäre zur Tagesordnung übergegangen. s Grussenheim. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurden auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe mehrere Grabsteine von ruchlosen Händen demoliert. Als Täter sollen mehrere halbwüchsige Burschen in Betracht kommen. Anzeige wurde erstattet. Hagenau. Jugendbund. Der Vereinsabend vom vergangenen Samstagabend bildete den Schluß der Wintertätigkeit *) Erscheint auf Wunsch der Familie erst in dieser Nummer. (D. R.) 1

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