Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 14. Das jüdische glatt 3 Um 10 Uhr tagten die Mitglieder der Pensions- und Witwen- und Waisenkasse der Kantoren Elsaß-Lothringens. Der Präsident beider Kassen, Herr Konsistorialrat Aron Weil, begrüßte mit herzlichen Worten die Erschienenen. Nach Verlesung des Geschäfts- und Kassenberichts wurde dem Kassierer, Kantor Weil-Dörnach, in überaus schmeichelhafter Weife für dessen sorgfältige Geschäftsführung von seiten des Vorsitzenden gedankt und von der Versammlung Decharge erteilt. Die Bestätigung der von den Kollegen Kauffman n-Strahburg, K a h n-Saargemünd, Jako b-St. Ludwig ausgearbeiteten neuen Statuten wird vertagt. Interne Angelegenheiten, Gesuche, Petitionen werden noch erledigt, woraus gegen 11 Uhr die Sitzung zu Ende war. Um 1K Uhr eröffnete Präsident Oberkantor Heymann- Straßburg die Außerordentliche Generalversammlung des E.-L. K.-V. Derselbe begrüßte die Erschienenen mit einem kräftigen „Schalem Alechem". In seiner Ansprache betonte derselbe, daß nicht die Wichtigkeit der Tagesordnung allein, sondern auch das Bestreben, eine gegenseitige Aussprache zu fördern und einen kollegialen Gedankenaustausch zu erleichtern, maßgebend war für die Einberufung der Generalversammlung. Aus dessen Bericht entnimmt die Versammlung die Kooptierung von Oberkantor Z i v y-Metz zum Ausschuß, ebenso die Nachricht vom Ableben dreier Kollegen, Oberkanten: Metzge r-Colmar, Kantor M a nt o ux-Dieuze, Kantor K o ch - Neuweiler, deren Andenken durch Erheben von den Sitzen seitens der Versammlung geehrt wird. Sechs weitere Mitglieder sind aus dem Vereine ausgetreten teils infolge Wegzugs, teils infolge Ausscheidens aus dem Amte. Die Aussprache endigt in einem Appell an die Teilnehmer zu ruhiger sachlicher Beratung der Tagesordnung. Es wird von der Demission des Kollegen Kauffmann- Straßburg als Schriftführer mit Bedauern Kenntnis genommen, und demselben für seine Tätigkeit noch einmal gedankt, worauf zur Wahl zweier Ausschuhmitglieder geschritten wird. Dem Vorschläge des Ausschusses zufolge werden die Kollegen Meyer- Dettweiler und R a ß-Hagenau gewählt. Neuaufnahmen wurden oorgenommen und schließlich Herrn Alfred Haguenauer, Sekretär des Konsistoriums, das Wort erteilt zur Aufklärung in Sachen der Ersatzkasse. Redner bespricht ausführlich die Gründe, aus welchen die Vermittlung des D. I. G. B. der Regierung gegenüber resultatlos blieb. Die sachlich gehaltenen Ausführungen zeugten von dem guten Willen der beteiligten Faktoren, der aber doch an dem Widerstande des Bundesrates scheitern mußte. Der Vorsitzende dankt dem Redner für dessen fast zweijährige Vermittlungsarbeit. Kantor K a h n-Saargemünd sowie Kantor I a c o b-St. Ludwig beantragen die Errichtung einer Sterbekasse des E.-L. K.-V. mit einem Beitrag von 2 Jt pro Fall. Die Diskussion dieses Antrages wird vertagt. Kantor H o f st e i n-Diedenhofen bedauert, daß der E.-L. K.-V. nach außen hin nicht genug auftritt, insbesondere bemängelt er die Verschwiegenheit, mit welcher man die Ausschußsitzungen behandelt. Er glaubt, daß dieses besonders zu der Auffassung berechtige, der Verband tue seine Schuldigkeit nicht. Es war dieses nur ein Uebergang zu der etwas bewegter sich gestaltenden Diskussion über das Verhältnis des E.-L. K.-V. zum A.-D. K.-V. Die Kollegen H o f st e i n-Diedenhofen und L u d w i g-Mülhausen finden in der Annäherung an den A.-D. K.-V. die Sicherheit, systematischer Durchführung gewisser Projekte zur Förderung der Kantorensache in E.-L. In einer längeren Rede widerlegt Kollege K a u f f m a n n-Straßburg diese Anschauungen durch aktenmäßigen Nachweis einer fast bewußten Rücksichtslosigkeit des A.-D. K.-V. gegenüber dem E.-L. K.-V. Er begründet seine Aeußerungen damit, daß trotz des nun seit langer Zeit bestehenden Anschlusses kein Beweis gemeinsamer Arbeit vorhanden sei. Oberkantor Kahn-Saargemünd betont des öfteren, daß für ein Zusammenarbeiten der beiden Verbände gar keine Grundlage vorhanden sei, da abgesehen von der politischen auch die der professionellen Eigenheit eine ganz verschiedene sei. Nachlängerer Debatte kam man zu dem Entschlüsse, daß das Verhältnis beider Verbände nicht gelöst, sondern eine Basis gefunden werden soll zur gemeinsamen praktischen Arbeit. Um 5 Uhr wurde die Generalversammlung geschlossen. Felix Bloch. Lolmarer Brief. Geehrter Herr Redakteur! ... In meinem Briefe von letzter Woche drückte ich die Befürchtung aus, ich könnte von dem schönen Feste etwas vergessen haben. Leider ist es geschehen. Nun soll es flugs nachgeholt werden. Als unermüdliche fleißige Büfettdamen und Verkäuferinnen haben sich ausgezeichnet: Frau Maurice Bloch, Witwe Maurice Meyer, Karl Hirsch, Jules und Joseph Hildenfinger, Henry Dreyfuß, Albert Libmann, Lucien Revel und Paul Netter, sowie Fräulein Marthe Bernheim, Aline Samuel, Jeanne Rueff und Elise - Levy. Letztere hat das Gedicht „Zur Renovierung unserer Synagoge", verfaßt. Letzten Samstag abend wurde von den beiden Komites der „Socinte de Patronage des Jeunes Gens Jfranlites" und den „Enfants de Sion" die nicht verlosten Spenden versteigert. Der Erlös betrug 103 di. An dieser Stelle sei auch dem Organisator des ganzen Festes, Herrn Heinrich Bodenheimer herzlich gedankt. Unaufhörlich, keine Mühe scheuend, war er stets bei der Arbeit und selbst am Samstag abend wußte er, einem Versteigerer zum Trotz, die zurückgebliebenen Waren in der liebenswürdigsten Weife anzubieten. Wir hoffen zuversichtlich, daß Herr Bodenheimer bei den nächsten Festlichkeiten seine organisatorischen Talente uns wieder zur Verfügung stellen wird. Nicht vergessen wollen wir auch die rührige Präsidentin der „Socinte des Enfants de Sion", Fräulein Pauline Levy, die Tag und Nacht für das Gelingen des Festes besorgt war. Kaum der Schulstube entronnen, war sie stets mit Arbeiten für das Fest beschäftigt. Selbst ihre gut bezahlten Privatstunden opferte sie um ihre ganze Kraft einfetzen zu können. Auch ihr sei hiermit auf das herzlichste gedankt. Die Socintn de Patronage des Jeunes Gens Jsrcmlites und die Sociotn des Enfants de Sion danken herzlich'allen denjenigen, welche zum Gelingen des Wohltätigkeitsfestes beigetragen haben. Slraßburg. Letzten Samstag abend fand im Saale des Hotel Blum-Goldfchmidt die jährliche Generalversammlung des Vereins „Mutuelle" statt. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten Herrn Marx Blum sprach derselbe zunächst seinen Dank aus für die ihm anläßlich seines siebzigsten Geburtstages seitens des Vereins erwiesene Ehrung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß es ihm auch fernerhin vergönnt fein möge, den Verein leiten und nach Kräften fördern zu können. Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der letzten Generalversammlung erfolgte die Vorlage des Rechenschaftsberichtes, laut welchem die Situation des Vereins, obwohl auch im abgelaufenen Jahre.an feine Kaste hohe Anforderungen gestellt worden waren, als eine glänzende erscheint. In den letzten 8 Jahren ist . das Vereinsvermögen von 21600 di auf 48 000 di gestiegen. Dem Propagandakomitee gebührt große Anerkennung, denn dasselbe ist fortgesetzt bemüht, dem Verein neue Freunde und Mitglieder zu gewinnen. So hatten sich heuer wieder 17 junge Männer um Aufnahme in den Verein beworben, sodaß jetzt die Mitgliederzahl ca. 120 beträgt. Der Schatzmeister, sowie 3 andere Mitglieder des Komitees,