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Das jüdische Blatt · 1914-04-03 · 14 (3.4.1914) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Das Mische Blatt Nr. 14. Zahlstelle: Bankhaus Veit, Selberg & Cie., Berlin, Postscheckkonto 4396. Vad Homburg v. d. Höhe. Zu der seltenen Feier eines □'pD 7E755fn konnten sich am 15. crt. die Mitglieder "£"E/n ri"Orpm Hause der Familie Dr. Kotek, ihrer langjährigen Lehrstätte, zusammenfinden. Hier war Ende 1902, also vor ungefähr 12lA Jahren, auf Anregung und unter Leitung des leider allzu früh verblichenen Rabbiner Dr. Kotek mit dem Studium des "□"£? begonnen worden. Bon den Mitgliedern, welche seit Gründung der Bereinigung angehörten und regelmäßig am Lernen sich beteiligt hatten, waren anwesend Herr Kantor Herz und Herr Leo Scharatzik. Dem letzteren wurde die Ehre zuteil, den Schluß des Traktats vorzutragen; er unterzog sich dieser Aufgabe mit der Meisterschaft des erfahrenen Talmudisten, nicht ohne einige beziehungsvolle Worte einleitend ooranzuschicken. Da nach jüdischem Grundsatz die Pflege des Gesetzes kein Ende und keine Grenze kennt, so wurde, dem alten schönen Brauche folgend, der neue Zyklus von Herrn Rabbiner Dr. Winter sogleich mit wieder angefangen und von Herrn Kantor Herz fortgesetzt, und von beiden Herren in vollendeter Ausführung vorgelernt. An diese akademische Feier schloß sich das Festmahl an, das der Besitzer vom Hotel Braunschweig, Herr Raphael Klein, der Schwiegersohn des verewigten Herrn Dr. Kottek aus Anlaß des erfreulichen Ereignisses hochherzig spendete. Herr stud. med. Kottek begrüßte die Gäste im Namen der Familie Kottek und gab seiner Genugtuung Ausdruck, daß heute der Bau, den sein Vater begonnen, mit dem Schlußstein gekrönt werden könne; er sprach gleichzeitig seine Freude aus, daß die vO"^ri nran auch fernerhin im Sinne des Verblichenen zu wirken gesonnen sei. Alsdann ergriff Herr Rabbiner Dr. Winter das Wort. Er gedachte in zu Herzen gehender Weise seines so sehr verdienstvollen Vorgängers, der sich mit der Einrichtung diess Lernens ein bleibendes und unvergängliches Denkmal gesetzt, unvergänglich, da es auf dem Fundament der Gotteslehre sich aufbaut. Lehre und Leben sind im Judentum eins. Die Thora kennt keine Gegensätze zwischen Theorie und Praxis. Der Jude lebt feine Lehre und diese Lehre wiederum führt zum Leben; einen „Baum des Lebens" nennt sie die heilige Schrift. Lebendig im Inhalt, lebendig aber auch in der Struktur des Gedankens. Die Idee, die den Ausgang unseres Talmud beherrscht, klingt bereits in seinen ersten Worten an, Ende und Anfang harmonisch verknüpfend, wie der Redner an Hand von Talmud und Midraschstellen geistvoll ausführt. Die Thora, um deren willen Israel geschaffen, Israel, dem diese Thora als äußerliches Geschenk gegeben, von ihnen gilt das Wort des Dichters: „Wie alles sich zum Ganzen webt, Eins in dem andern wirkt und lebt." Herr Kantor Herz ist es ein Herzensbedürfnis, in dieser Stunde des Führers und Lehrers, der uns gleich HTO den Weg gewiesen und geführt hat, das glückliche Ende der Wanderung aber nicht erleben sollte, in Verehrung und Dankbarkeit zu gedenken. Noch umweht uns in diesem Hause der Hauch seines Geistes und in der Wirksamkeit dieses Zirkels ist sein frommes Streben und Wollen verkörpert. Ja, nach einem Talmudspruch nimmt er noch Anteil an dem, was unser Innerstes bewegt und beschäftigt: ’PDD HyW XV "ü "D ■"DpD niüDH. Wenn der Ausspruch eines Weisen zitiert wird, bewegen sich die Lippen des Dahingegangenen im Grabe." Alles Irdische ist vergänglich, alles Lebende sterblich, nur die Idee dauert. Durch die Idee lebt der Lehrer fort im Geiste seiner Schüler bis in die fernsten Geschlechter in segensreichem Wirken. So lebt auch Dr. Kottek "S"^f fort in diesem Kreise, den er geschaffen: zu lernen und zu lehren: , Tp.^. ^rr Holpern aus Frankfurt am Main, der zeitweilig, während eines vorübergehenden Aufenthaltes, dem Lernen beigewohnt hat, erfreute die Tischgesellschaft mit einer nKTH/ in welcher er mit großem Scharfsinn die Verbindungslinien aufzeigte, welche von Thora zu Jsroel und zu Schabbos führen, und aus der Beziehung dieser Faktoren zueinander die großen Gedanken des Judentums entwickelte. Herr Lehrer Goldschmidt preist sich glücklich, daß es ihm vergönnt sei, an einem Orte zu wirken, wo man die Thora nicht nur zu schätzen, sondern auch zu pflegen wisse. Die Glückwünsche der Gemeinde überbringt der erste Vorsteher, Herr Stadtrat Braunschweig. Er toastet auf die gastfreundliche Familie Kottek, welche der rTDIl M ihrem Bestehen bis heute ein Heim geboten hat. Von dieser Pflanzungsstätte jüdischen Wissens falle ein Abglanz auf die ganze Gemeinde; der Familie Kottek und der m^H gebühre hierfür großer Dank. Herr J)r. med. Rosenthal widmet seinen Trinkspruch den Herren, deren ununterbrochene und eifrige Betätigung im Dienste der guten Sache nicht genug anzuerkennen sei, Herrn Scharatzik und Herrn Kantor Herz. Herr Raphael Klein dankte im Namen der gastgebenden Familie allen Anwesenden, insbesondere dem Vertreter der Gemeinde, Herrn Stadtrat Braunschweig, für seine der Familie Kottek gewidmeten Worte. Den Dank der Festteilnehmer an die Familie Klein stattete Herr Rabbiner Dr. Winter ab, der sodann das Tischgebet verrichtete. Frohe, unterhaltende Reden und ein beifällig aufgenommener Liedervortrag des Herrn Ansbacher-Frankfurt a. M. hielten die Teilnehmer noch lange beisammen. In den Annalen der THUn wird dieser Tag als Ehrentag zu verzeichnen fein. Möge es mit Gottes Hilfe vergönnt fein, noch oftmals solche Feste zu begehen und solch große Erfolge zu erzielen und jenes höchste Gut zu erlangen, von dem wie bei keinem zweiten das Dichterwort gilt: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." Fritz Katz. II Korrespondenzen. il -— Glsafi-Lollirmaen. - Außerordentliche General-Versammlung des Els.-Lolhr. kanloren- Verbandes zu Slraßburg i. E. Am Sonntag den 22. März fand zu Straßburg eine außerordentliche Generalversammlung des Els.-Lothr. Kantoren-Derbandes statt. Vormittags 9 Uhr tagte dessen Ausschuß in der kleinen Synagoge. Vorsitzender Oberkontor Heymann begrüßte die Erschienenen, worauf die einzelnen zur Tagesordnung stehenden Punkte beraten wurden behufs eventueller Stellungnahme. Kollege Weill- Bifchheim übernimmt an Stelle des ausscheidenden ersten Schriftführers, Kantor K a u f f m a n n-Straßburg, das Amt eines ersten Schriftführers mit Vorbehalt. Kollege K a u f f m a n n-Straßburg wird durch einstimmiges Vertrauensvotum als Mitglied der Kantoren-Prüfungskommission weiter bestätigt. Auch wird seine nicht hoch genug zu bewertende Tätigkeit als erster Schriftführer gelobt und mit Bedauern dessen Demission angenommen. Bei der Wahl von zwei Ersatzausschußmitgliedern sollen die Kollegen Meyer- Dettweiler und R a ß-Hagenau vorgeschlagen werden. Eine Stellungnahme zur A. D. K. V. (Allgemeiner deutscher Kantoren- Verband)Frage wird abgelehnt, um einer Debatte in der Plenarversammlung nicht vorzugreifen.

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