Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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■Reicb und Ausland: Teltungspreisltlte. «syern: Lettungsnummer S4S. Geschäftsstelle: M. DuMont Schauberg, Ttrahburg i. Elf. Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eicht,»ger, König!. Hofbuchhändler, Ansbach <Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Ttratzburg durch die Elsässische Aktiengesellschaft vorm. «. Ammel. *3» Basel durch I. Nordmann. Socinsiraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Stteifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. da» Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Ir. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. dar Jahr. Ju Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. daS Jahr. In England 2 Schilling. Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - Abonnements nimmt jede poltanltalt entgegen. V. Zabrgang. Ttratzburg, 3. April 1914, 7. Nissan 5674. ißi\ 14 Inhalt. Leitartikel: Der große Sabbat. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Briefkasten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Vermischtes. — Bücherbesprechung. — Sprechsaal. — Gedaljah. — Inserate. Zu ^n;n ratff. Z>er große Saökat. Seit alten Zeiten schon wird danach geforscht, warum gerade dieser Sabbat vor dem Passahfeste.der große Sabbat genannt wird. Mancherlei Lösungen werden uns kundgegeben. Versuchen wir es mit einer Auswahl und wagen wir es, schließlich in den schon so großen Kreis noch ein Glied einzufügen. Am 10. Nissan war es, als Mose dem Volke Israel den Befehl des Allmächtigen überbrachte, ein Lamm zum Passahopser in aller Oefsentlichkeit zu bestimmen. Das Lamm war ein den Aegyptern heiliges Tier. So ward dieser 10. Nissan-Sabbat der erste Tag des frohen Bekennermutes. Wir feiern die Erinnerung an dieses Wunder im Menschen und an das Wunder, mit dem der Allmächtige die Entrüstung der Aegypter in stumme Bewunderung verwandelte. Es darf auch wohl daran erinnert werden, daß der 10. Nissan auch eines anderen Wunders Gedenktag ist. An diesem Tage spalteten sich die Wasser des Jordan und das Volk Israel betrat trockenen Fußes die Scholle' seiner Heimat. Ach dieser große Sabbat in alten Zeiten, die uns heute fast wie ein Märchen dünken, obwohl wir sie selbst miterlebt haben. Da hielten es die Begüterten für ihre heilige Pflicht, Sabbatbrot in Hülle und Fülle zu bereiten; das Brot der Synagoge nannte man es, weil es allda an die armen Familien zur Verteilung gelangte. Gerade weil die Haushaltungen in dieser Zeit des Wegräumens auf etwas knapperen Fuß gesetzt waren, sollte dieser Sabbat erst recht der große sein, sollte an seiner frohen Weise nichts fehlen, auch dem Aermsten nicht. Und dann fanden sich arm und reich am großen Sabbat, um gemeinsam gespannt der Deroschoh zu lauschen, der Erklärung all der Vorschriften, welche sich auf das nahe Passahfest bezogen, dem feinen Kampf des geistigen Ringes um die Palme des Verständnisses der Worte alter Weisen. Der Sabbat war groß, weil er seiner ganzen Ausdehnung nach diesem Zwecke gewidmet war. Vielleicht aber hat dieser Tag noch eine ganz andere Bedeutung. Eine alte fromme Kunde meldet, daß in Bewertung der Arbeitskraft seiner jüdischen Sklaven und im Interesse der Erhaltung derselben Aegypten einen Tag in der Woche den Juden freigegeben habe, das war der Sabbat. Da ergaben sich nun die Gequälten dumpfer Ruhe, unfähig eines höheren Aufschwungs der Seele, unfähig selbst zu irgendeiner körperlichen Leistung. Nun kam der große Sabbat; jedermann wußte, daß auch am morgigen Tage die Peitsche des Fronvogtes nicht geschwungen werden würde; jedermann wußte, daß fortan nur der freie Entschluß zur Arbeit führen könne. Und wahrlich, der Sabbat des freien Entschlusses, das ist der große Tag. Da muß es sich zeigen, ob die Saiten der Seele im wilden Kasten nicht verstimmt sind, ob ihnen noch ein Akkord zu entlocken ist. Der große Sabbat in Erinnerung an jenen jähen Uebergang erheischt Antwort aus die Frage: Ist dein Sabbat heilig dem Ewigen. — Ach, welch gewaltige Größe liegt in dem freudigen Ja auf diese große, ernste, menschheitserlösende Frage! P. K. Aus aller Wett. Deutschland. Berlin. Das Hilfskomitee für die jemenitischen Juden teilt mit, daß bis Ende 1913 für den Häuserbau in Palästina 261681,41 Jl eingegangen sind, hiervon aus Deutschland über 54 000 c ft. Weitere große Zuwendungen, insbesondere aus Amerika, sind in sichere Aussicht gestellt. Die Häuser können gegenüber dem ursprünglichen Plan etwas besser ausgestattet werden, da der Jüdische Nationalfonds, der den Bau übernommen hat, sich bereit erklärte, den Grund und Boden in Erbpacht zu geben, daß also die gespendeten Beträge ganz für den eigentlichen Hausbau verwendet werden können. Bisher sind zirka 150 Häuser gebaut. Der Bau weiterer 100 bis 120 Häuser ist für das Jahr 1914 beschlossen worden. Da die Einwanderung der Jemeniten in Palästina noch immer anhält, sind fernere Zuwendungen dringend erforderlich.