Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 13 (27.3.1914)
- Date
- 1914-03-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Nr. 13. Das Mische Platt. klagte S). den Trödler und letzterer wurde zu di 250 Schadenersatz, außerdem noch zu di 4 täglich Versäumniskosten während 5 Monaten, im ganzen also zu 850 dl verurteilt. Dies bedeutete natürlich den Ruin des ohnehin vom Mißgeschick heimgesuchten Mannes. Revision einzulegen war mit großen Unkosten verbunden. Durch freundliche Vermittelung von Herrn Justizrat Dr. Sch. übernahm Herr Rechtsanwalt Dr. Schröder hier kostenlos die Revision. Am 6. d. Mts. kam die Sache zu erneuter Verhandlung. Rechtsanwalt Dr. Schröder beleuchtete in einer zweistündigen Rede, einem Meisterstück der Rhetorik, die juristische und ethische Seite des Prozesses. Am Schlüsse verkündete das Gericht, daß das Urteil nach 12 Tagen gefällt würde. Dies geschah nun Ende voriger Woche und zwar in der Weise, daß der Kläger kostenfällig abgewiesen wurde. An diesem Tage gab es wohl kaum einen Glücklicheren als unseren Trödler. Straßburg. Der verflossene Sonntag war für unser Mädchenwaisenhaus ein Tag tiefen Schmerzes. Das Waisenkind Hermine S ch n e r b wurde zur letzten Ruhe bestattet. Rach fast einjähriger, mit engelhafter Geduld ertragener Krankheit ward es, kaum 16 Jahre alt, in eine bessere Welt abberufen. Das Kind hatte zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Die Waisenmädchen, die Vorsteherin, sowie Lehrerinnen und die Damen des Komitees des Waisenhauses geleiteten die Verstorbene zur letzten Ruhe. Nachdem Herr Rabb. Dr. Marx ein ergreifendes Gebet gesprochen, schilderte Herr Oberrabbiner Ury die edlen Charaktereigenschaften der Heimgegangenen, die sich besonders während der Krankheit gezeigt. Am Grabe rief Herr Dr. D. Schmoll der lieben Verklärten ein letztes Lebewohl zu. — An demselben Tage fand die Beerdigung von Frau Wwe. Dina Kohn, einer frommen Dulderin, statt. Ein seit sechs Monaten dauerndes Leiden setzte dem Leben der erst 52 jährigen Frau ein Ziel. Ein edles Menschenleben ist mit ihr dahingegangen, ein Leben voller Arbeit und Sorgen. Nach dem Tode ihres vor 20 Jahren verstorbenen Gatten, der lange Jahre hier Religionslehrer gewesen, nachdem er vorher segensreich an der Allianceschule in Tanger gewirkt hatte, gelang es ihr trotz äußerst schwieriger Verhältnisse ihre Kinder zu tüchtigen, braven Menschen zu erziehen. Möge sie dort oben den wohlverdienten Lohn erhalten. Dischweiler. Vergangenen Samstag abend hielt der hiesige Literaturverein im großen Saal des Hotels zum Ochsen sein diesjähriges, sehr gut besuchtes Wintervergnügen ab. Ein vom Streichorchester flott gespielter Marsch eröffnete die Veranstaltungen. Der Begrüßungsansprache des Präsidenten, Herrn Rabbiner Dr. Lehmann, an die Mitglieder, deren Familien und die zahlreichen auswärtigen Gäste folgte ein auf Purim Bezug nehmender gediegener von Herrn F. Bloch-Straßburg verfaßter Prolog, mit Begeisterung vorgetragen von Herrn Gaston Marx. Nun kam Nummer auf Nummer des reichhaltigen Programms: Lieder, mit gewohnter Meisterschaft gesungen von Frl. Jeanne Gugenheim, Germ. Meyer und Suz. Levy. Am Klavier ließ sich Frl. Jeanne Mandel vernehmen. Die Rollen des darauf folgenden mit rauschendem Beifall aufgenommenen Theaterstücks lagen in bewährten Händen. Es wirkten mit Frll. Germ. Gugenheim und Lucie Weinberg, Herren Jacques Mandel, Andre Meyer, Henri Meyer und Alb. Weinberg. Den Schluß der Darbietungen bildete das erste Bild des ersten Aktes aus der Märchenoper „Hänfel und Gretel". Es bedarf nicht der besonderen Erwähnung, daß die beiden Darsteller, Frl. Jeanne Gugenheim und Herr Jacques Marx, deren Leistungen im letztjährigen Vereinsfest noch in aller Erinnerung sind, in wunderbarer Weise ihre Aufgabe lösten. Frenetischer Applaus ward ihnen zuteil. Nun begann — es war schon nach 11 Uhr — der Ball, welcher gegen 1 Uhr durch ein gemeinschaftliches Essen unterbrochen wurde. Ernste und heitere Reden würzten das Mahl; und es kam auch ein Delegierter des Jugendbund-Hagenau zu Wort. Der Morgen graute bereits, als die letzten Paare die Stätte des Vergnügens verließen, von dem noch lange mit großer Befriedigung in unserer Gemeinde die Rede sein wird. mi. Colmar. Das israelitische Wohltätigkeitskomitee von Colmar spricht hiermit für die ihm >n hochherziger Weise anläßlich der Heirat von Herrn Armand Dreyfus aus Paris mit Fräulein Mariette Bloch aus Colmar gespendeten 300 di, und zwar von Erfteren 200 di und von Alfred Bloch- Colmar 160 di, den herzlichsten Dank aus. Großblittersdorf. Bedauerliche Zerwürfnisse bestehen seit einigen Wochen in der hiesigen Jungen-Chevroh. Seit langer Zeit ist es Sitte, daß am Jom Kippur Koton einmal im Jahre die Mitglieder dem Gottesdienst beiwohnen müssen. Die Majorität hat nun dies aufgehoben, und ein Teil der Mitglieder ist ausgetreten, weil sie sich mit diesem Reformbeschluß in keiner Weise einverstanden erklärten. Wie verlautet, beabsichtigen die Ausgetretenen eine neue Chevroh zu gründen. Großblittersdorf. Nachdem in den letzten Jahren allmählich immer mehr Mitglieder aus der Armenkasse austraten, ließ der Vorstand vergangenen Samstag die Gemeinde Zusammenkommen, um entweder die Kasse aufzulösen oder aber ihr neue Kräfte zuzuführen. Nach einer eingehenden Debatte traten alle Balbatim wieder in die Kasse ein und werden den Armen vom 1. April ab 80 Pf. statt wie bisher 50 Pf. gegeben. Hagenau. Letzten Samstag hielt ein Zögling des Knabenwaisenhauses, Manuel Scharf, einen sehr schönen Vortrag über den Dichter Dr. Frankel; er schilderte dessen Lebenslauf mit einer Redegewandtheit, welche beweist, daß er ein fleißiger Schüler ist. — Am 28. d. M. wird eine Generalversammlung abgehalten und das Sommerprogramm ausgestellt werden. M. W. Metz. Am 22. d. M. fand die Beerdigungg des ältesten, siebenjährigen Söhnchens einer Familie Westreich, Diedenhofenerstraße 101, statt. Dasselbe lief mit einem Spielgefährten auf der Mauer der Mosel entlang, fiel in den stark angeschwollenen Strom und ertrank, während das andere Kind mit Mühe gerettet werden konnte. Bei dem erfteren waren die Rettungsversuche umsonst, ja ein Mann, der sich in den hochgehenden Strom warf, um das Kind zu retten, geriet selbst in Gefahr zu ertrinken ilnd entrann ihr nur mit knapper Not. Metz. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt Herr Oberrabbiner Dr. Netter einen höchst interessanten Vortrag über „Der Talmud an der Pforte der Neuzeit". Redner behandelte besonders die Zeit um Reuchlin, die Feindseligkeiten gegen Juden und Talmud, das Auftreten Pfefferkorns, die Zeit Moses Mendelsohns usw. Redner begrüßte das Wiederaufleben der hebräischen Sprache, die zum Studium des Talmud erforderlich sei. Reicher Beifall folgte diesen interessanten Ausführungen. 7Neh. Der Verein junger Damen „La Pouponnic-re" hatte am Purim im israel. Hospiz die armen jüdischen Kinder versammelt, denen allerlei Geschenke, Spielsachen, Kleidchen usw. ausgeteilt wurden. Die Freude der Kinder an diesen Geschenken war unbeschreiblich. Reichshofen. Ein großer Leichenzug bewegte sich heute durch unfern Ort. Die. gestern in ihrem 74. Lebensjahr gestorbene Florette Weil!, Ehefrau des Herrn Simon Weill, eine Frau vom echten, alten Schlage, wurde zu Grabe getragen. Zahlreich war die Beteiligung, auch von vielen Andersgläubigen. Herr Rabbiner Levy aus Hagenau schilderte in seinem Nachrufe die edlen Eigenschaften der Verstorbenen. Einer ihrer Söhne